Eine Clubnacht mit einer anderen Besetzung
Am 29. April 1960 wird im Blackhawk in San Francisco eine ungewöhnlich besetzte Monk-Gruppe aufgenommen. Neben Charlie Rouse und John Ore stehen zwei Gäste aus der Westküstenszene: Trompeter Joe Gordon und Tenorsaxofonist Harold Land. Billy Higgins sitzt am Schlagzeug. Der Titel Quartet Plus Two beschreibt diesen Ausgangspunkt treffend, doch hinter dem Abend steckt auch eine kurzfristige Änderung.
Ursprünglich sollte Shelly Manne an dem Projekt beteiligt sein. Mit ihm waren am Vortag bereits Aufnahmen entstanden. Produzent Orrin Keepnews und Manne kamen jedoch zu dem Schluss, dass die musikalische Verbindung nicht wie erhofft funktionierte. Higgins sprang ein. Auf dieser LP begegnet man der Besetzung des folgenden Abends; die später veröffentlichten Manne-Aufnahmen gehören nicht zu ihrem Programm.

Zwei Tenöre und eine Trompete
Rouse, Land und Gordon geben den Themen drei unterschiedliche Bläserstimmen. Monks Klavier steht dazu in einem beweglichen Verhältnis, während John Ore am Kontrabass und Higgins am Schlagzeug das Sextett tragen. Higgins hatte kurz zuvor mit Ornette Colemans Quartett Aufmerksamkeit erregt. Hier führt ihn sein Weg in Monks Welt, deren Freiheiten aus einer anderen kompositorischen Ordnung entstehen.
„Let’s Call This“ und „Four in One“ eröffnen das Album. Ihre Themen laden dazu ein, auf die Übergänge zwischen gemeinsamem Satz und individueller Stimme zu achten. Mit „I’m Getting Sentimental Over You“ folgt ein Standard von George Bassman und Ned Washington. Gerade das Nebeneinander eigener Stücke und vertrauten Materials macht hörbar, wie stark eine Besetzung die Perspektive auf eine Melodie verändern kann.

San Francisco Holiday heißt auch Worry Later
Die zweite Seite beginnt mit „San Francisco Holiday“, auch als „Worry Later“ bekannt. Hinter den unterschiedlichen Titeln steht dieselbe Monk-Komposition. Danach folgt „’Round Midnight“, bevor „Epistrophy“ als kurzes Schlussthema den Abend beschließt. Diese LP bewahrt damit ein klar umrissenes Programm aus sechs Titeln; zusätzliche Stücke späterer CD-Ausgaben sind nicht enthalten.
Für Sammler liegt der Reiz auch in der Begegnung mit Joe Gordon und Harold Land neben dem vertrauten Charlie Rouse. Man kann den Bläsersatz als Ganzes verfolgen oder beim nächsten Durchlauf die Aufmerksamkeit auf Bass und Schlagzeug richten. Eine vermeintlich bekannte Monk-Komposition wird so erneut zum Ausgangspunkt einer Entdeckung. Die Platte dokumentiert eine bestimmte Nacht und eine Konstellation, die nicht einfach mit Monks regulärem Quartett gleichzusetzen ist.
Riverside auf einer 180-Gramm-LP
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPJ 1171 spielt mit 33⅓ RPM und präsentiert das Album in Stereo. Kevin Gray schnitt die Lackfolien bei AcousTech. Die dokumentierten Rillenkennungen stimmen mit der Riverside-Tenor-Sessions-Box von 1998 überein; die Schnittgeschichte führt in das Jahr 1997 zurück. Die spätere Einzelveröffentlichung ist eine Wiederpressung dieser Arbeit.
Der Herausgeber nennt das analoge Originalmasterband als Quelle, die Pressung bei Quality Record Pressings und ein Tip-on-Einzelcover von Stoughton. Für die Sammlung ergibt sich damit eine eigenständige LP dieser Blackhawk-Nacht, ohne die gesamte Box erwerben zu müssen. Sechs Titel, drei Bläser und ein kurzfristig hinzugekommener Schlagzeuger geben dieser Begegnung ihren unverwechselbaren historischen Rahmen.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Thelonious MonkKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Charlie RouseTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Harold LandTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Joe GordonTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- John OreKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Billy HigginsSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Orrin Keepnews: Produktion. Sextett auf allen sechs Titeln. Reice Hamel ist als Toningenieur dokumentiert; Ray Fowler wird zusätzlich bei Discogs genannt.











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