Vertrautheit lässt Platz für Überraschungen
Affinity lässt sich über eine einfache Frage entdecken: Was passiert mit einer Melodie, wenn drei Musiker ihre Bewegungen so gut kennen, dass sie einander Raum geben können? Oscar Peterson, Ray Brown und Ed Thigpen spielen hier in der festen Trioformation ihrer gemeinsamen Jahre. Die Aufnahmen entstanden im September 1962 in Chicago. Das Programm führt von Bill Evans über Broadway und Film bis zur europäischen Operette — zusammengehalten durch Klavier, Kontrabass und Schlagzeug.
Petersons technische Möglichkeiten sind bekannt. Diese Platte eröffnet einen Zugang über die Auswahl der Stücke und ihre unterschiedlichen Bewegungsformen. Neben den Linien des Pianisten lohnt Aufmerksamkeit für Browns Bass und Thigpens Akzente. Eine Melodie kann deutlich im Vordergrund stehen, während die Begleitung bereits vorbereitet, wie die nächste Phrase ankommt. Der Titel Affinity, also Nähe oder Verbundenheit, bekommt dadurch eine musikalisch nachvollziehbare Bedeutung.

Zwei Walzer, verschiedene Persönlichkeiten
Bill Evans’ „Waltz for Debby“ eröffnet das Album. Eine Komposition eines anderen prägenden Jazzpianisten steht damit am Anfang. Peterson muss Evans’ Persönlichkeit nicht nachspielen, um dessen Melodie ernst zu nehmen. Für einen Hördurchgang ist das ein schöner Ausgangspunkt: Welche Eigenschaften gehören erkennbar zum Stück, welche zur Art, wie dieses Trio damit umgeht?
„Gravy Waltz“ führt anschließend zu Ray Brown, der die Komposition gemeinsam mit Steve Allen schrieb. Der Bassist ist hier auch als Autor vertreten. Dass zwei Walzer auf derselben Plattenseite erscheinen, bedeutet deshalb keine Wiederholung derselben Idee. Außerdem folgt mit „This Could Be the Start of Something“ ein weiterer Steve-Allen-Titel. Das Programm verknüpft eine aktuelle Jazzkomposition, Musik aus dem eigenen Ensemble und das Songwriting eines Mannes, der vielen zunächst als Fernsehmoderator bekannt war.

Eine Operettenmelodie auf der letzten Seite
„Yours Is My Heart Alone“ dürfte deutschsprachigen Hörern unter einem anderen Namen vertraut sein: „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Franz Lehárs Das Land des Lächelns. Die Melodie wechselt hier aus der gesungenen Bühnenrolle ins Jazztrio. Sie verliert ihren Wiedererkennungswert nicht, eröffnet aber einen anderen Umgang mit Phrasierung, Begleitung und Zeit. Als Schlussstück gibt sie dem Album einen nachvollziehbaren Bogen zurück zur großen, einprägsamen Melodie.
Auch die weiteren Titel schlagen Verbindungen zwischen musikalischen Welten. „Baubles, Bangles and Beads“ kommt aus Kismet, „Tangerine“ trägt die Namen Johnny Mercer und Victor Schertzinger, „Six and Four“ stammt von Oliver Nelson. „I’m a Fool to Want You“ führt in die Ballade. Diese Nachbarschaften sind der eigentliche Reichtum von Affinity: Acht Stücke mit eigener Vorgeschichte werden zu einem Programm, das die Vertrautheit des Trios immer wieder auf anderes Material anwendet. Hör einmal besonders darauf, wie Brown und Thigpen den Charakter eines Stücks mitbestimmen, bevor das Klaviersolo in den Mittelpunkt rückt.
Diese Ausgabe
AVER 89544 gehört zur Acoustic Sounds Series von Verve und UMe. Die acht Albumtitel stehen auf einer 180-Gramm-LP mit 33⅓ U/min. Acoustic Sounds nennt die originalen analogen Bänder als Quelle sowie Quality Record Pressings und ein Tip-On-Klappcover von Stoughton Printing für die Herstellung und Ausstattung dieser Ausgabe.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Oscar Peterson | Klavier |
| Ray Brown | Kontrabass |
| Ed Thigpen | Schlagzeug |







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