Ein Bassist holt einen Pianisten zurück
Hinter Soular Energy steht auch die Geschichte von Gene Harris' Rückkehr zu einem größeren Publikum. Harris hatte viele Jahre mit The Three Sounds gespielt und sich Ende der 1970er-Jahre nach Boise zurückgezogen, wo er regelmäßig im Idanha Hotel auftrat. Ray Brown überzeugte ihn Anfang der 1980er-Jahre, wieder auf Tour zu gehen. Auf diesem Album begegnen sich der Pianist, Brown am Kontrabass und Gerryck King am Schlagzeug. Die Aufnahme entstand im August 1984 bei Coast Recorders in San Francisco. Sie gehört zu jener Phase, in der Harris in Browns Trio eine neue, längerfristige musikalische Partnerschaft entwickelte.
Brown brachte seine Erfahrung aus vielen Jahren im Oscar-Peterson-Trio und aus der Studioarbeit in Los Angeles mit. Harris hatte mit The Three Sounds einen anderen Weg durch das Klaviertrio zurückgelegt. In Soular Energy treffen diese Lebensläufe aufeinander, ohne dass das Album eine Rückschau auf frühere Gruppen sein müsste. Acht Stücke bilden ein eigenes Programm. Carl E. Jefferson produzierte für Concord Jazz, Phil Edwards betreute Aufnahme und Mischung. Die Besetzung bleibt für sieben Titel beim Trio; ein Stück öffnet sie für zwei Gäste. Dieser gezielte Wechsel ist eine der Besonderheiten, die dem Album seinen Verlauf geben.

Sieben Triostücke und ein Treffen zu fünft
Die Gäste heißen Emily Remler und Red Holloway. Remler spielt Gitarre, Holloway Tenorsaxofon, und beide treten bei „Mistreated But Undefeated Blues“ hinzu. Das Stück stammt von Brown. Innerhalb eines ansonsten vom Trio getragenen Programms erhält diese Erweiterung besonderes Gewicht. Plötzlich kommen zwei weitere melodische Stimmen ins Spiel, und die Beziehungen innerhalb der Gruppe verändern sich. Die Gäste sind deshalb am besten im Zusammenhang ihrer konkreten Beteiligung zu hören. Sie gehören zu dieser einen Aufnahme, während Harris, Brown und King den gemeinsamen Kern des gesamten Albums bilden.
Remler war eine junge Gitarristin mit eigener Arbeit für Concord, Holloway brachte eine lange Verbindung zu Rhythm and Blues und Jazz mit. Er hatte unter anderem mit Jack McDuff und Sonny Stitt gespielt. Das Zusammentreffen verbindet damit unterschiedliche Erfahrungen in einem Stück. Nach dieser Quintetterweiterung führt „That's All“ wieder zum Trio zurück. Auf der Doppel-LP stehen beide Titel gemeinsam auf Seite C, wodurch der Besetzungswechsel direkt innerhalb einer Plattenseite hörbar wird. Man kann ihn als kleine Entwicklung im großen Albumverlauf verfolgen: zusätzliche Stimmen treten hinzu, anschließend konzentriert sich die Musik wieder auf die drei Hauptmusiker.

Ein Repertoire voller Begegnungen
„Exactly Like You“ eröffnet das Album. Es folgen „Cry Me A River“, „Teach Me Tonight“ und Billy Strayhorns „Take The 'A' Train“. Die Auswahl verbindet Standards aus unterschiedlichen Zusammenhängen und lässt sie durch dieselbe Besetzung aufeinander treffen. „Easy Does It“ führt zu Count Basie; „Sweet Georgia Brown“ bildet den Schluss. Das Repertoire ist damit gut geeignet, die Aufmerksamkeit auf Interpretation zu richten. Wer die Melodien kennt, kann ihre Gestalt im Kopf behalten und zugleich den Entscheidungen von Klavier, Bass und Schlagzeug folgen. Der bekannte Song liefert Orientierung, während die konkrete Begegnung der Musiker das einzelne Stück bestimmt.
Für einen ersten Durchgang lohnt es sich, Brown als eigenständige Stimme zu verfolgen. Der Bassist steht im Künstlernamen des Albums, doch seine Rolle erschließt sich im Verhältnis zu Harris und King. Beim nächsten Hören kann der Fokus zum Klavier wechseln und schließlich zur Art, wie das Schlagzeug zwischen beiden vermittelt. Harris blieb auch nach dieser Aufnahme ein wichtiger Partner Browns und spielte mit ihm weitere Alben ein. Soular Energy steht dadurch am Anfang einer längeren gemeinsamen Phase. Es zeigt einen Pianisten mit umfangreicher eigener Vorgeschichte in einer neuen Partnerschaft und einen Bassisten, der für sein Trio gezielt diese musikalische Persönlichkeit gewonnen hatte.
Die 45er-Ausgabe von Analogue Productions
Analogue Productions präsentiert das Album unter AAPJ 268-45 auf zwei LPs mit 45 Umdrehungen. Kevin Gray verantwortet das Mastering bei Cohearent Audio. Als Quelle nennt der Herausgeber das originale Masterband; für die Galvanik wird Gary Salstrom genannt. Die Pressung entsteht bei Quality Record Pressings. Das achtteilige Album verteilt sich gleichmäßig mit zwei Titeln pro Seite auf die Doppel-LP. Der aktuelle Herausgeberstand nennt 180-Gramm-Vinyl und ein Tip-on-Klappcover von Stoughton Printing mit überarbeiteter Gestaltung. Diese Angaben beziehen sich auf die neuere Ausführung der bereits länger bestehenden AP-Ausgabe.
Unter derselben Katalognummer existiert auch eine frühere 200-Gramm-Fassung. Die Nummer allein unterscheidet die beiden Ausführungen deshalb nicht vollständig; Gewicht und Verpackung sind beim konkreten Exemplar zusätzliche Merkmale. Gemeinsam bleibt der Bezug zu Kevin Grays Mastering und zum vollständigen Albumprogramm. Für die Sammlung ist Soular Energy vor allem ein klar umrissenes musikalisches Treffen: Brown, Harris und King im Trio, Remler und Holloway auf einem einzelnen Blues und acht Stücke aus der Session von 1984. Die Doppel-LP gibt dieser Verbindung vier Seiten und erhält dabei die Folge, in der sich die Besetzung erweitert und wieder zum Trio zurückfindet.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Ray Brown | Kontrabass, Leitung | Album-Besetzung |
| Gene Harris | Klavier | Album-Besetzung |
| Gerryck King | Schlagzeug | Album-Besetzung |
| Red Holloway | Tenorsaxofon | C1 |
| Emily Remler | Gitarre | C1 |
Red Holloway und Emily Remler sind Gäste auf C1; die anderen sieben Titel spielt das Trio.







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