Die Hammondorgel bekommt ein großes Gegenüber
Jimmy Smiths The Cat bringt die Hammondorgel mit einer großen Blechbläserbesetzung zusammen. Das ist ein anderer Rahmen als das kleine Orgeltrio, mit dem Smith ebenfalls eng verbunden ist. Lalo Schifrin arrangiert und dirigiert, während Smith das Soloinstrument spielt. Die Begegnung führt zwischen Jazz, Blues und Filmmusik hindurch und gibt jedem Bereich konkrete Titel. Du musst die Filme nicht kennen, um dem Programm zu folgen. Interessant ist zunächst die Verteilung der Aufgaben: Wann steht die Orgel vor dem Ensemble, wann antworten die Bläser, und wie halten die übrigen Instrumente diese Wechsel zusammen? Die Größe der Besetzung allein erklärt ihre Wirkung noch nicht.
Aufgenommen wurde am 27. und 29. April 1964 in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs. Creed Taylor produzierte das Album für Verve. Drei veröffentlichte Stücke entstanden beim ersten Termin, fünf weitere beim zweiten; die LP ordnet sie nicht einfach nach Aufnahmetagen. Das Programm wurde aus beiden Sitzungen zusammengestellt. Taylor hatte Smith bei Verve bereits in größere Ensembleprojekte eingebunden. Für The Cat traf der Organist auf Schifrin, der als Pianist und Arrangeur bei Dizzy Gillespie gearbeitet hatte und sich zugleich in der Filmmusik etablierte. Beide Erfahrungen gehören zum Hintergrund dieser Zusammenarbeit.

Blechbläser statt einer pauschalen Big Band
Die Besetzung umfasst sechs Trompeten, drei Posaunen, Bassposaune, vier Hörner und Tuba. Saxofone, Klarinetten oder Flöten stehen nicht in den geprüften Besetzungslisten. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einer üblichen Beschreibung als Band aus Blech- und Holzbläsern. Unter den Trompetern sind Thad Jones, Ernie Royal und Snooky Young; Urbie Green und Jimmy Cleveland gehören zu den Posaunisten, Don Butterfield spielt Tuba. Schifrin arbeitet also mit einem genau bestimmten Instrumentarium. Seine Möglichkeiten entstehen aus verschiedenen Lagen, Klangansätzen und Kombinationen innerhalb des Blechs, nicht aus einem zusätzlich angenommenen Saxofonsatz.
Neben Smith spielen Kenny Burrell Gitarre, George Duvivier Bass, Grady Tate Schlagzeug und Phil Kraus Perkussion. Insgesamt sind zwanzig Instrumentalisten dokumentiert, dazu Schifrin als Arrangeur und Dirigent. Komponisten anderer Titel gehören deshalb nicht automatisch zur spielenden Besetzung. Diese klare Rollenverteilung erleichtert auch das Hören: Die Rhythmusgruppe ist nicht bloß der Unterbau eines großen Effekts. Sie verbindet Orgel und Bläser und trägt die Beweglichkeit des Programms. Achte einmal bewusst auf Burrell, Duvivier und Tate, während die Aufmerksamkeit sonst vielleicht sofort zu Smith oder den kräftig besetzten Bläserpassagen wandert.

Filmthemen treffen auf Bluesgeschichte
Die erste Seite verbindet Musik aus Joy House mit „Basin Street Blues“ und dem Hauptthema aus The Carpetbaggers. Joy House, im französischen Original Les Félins, ist ein Film von René Clément mit Alain Delon und Jane Fonda; Schifrin schrieb die Musik. Das Titelstück „The Cat“ gehört zu diesem Zusammenhang. Elmer Bernstein komponierte dagegen die Musik zu The Carpetbaggers. Die beiden Filmwelten werden auf dem Album durch dieselben Interpreten verbunden. Sie sind keine austauschbaren Herkunftsangaben: Verschiedene Komponisten liefern Material, das Schifrin für Smith und die konkrete Studiobesetzung in einen gemeinsamen Rahmen bringt.
