Eine Erinnerung, die weitergespielt wird
Als Joe Pass diese Hommage aufnimmt, ist Duke Ellington erst wenige Wochen tot. Der Gitarrist antwortet auf den Verlust mit neun Stücken aus dessen musikalischem Umfeld. Portraits of Duke Ellington erscheint 1975 bei Pablo. Statt ein Orchester nachzubilden, setzt Pass auf die Möglichkeiten einer kleinen Besetzung: Gitarre, Ray Browns Kontrabass und Bobby Durhams Schlagzeug. Vertraute Melodien bekommen Raum für persönliche Wendungen.
Die Verbindung ist dabei ganz konkret. Pass und Brown hatten im Januar 1973 mit Ellington und Louie Bellson Duke’s Big 4 eingespielt. Hier erinnern sich zwei Musiker an einen Kollegen, mit dem sie selbst gearbeitet haben. Produzent Norman Granz hält diese Begegnungen auf seinem noch jungen Pablo-Label fest.

Wenn eine Gitarre das Ensemble übernimmt
Bei „Sophisticated Lady“, „I Got It Bad (And That Ain’t Good)“ und „Solitude“ bleibt Pass allein. Melodie, Begleitung und kleine Gegenstimmen müssen nun auf einem Instrument zusammenfinden. Gerade der Wechsel zwischen Trio und Solostücken macht das Album interessant: Dieselbe musikalische Welt lässt sich einmal im Gespräch und einmal als konzentrierter Monolog erleben.
Hör bei einem dieser Solostücke darauf, wie lange Pass einen Melodieton stehen lässt, während darunter bereits die Harmonie weiterwandert. Du musst seine Technik nicht auseinandernehmen, um die Wirkung zu verstehen. Oft reicht es, der Melodie zu folgen und beim zweiten Durchgang auf das zu achten, was sie trägt.

Ray Brown und der Platz zwischen den Tönen
Mit Brown und Durham kehrt eine andere Beweglichkeit zurück. „Satin Doll“ eröffnet das Programm; am Ende steht „Caravan“. Dazwischen verbinden Standards wie „In a Mellow Tone“ und „Don’t Get Around Much Anymore“ die einzelnen Besetzungen. Browns Bass ist dafür ein guter Orientierungspunkt: Verfolge, wie sich seine Linie zur Gitarre verhält und wo das Schlagzeug die Bewegung aufnimmt.
Auch Durham hatte im Ellington-Orchester gespielt. Die Hommage beruht damit nicht nur auf bekannten Kompositionen, sondern auf Erfahrungen ihrer Interpreten. Das erklärt, warum eine vergleichsweise kleine Besetzung einen so großen musikalischen Zusammenhang aufrufen kann.
Diese Pablo-Neuauflage
AAPJ 184 ist eine einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM. Der Herausgeber nennt Matthew Lutthans bei The Mastering Lab für das Mastering vom analogen Originalmasterband. Gepresst wird bei Quality Record Pressings; die Ausgabe steckt in einer Stoughton-Tip-on-Hülle. Sie gehört zur zweiten Pablo-Neuauflagenstaffel von Analogue Productions. Die Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe, nicht auf die ursprüngliche Pablo-Pressung von 1975.
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Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Joe Pass | Gitarre |
| Ray Brown | Kontrabass |
| Bobby Durham | Schlagzeug |
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