Ein Film führt zu einem eigenen Jazzalbum
Sonny Rollins’ Alfie beginnt mit einer Unterscheidung, die viel über die Platte erklärt. Für Lewis Gilberts Film mit Michael Caine hatte Rollins 1965 in London musikalische Skizzen aufgenommen. Auf diesem Album spielen jedoch andere Musiker. Am 26. Januar 1966 ging er in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs, um das Material mit neuen Arrangements zu einer eigenständigen Aufnahme auszubauen. Die Verbindung zum Film ist real; die Platte lässt sich zugleich als geschlossenes Jazzprojekt hören.
Oliver Nelson übernahm die Arrangements und die Leitung des Ensembles. Er gab Rollins’ Motiven einen größeren instrumentalen Rahmen, ohne aus ihnen eine bloße Sammlung kurzer Filmsignale zu machen. Schon die mehr als zehn Minuten des eröffnenden „Alfie's Theme“ lassen erkennen, wie weit sich diese Musik vom ursprünglichen Auftrag lösen konnte.

Nelsons Ensemble rund um das Tenorsaxofon
Neben Rollins stehen mehrere Bläser, darunter Phil Woods am Altsaxofon, Bob Ashton am Tenor und Danny Bank am Bariton. J.J. Johnson und Jimmy Cleveland sind als Posaunisten beteiligt. Roger Kellaway am Klavier, Kenny Burrell an der Gitarre, Walter Booker am Bass und Frankie Dunlop am Schlagzeug bilden die Rhythmusgruppe. Die Namen beschreiben eine Besetzung, in der ein Solist auf viele eigenständige musikalische Persönlichkeiten trifft.
Nelsons Aufgabe bestand darin, diese Möglichkeiten zu ordnen. Du kannst beim Hören verfolgen, wann ein Bläsersatz ein Motiv festhält und wann er Rollins Raum überlässt. Auch Burrells Gitarre ist Teil dieser Balance zwischen arrangiertem Hintergrund und beweglicher Begleitung. Das Album bietet dadurch mehr als die Begegnung eines bekannten Saxofonisten mit einem bekannten Filmtitel: Es zeigt, wie ein Arrangeur vorhandenes Material in eine neue Ensembleform überführt.

Ein Thema kehrt verändert zurück
Die sechs Stücke bilden unterschiedliche Perspektiven auf denselben Ausgangspunkt. „He's Younger Than You Are“, „Street Runner With Child“ und der lange betitelte „Transition Theme for Minor Blues or Little Malcolm Loves His Dad“ bewahren bereits in ihren Namen Beziehungen zur Filmhandlung. „On Impulse“ und „Alfie's Theme Differently“ erweitern diesen Zusammenhang. Interessant ist die Aufnahmefolge: Die Variante des Hauptthemas wurde vor dem Stück aufgenommen, das später die Platte eröffnete.
Eine häufige Verwechslung lässt sich dabei leicht vermeiden. Der bekannte Song „Alfie“ von Burt Bacharach und Hal David gehört nicht zu diesem Album. Hier stehen Rollins’ Kompositionen im Mittelpunkt. Auch die Londoner Musiker des eigentlichen Filmtons sind auf dieser Studioplatte nicht zu hören. Gerade diese Eigenständigkeit macht sie reizvoll: Du brauchst den Film nicht als Begleitung, um die Entwicklung der Themen und die unterschiedlichen Aufgaben des Ensembles zu verfolgen.
Diese Ausgabe: Verve Acoustic Sounds Series
Die 180-Gramm-LP AVER 64568 gehört zur Verve Acoustic Sounds Series. Als Masteringingenieur nennt der Herausgeber Matthew Lutthans bei The Mastering Lab, als Quelle das Originalmasterband. Gepresst wird bei Quality Record Pressings. Die Ausgabe kommt als Stereo-LP; die dokumentierten Ausgabedaten und Labelshops führen ein Klappcover. Sie wird hier mit ihrer korrekten Verve-Reihenbezeichnung geführt, nicht als Analogue-Productions-Veröffentlichung.
Die Seitenfolge bewahrt die Anlage des Originals: Hauptthema und „He's Younger Than You Are“ stehen auf der ersten Seite, die übrigen vier Stücke auf der zweiten. Michael hat diese konkrete Ausgabe in seinem Video vom 4. März 2025 vorgestellt. Seine Einordnung gehört zur persönlichen Auseinandersetzung mit der Platte; die technischen Angaben hier beruhen auf den Ausgabedaten. Ein vollständig analoger Produktionsweg wird für diese Pressung vom Herausgeber nicht ausdrücklich beschrieben.
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Künstlerseite: Alle Titel von Sonny Rollins
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Oliver Nelson | Dirigat |
| Sonny Rollins | Tenorsaxofon |
| J. J. Johnson | Posaune |
| Jimmy Cleveland | Posaune |
| Phil Woods | Altsaxofon |
| Bob Ashton | Tenorsaxofon |
| Danny Bank | Baritonsaxofon |
| Roger Kellaway | Klavier |
| Kenny Burrell | Gitarre |
| Walter Booker | Bass |
| Frankie Dunlop | Schlagzeug |
Die Titelzuordnung von J. J. Johnson und Jimmy Cleveland ist in den Quellen widersprüchlich.







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