Vier Stücke bekommen einen eigenen Platz
Birth Of The Blue versammelt Musik, die lange im Schatten eines berühmteren Albums stand. Miles Davis nahm die vier Stücke am 26. Mai 1958 auf, ein gutes Dreivierteljahr vor den ersten Sitzungen zu Kind of Blue. Die Verbindung ist offensichtlich: Neben Davis spielen John Coltrane, Cannonball Adderley, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb. Trotzdem lohnt es sich, diese Aufnahme als eigenes Programm kennenzulernen. Hier stehen drei Standards und eine Davis-Komposition im Mittelpunkt, mit ihrer jeweiligen Liedgeschichte und den Möglichkeiten einer gerade neu zusammengesetzten Band. Der spätere Ruhm muss nicht jede Einzelheit erklären.
Die Sitzung fand an Davis’ 32. Geburtstag im Columbia 30th Street Studio in New York statt. Der Raum in einem ehemaligen Kirchengebäude war als „The Church“ bekannt. Cal Lampley produzierte, Harold Chapman betreute die Aufnahme. Evans und Cobb hatten Red Garland und Philly Joe Jones abgelöst; die neue Konstellation brachte andere Voraussetzungen für das Zusammenspiel mit. Birth Of The Blue hält diese Begegnung fest, ohne sie nachträglich zu einer vollständigen Vorstudie für Kind of Blue zu machen. Die vier Titel zeigen eine Band, die bekanntes Material bereits mit einem ausgeprägten gemeinsamen Gestaltungswillen behandelt.

Nicht auf jedem Stück ein Sextett
„On Green Dolphin Street“ eröffnet die Platte, gefolgt von „Fran-Dance“. Davis spielt auf beiden Titeln mit Dämpfer. Die erste Komposition stammt von Bronisław Kaper und Ned Washington und wurde für einen Film geschrieben; Davis’ Aufnahme machte sie zu einem zentralen Jazzstandard. „Fran-Dance“, sein einziges Original dieser Sitzung, ist Frances Taylor gewidmet. Beide Titel lassen sich als Wechselspiel zwischen einer klar erkennbaren Melodie und den Freiheiten ihrer Ausgestaltung hören. Achte darauf, wie die Rhythmusgruppe den gemeinsamen Rahmen hält und zugleich auf die unterschiedlichen Bläser reagiert. Die Identität eines Stücks bleibt dabei mehr als sein Thema.
Auf „Stella By Starlight“ pausiert Cannonball Adderley. Es spielt also ein Quintett, obwohl der Albumname dieselben sechs berühmten Musiker zusammenführt. Diese wichtige Ausnahme ist durch die Sessiondiskografie und die Miles-Davis-Nachlassseite belegt. Die verwendete Fassung verbindet zudem zwei Takes: den Beginn aus Take 3 mit dem späteren Teil aus Take 7. Für diese Ausgabe wurde der Zusammenschnitt bestätigt. „Love For Sale“ entstand dagegen in einem einzigen vollständigen Take. Solche Unterschiede erinnern daran, dass eine Albumsitzung aus einzelnen Entscheidungen besteht und ihre veröffentlichte Geschlossenheit nicht automatisch eine ununterbrochene Darbietung abbildet.

Eine lange Veröffentlichungsgeschichte
Drei Aufnahmen erschienen 1959 auf der zweiten Seite von Jazz Track. Die andere Plattenseite enthielt Davis’ Musik zu L’Ascenseur pour l’échafaud, aufgenommen in Paris mit anderer Besetzung. „Love For Sale“ blieb zunächst außen vor und wurde erst 1975 auf Black Giants veröffentlicht. Spätere Zusammenstellungen führten das Material in unterschiedlichen Zusammenhängen weiter. Die japanische LP 1958 Miles vereinte schließlich alle vier Stücke; auch CD-Ausgaben und Boxen nahmen sich der Sitzung an. Die Musik war also nicht neu entdeckt, als Analogue Productions ihr 2024 diesen eigenen Titel und eine eigenständige Aufmachung gab.
