Vier Perspektiven auf Duke Ellington
A Celebration of Duke erschien 1980 bei Pablo und vereint Aufnahmen aus mehreren Sessions von 1979 und 1980. Der Titel benennt den gemeinsamen Bezugspunkt, nicht eine einzige gemeinsam auftretende Besetzung. Sarah Vaughan, Clark Terry, Zoot Sims und das Quartett Quadrant widmen sich Musik aus dem Umfeld Duke Ellingtons. Ihre Beiträge wurden zu einem Album zusammengestellt. Genau diese Form macht den Reiz des Programms aus: Dasselbe Repertoirefeld begegnet als Gesang, als Bläserensemble und als instrumentales Quartett mit Vibrafon und Gitarre. Die Unterschiede der Besetzung gehören zur Idee der Platte.
Auch die Autorschaft des Materials verlangt einen weiteren Blick als den Namen auf dem Titel. „Take The ‘A’ Train“ stammt von Billy Strayhorn, „Caravan“ ist mit Juan Tizol verbunden. Ellingtons musikalische Welt entstand in Zusammenarbeit mit solchen Komponisten und Musikern. Eine Hommage kann diese Verbindungen sichtbar machen, statt jedes Stück pauschal als seine alleinige Komposition zu behandeln. Clark Terry bringt zudem eigene Erfahrung aus Ellingtons Orchester mit: Er gehörte ihm in den Fünfzigerjahren an. Seine Beteiligung stellt damit eine direkte personelle Verbindung zwischen dem früheren Orchester und dieser späteren Würdigung her.

Die Besetzungen hinter den zehn Titeln
Quadrant besteht aus Milt Jackson am Vibrafon, Joe Pass an der Gitarre, Ray Brown am Bass und Mickey Roker am Schlagzeug. Diese Gruppe spielt „Caravan“, „Take The ‘A’ Train“ und „Main Stem“. Clark Terry wird auf seinen drei Beiträgen von Jack Wilson, Joe Pass, Ray Brown und Frank Severino begleitet. So entstehen bereits innerhalb der instrumentalen Titel zwei unterschiedliche Zusammenhänge: einmal stehen Vibrafon und Gitarre im Vordergrund, einmal Terrys Trompete mit einer anderen Rhythmusgruppe. Gemeinsame Namen verbinden die Sessions, machen sie aber nicht zu derselben Besetzung.
Zoot Sims spielt hier Sopransaxofon. Diese Angabe ist wichtig, weil er häufig zuerst mit dem Tenorsaxofon verbunden wird. Zu seiner Gruppe gehören Jimmy Rowles, Michael Moore und John Clay. Sarah Vaughans Beiträge „I Ain’t Got Nothin’ But The Blues“ und „Everything But You“ führen wiederum in einen eigenen Aufnahmezusammenhang; Mike Wofford und Joe Pass sind in den maßgeblichen Albumangaben genannt. Für weitere Begleiter widersprechen sich die Quellen. Die Musikerliste zeigt deshalb die gesicherte Zuordnung und lässt diese offene Stelle erkennbar, statt die Credits aller Sessions zu einer scheinbar vollständigen Band zusammenzuziehen.

Vertraute Themen mit wechselndem Gegenüber
Die zehn Stücke lassen sich als Folge unterschiedlicher Begegnungen mit dem Repertoire hören. Bei Quadrant kann man auf das Zusammenspiel von Vibrafon und Gitarre achten: Wie werden Themen verteilt, wo ergänzt eine akkordische Antwort eine melodische Linie? Terrys Beiträge eröffnen eine andere Perspektive auf dieselbe Tradition. Bei Sims wiederum verändert das Sopransaxofon den instrumentalen Bezug gegenüber den Tenoraufnahmen, mit denen viele Hörer ihn kennen. Diese Unterschiede muss man nicht hierarchisch bewerten. Sie sind ein konkreter Teil dessen, was die Zusammenstellung hörbar nebeneinanderstellt.
Vaughans Stimme fügt eine weitere Ebene hinzu, weil die Wörter und ihre Phrasierung in den Vordergrund treten. Ein Thema, das als Instrumentalstück über Kontur und Harmonie erkennbar wird, erhält im Gesang eine sprachliche Perspektive. Das Album wechselt zwischen solchen Situationen, statt über zehn Titel dieselbe Formation durchzuhalten. Joe Pass verbindet als beteiligter Gitarrist mehrere Gruppen; seine Mitwirkung umfasst acht der zehn Titel, nicht die beiden Sims-Aufnahmen. Wer den Besetzungswechseln in der Tracklist folgt, kann die Zusammenstellung deshalb wie einen kleinen Rundgang durch verschiedene Arbeitsweisen des Pablo-Umfelds hören.
Die Analogue-Productions-Neuauflage
Diese Ausgabe erscheint als einzelne Stereo-LP mit 180 Gramm und 33⅓ Umdrehungen pro Minute bei Analogue Productions. Matthew Lutthans bei The Mastering Lab übernahm das Mastering. Der Herausgeber nennt das originale analoge Band als Quelle. Die zehn Titel bleiben in der ursprünglichen Reihenfolge erhalten, einschließlich der Wechsel zwischen den vier Aufnahmegruppen. Quality Record Pressings fertigt die Platte, Stoughton die Tip-on-Hülle. Die Produktnummer lautet AAPJ 162. Eine bestimmte frühe Nummerierung gehört nicht zu dieser Beschreibung.
Enthalten sind die zehn Titel der ursprünglichen Zusammenstellung. Die Neuauflage bewahrt damit ein Album, dessen Zusammenhang durch das Repertoire und die Auswahl entsteht. Es dokumentiert keine gemeinsame Session aller auf dem Cover genannten Künstler. Gerade die genaue Unterscheidung der beteiligten Gruppen macht es leichter, einzelne Beiträge wiederzufinden und die musikalischen Verbindungen nachzuvollziehen. Ellington und sein kompositorisches Umfeld bleiben der gemeinsame Ausgangspunkt; Vaughan, Terry, Sims und Quadrant bringen jeweils eine eigene Besetzung und Arbeitsweise mit. Die ursprüngliche Veröffentlichung von 1980 hält diese Perspektiven in einer festgelegten Reihenfolge zusammen.
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Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Sarah VaughanGesangMitwirkung: A4, B1
- Mike WoffordKlavierMitwirkung: A4, B1
- Joe PassGitarreMitwirkung: A1, A2, A4, A5, B1, B2, B4, B5
- Milt JacksonVibrafonMitwirkung: A1, B2, B5
- Ray BrownKontrabassMitwirkung: A1, A2, A5, B2, B4, B5
- Mickey RokerSchlagzeugMitwirkung: A1, B2, B5
- Clark TerryTrompeteMitwirkung: A2, A5, B4
- Jack WilsonKlavierMitwirkung: A2, A5, B4
- Frank SeverinoSchlagzeugMitwirkung: A2, A5, B4
- Zoot SimsSopransaxofonMitwirkung: A3, B3
- Jimmy RowlesKlavierMitwirkung: A3, B3
- Michael MooreKontrabassMitwirkung: A3, B3
- John ClaySchlagzeugMitwirkung: A3, B3
Vier getrennte Aufnahmegruppen. Zoot Sims spielt Sopransaxofon. Zusätzliche Begleiter von Sarah Vaughan bleiben wegen widersprüchlicher Belege offen.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hebt Instrumententrennung, Bühne, Dynamik und klare, transparente Wiedergabe hervor. Er zählt A Celebration of Duke zu den am besten klingenden Pablo-Ausgaben, die er gehört hat.
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