Auf der zweiten Seite stehen „Chicago Serenade“, „St. Louis Blues“, Smiths „Delon’s Blues“ und „Blues In The Night“. Damit bleibt das Album nicht bei einer Folge aktueller Kinothemen. Es greift ebenso auf ältere Blues- und Songtraditionen zurück. Schifrin erhielt für „The Cat“ den Grammy für die beste originale Jazzkomposition; die Auszeichnung gilt ihm als Komponisten dieses Stücks. Fürs Hören kann gerade der Wechsel zwischen den Herkunftsbereichen aufschlussreich sein. Wie verändert sich das Verhältnis von Orgel und Ensemble, wenn auf ein Filmthema ein vertrauter Blues folgt? Die acht Titel geben dieser Frage einen überschaubaren, abwechslungsreichen Verlauf.
Die Acoustic-Sounds-Series-LP
AVER 27374 ist die angebotene 180-Gramm-LP aus der Verve/UMe Acoustic Sounds Series, mit 33⅓ Umdrehungen. Ryan K. Smith verantwortet das Mastering; Sterling Sound ist durch die ausgabenbezogenen Credits und dokumentierten „RKS STERLING“-Gravuren gestützt. Der Herausgeber nennt die ursprünglichen analogen Bänder als Quelle. Diese Formulierung wird nicht zur stärkeren Behauptung eines lückenlos nachgewiesenen Masterbandwegs erweitert. Die Bearbeitung der Neuauflage ist außerdem von Rudy Van Gelders ursprünglicher Aufnahmearbeit zu unterscheiden. Beide Namen beschreiben verschiedene Schritte in der Geschichte derselben Musik.
Quality Record Pressings ist als Presswerk angegeben, dazu ein Stoughton-Tip-on-Klappcover. Die Stereo-LP bewahrt das Acht-Titel-Programm und dessen ursprüngliche Seitenfolge. Andere Formate, darunter spätere SACD-Veröffentlichungen, sind eigenständige Ausgaben mit gesondert zu prüfenden Daten. The Cat bleibt hier die Begegnung eines Organisten mit Schifrins genau besetztem Ensemble. Wer das Album über sein bekanntes Titelstück entdeckt, kann dahinter die Verbindung aus Filmkompositionen, Bluesrepertoire und Studioarbeit verfolgen. Die vollständigen Musikerangaben helfen dabei, die große Besetzung wieder in ihre einzelnen, tatsächlich belegten Beiträge aufzulösen. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jimmy SmithOrgel (Hammond B-3)Mitwirkung: Album-Besetzung
- Lalo SchifrinArrangement, Leitung (Dirigat)Mitwirkung: Album-Besetzung
- Bernie GlowTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Thad JonesTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Marky MarkowitzTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy MaxwellTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Ernie RoyalTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Snooky YoungTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Billy ByersPosauneMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy ClevelandPosauneMitwirkung: Album-Besetzung
- Urbie GreenPosauneMitwirkung: Album-Besetzung
- Tony StuddBassposauneMitwirkung: Album-Besetzung
- Ray AlongeHornMitwirkung: Album-Besetzung
- Jim BuffingtonHornMitwirkung: Album-Besetzung
- Earl ChapinHornMitwirkung: Album-Besetzung
- Bill CorreaHornMitwirkung: Album-Besetzung
- Don ButterfieldTubaMitwirkung: Album-Besetzung
- Kenny BurrellGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- George DuvivierBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Grady TateSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Phil KrausPerkussionMitwirkung: Album-Besetzung
20 Instrumentalisten plus Lalo Schifrin als Arrangeur und Dirigent. Die Bläserbesetzung besteht ausschließlich aus Blechbläsern.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael begeistert bei dieser Acoustic-Sounds-Ausgabe die kraftvolle, energiegeladene Verbindung aus Jimmy Smiths Orgel und dem Big-Band-Klang. Er beschreibt die Musik als ausgesprochen groovig und zählt die Veröffentlichung zu seinen persönlichen Höhepunkten der Reihe. Sein Urteil betrifft das Hörerlebnis; einen Originalpressungsvergleich führt er hier nicht durch.
🎧 Review video: New Amazing Records From Smith, Simone and Webster
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