Gerade diese Geschichte macht die Abfolge interessant. Du hörst keine Sammlung unveröffentlichter Reste, sondern vier bekannte Aufnahmen in ihrer ursprünglichen Sessionreihenfolge: „On Green Dolphin Street“, „Fran-Dance“, „Stella By Starlight“ und „Love For Sale“. Das Programm schafft einen überschaubaren Rahmen für die verschiedenen Persönlichkeiten der Band. Evans’ Klavier, Chambers’ Bass und Cobbs Schlagzeug verdienen dabei ebenso Aufmerksamkeit wie die Bläser. Wer die Stücke bislang nur als Ergänzung einer größeren Edition kannte, kann ihre Beziehungen hier als zusammenhängenden Albumablauf verfolgen. Zusätzliche Alternativtakes verlängern diese Ausgabe nicht.
Die 33er-LP und ihre neue Mischung
Angeboten wird AAPJ 172: eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen, veröffentlicht von Analogue Productions unter Sony-/Columbia-Lizenz. Sie ist von der 45er-Doppel-LP und der SACD zu unterscheiden. Laut Herausgeber mischte Vic Anesini in den Battery Studios die ursprünglichen Dreispur-Sessionbänder auf ein neues Viertelzoll-Stereoband mit 30 ips. Von dieser Vorlage schnitt Matthew Lutthans bei The Mastering Lab die Lackfolien. Damit ist die neue Stereomischung ein wesentlicher Teil dieser Ausgabe; die Quelle sollte nicht verkürzt als altes fertiges Stereomaster beschrieben werden.
Der Herausgeber nennt Quality Record Pressings und ein Stoughton-Tip-on-Klappcover mit matter Oberfläche. Ashley Kahn schrieb die Begleittexte, James Wolf gestaltete die Hülle. Eine Nummerierung ist nicht für jedes Exemplar zugesagt: Auf die ersten nummerierten schwarzen Pressungen folgten unnummerierte. Auch die blauen Sonderfassungen sind eigene Varianten. Diese LP bietet somit ein klar bestimmtes Format und eine dokumentierte Bearbeitung der Aufnahmen von 1958. Die bekannte Geschwindigkeitskorrektur von Kind of Blue betrifft anderes Aufnahmematerial und wird nicht auf Birth Of The Blue übertragen. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Im Magazin: Miles Davis: Eine Geschichte in Platten
Auch als SACD: Birth Of The Blue
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Künstlerseite: Alle Titel von Miles Davis
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Miles DavisTrompete, LeitungMitwirkung: Album-Besetzung
- Julian „Cannonball“ AdderleyAltsaxofonMitwirkung: A1, A2, B2
- John ColtraneTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Bill EvansKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Paul ChambersKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy CobbSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Cannonball Adderley pausiert auf B1 „Stella By Starlight“.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael lobt Dynamik, Druck, Klarheit, Informationsfülle und Bühne. Sein Exemplar spielt ausgesprochen ruhig. Die Aussage betrifft die damals besprochene Ausgabe von Birth of the Blue; sie wird nicht auf eine spätere 45er oder SACD übertragen.
🎧 Review video: Miles Davis 'Birth of the Blue': Jazz History Rediscovered by Analogue Productions
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Christian Krueger –
A very relaxed and elegant album, which has paved the way for Kind of Blue has arrived. The sound quality is superb and vinyl pressing as well. This album is of the same musical quality as Kind of Blue, though it is less experimental and surprising.
The highlight of the year.
Thank you Michael.
Philipp –
Ich bin begeistert, dass aus dieser Aufnahmession endlich ein Album auf Vinyl gemacht wurde. Das Cover knüpft an Kind of blue an. Einfach wunderbar. Für jeden Jazzfan ein absolutes must have. Ein großes Lob an Analogue Productions