Der vierte Mann bringt eine neue Stimme mit
Das „+ One“ im Titel klingt nach einer kleinen Erweiterung. Clark Terry bringt jedoch mehr als ein zusätzliches Instrument in Oscar Petersons Trio: Trompete, Flügelhorn und seine unverwechselbare Art zu singen verändern die Möglichkeiten des Gesprächs. Peterson, Ray Brown und Ed Thigpen treffen hier auf einen Musiker, dessen Persönlichkeit sich schon in einer kurzen Phrase zeigen kann. Die New Yorker Aufnahmen vom August 1964 verbinden ein eingespieltes Trio mit einem Gast, der sofort als eigene Stimme erkennbar wird.
Terry hatte bei Count Basie und Duke Ellington gearbeitet. Bei Peterson trifft er auf eine Rhythmusgruppe, die keine lange Anlaufstrecke braucht. Brown spielt Kontrabass, Thigpen Schlagzeug, Peterson Klavier. Für den Hörer ist das eine besonders übersichtliche Konstellation: Drei Instrumente stellen Harmonie und rhythmischen Zusammenhang her, während das Blechblasinstrument eine zusätzliche melodische Linie eröffnet. Wer wann führt, kann sich innerhalb eines Stücks verändern.

Wenn der Trompeter zu singen beginnt
„Mumbles“ und „Incoherent Blues“ geben Terry eine andere Rolle. Sein absichtlich undeutlicher Scat-Gesang arbeitet mit Silben, Artikulation und dem Eindruck gesprochener Sprache. Der Witz liegt in der musikalischen Ausführung. Auch ohne verständlichen Satz lässt sich hören, wie eine Phrase ansetzt, zögert, antwortet oder sich beschleunigt. Die Stimme wird zu einem Instrument mit eigener Aussprache.
Beide Stücke stammen von Terry und erschienen auch gemeinsam als Mercury-Single. Sie sind also keine zufälligen Studioeinschübe am Rand einer Instrumentalplatte. Auf der ursprünglichen Albumfolge beenden sie jeweils eine Seite. Dieser Aufbau gibt jeder Hälfte eine eigene Pointe. Dazwischen lohnt es sich, Terrys gesungene Artikulation mit seinen Bläserphrasen zu vergleichen: Unterschiedliche Klangerzeugung kann eine verwandte Vorstellung von Timing und Humor tragen.

Broadway, Blues und eigene Stücke
Das übrige Programm verbindet Standards mit Kompositionen aus dem Ensemble. „Brotherhood of Man“ stammt von Frank Loesser, „They Didn’t Believe Me“ von Jerome Kern und Herbert Reynolds. Hinter „Mack the Knife“ steht die Moritat aus Brecht und Weills Dreigroschenoper, hier mit der englischen Textfassung im Hintergrund. Im instrumentalen Spiel kann eine vertraute Melodie als gemeinsamer Ausgangspunkt dienen, ohne dass ihre Bühnengeschichte die musikalischen Antworten festlegt.
Peterson steuert unter anderem „Blues for Smedley“, „Roundalay“ und „Squeaky’s Blues“ bei. Er schrieb auch den Begleittext zur Platte. Damit begegnet man dem Pianisten als Spieler, Komponisten und Vermittler des Projekts. Das Album erschien ursprünglich bei Mercury — eine hilfreiche Einordnung, weil die heutige Wiederveröffentlichung in der von Verve und UMe getragenen Acoustic Sounds Series steht. Die Reihe verbindet inzwischen mehrere historische Kataloge; sie ändert nicht die Herkunft dieser Aufnahme.
Diese Ausgabe
Die Ausgabe AMER 89540 ist eine 180-Gramm-LP der Acoustic Sounds Series mit 33⅓ U/min. Acoustic Sounds nennt das originale analoge Masterband als Quelle, Quality Record Pressings als Presswerk und ein Tip-On-Klappcover von Stoughton Printing. Das Albumprogramm umfasst zehn Titel, einschließlich beider Gesangsstücke von Clark Terry.
Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Clark Terry | Flügelhorn, Trompete, Gesang |
| Oscar Peterson | Klavier |
| Ray Brown | Kontrabass |
| Ed Thigpen | Schlagzeug |







Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.