Ein Album über das Zuschauen
Amused to Death ist Roger Waters’ großes Album über eine Welt, die Ereignisse zunehmend als Bilder empfängt. Krieg, Unterhaltung, Glaubensgewissheit und die Entfernung zwischen einem Geschehen und seinem Publikum bilden den thematischen Raum. Die Platte erschien am 7. September 1992 bei Columbia, nach Aufnahmen, die sich von 1987 bis 1992 über mehrere Londoner Studios erstreckten. Zu den genannten Aufnahmeorten gehören The Billiard Room, Olympic, CTS, Angel und Abbey Road. Das Ergebnis ist ein sorgfältig aufgebautes Studioalbum, dessen vierzehn Titel immer wieder Verbindungen untereinander herstellen.
Eine konkrete menschliche Erinnerung rahmt die größere Perspektive. Zu Beginn und am Ende ist der britische Weltkriegsveteran Alf Razzell mit seinem Bericht über Bill Hubbard zu hören. Diese Stimme gehört nicht zu einer erfundenen Figur innerhalb der Songtexte. Sie bringt eine persönliche Kriegserfahrung in ein Album, das sich mit der Vermittlung und dem Konsum von Gewalt beschäftigt. Der Abstand zwischen einem einzelnen Menschen und einer großen medialen Erzählung bekommt dadurch einen greifbaren Ausgangspunkt.
Waters schrieb sämtliche Songs. Seine Stimme führt durch das Programm, aber die Gestaltung geht weit über eine Folge von Liedern mit gleichbleibender Bandbegleitung hinaus. Gesprochene Passagen, wechselnde Sängerinnen und Sänger, Gitarren, Tasteninstrumente und orchestrale Beiträge verbinden sich zu einer zusammenhängenden Dramaturgie. Für das Verständnis der hier angebotenen Ausgabe ist außerdem wichtig: Sie beruht auf James Guthries Remix von 2015. Originalalbum und spätere Mischung gehören zur selben Werkgeschichte, sind jedoch nicht einfach zwei Bezeichnungen für eine unveränderte technische Fassung.

Viele Mitwirkende, gezielt eingesetzte Stimmen
Patrick Leonard nimmt eine zentrale Rolle ein. Neben seiner Beteiligung an der Produktion spielt er auf weiten Teilen des Albums Keyboards und übernimmt weitere Aufgaben, darunter Programmierung und Chorarrangements. Roger Waters ist außer als Sänger auch mit Bass, Synthesizer sowie akustischer und zwölfsaitiger Gitarre beteiligt. Diese Instrumente sind nicht pauschal auf jedem Stück zu hören. Das Album arbeitet mit wechselnden Kombinationen, und gerade diese Zuordnung macht die ausführlichen Credits interessant.
Jeff Beck ist eine der markanten Gitarrenstimmen der Aufnahme. Er spielt unter anderem auf „The Ballad of Bill Hubbard“, „Watching TV“ und „It’s a Miracle“; weitere Beiträge gehören zu den Solopassagen verschiedener Songs. Im Remix von 2015 ist seine Beteiligung an „The Bravery of Being Out of Range“ besonders zu beachten. Auch die Orgelbesetzung dieses Titels verändert sich gegenüber der ursprünglichen Fassung: David Paich gehört zur späteren Version. Solche Unterschiede sind ein guter Grund, die Besetzung der angebotenen Ausgabe nicht ungeprüft aus einer allgemeinen Liste für das Album von 1992 zu übernehmen.
Zur Gitarrenlandschaft tragen außerdem Andy Fairweather Low, Tim Pierce, Geoff Whitehorn, Steve Lukather, Rick DiFonzo und Bruce Gaitsch bei; B. J. Cole spielt Pedal Steel auf den beiden „Perfect Sense“-Teilen. Graham Broad übernimmt einen großen Teil der Schlagzeugaufgaben, während Denny Fongheiser auf „The Bravery of Being Out of Range“ und Jeff Porcaro auf „It’s a Miracle“ eigene Beiträge leisten. Die Basscredits verteilen sich ebenfalls, unter anderem auf Randy Jackson, Jimmy Johnson, John Pierce und John Patitucci. Es handelt sich um ein Studioensemble mit titelabhängiger Besetzung, nicht um eine durchgehend identische Band.
Die Gesangspartner prägen die Dramaturgie besonders unmittelbar: P. P. Arnold in „Perfect Sense“, Don Henley in „Watching TV“ und Rita Coolidge im abschließenden Titelstück. Dazu kommen Begleitstimmen, der London Welsh Chorale und weitere Sprecher. Michael Kamen ist mit Orchesterarrangements und Leitung vertreten; das National Philharmonic Orchestra gehört zu den beteiligten Klangkörpern. Die unterschiedlichen Stimmen erweitern Waters’ Perspektive und geben einzelnen Abschnitten ein eigenes Gesicht, ohne den Zusammenhang des Albums aufzulösen.

Vierzehn Titel und ein wiederkehrender Blick auf die Welt
„The Ballad of Bill Hubbard“ eröffnet das Programm, gefolgt vom ersten Teil von „What God Wants“. Das Motiv kehrt später in zwei weiteren Teilen zurück und verbindet verschiedene Stationen des Albums. „Perfect Sense“ ist ebenfalls zweiteilig angelegt. Der Wechsel zwischen Lied, Kommentar und inszenierter Medienwelt gehört zur Erzählweise; die Sportkommentator-Stimme von Marv Albert im zweiten Teil ist ein besonders deutliches Beispiel. Die Musik behandelt ihre Themen nicht nur über den Wortlaut der Songs, sondern auch über die Art, in der Stimmen präsentiert werden.
„The Bravery of Being Out of Range“ führt den Gedanken der Distanz bereits im Titel. Danach folgt das zweiteilige „Late Home Tonight“, bevor „Too Much Rope“ und die weiteren „What God Wants“-Abschnitte die Mitte des Albums bilden. Wiederholungen und Rückbezüge sorgen dafür, dass die Platte nicht wie eine zufällige Sammlung politischer Songs wirkt. Sie entwickelt eine eigene innere Ordnung. Wer ihr am Stück folgt, kann darauf achten, welche Gedanken erneut auftauchen und wie eine vertraute Stimme in einem veränderten Zusammenhang wirkt.
Die letzten vier Titel erhalten auf dieser Ausgabe jeweils eine eigene Plattenseite: „Watching TV“, „Three Wishes“, „It’s a Miracle“ und „Amused to Death“. Damit wird der Schlussbereich zugleich zu einer Folge größerer Einzelabschnitte. Die Rückkehr zu Razzells Bericht verbindet das Ende wieder mit dem Anfang. Das persönliche Zeugnis bleibt innerhalb der breiteren Medienkritik ein menschlicher Bezugspunkt. Diese Rahmung gibt dem Album einen Zusammenhang, der über die einzelnen Refrains und die prominenten Gastmusiker hinausreicht.
Zum Konzept gehört auch die räumliche Gestaltung durch QSound. Das Verfahren arbeitet mit einer besonderen Aufbereitung des Stereosignals und ist Teil der Produktion, kein Hinweis auf eine zusätzliche Mehrkanalspur dieser Vinylbox. Für das Hören kann es interessant sein, die Position gesprochener Stimmen und Geräusche ebenso bewusst zu verfolgen wie die Instrumente. Welche Wirkung die räumlichen Elemente im eigenen Raum entfalten, hängt auch von Aufstellung und Hörplatz ab. Die Gestaltung gehört jedoch grundsätzlich zum Album und lässt sich nicht von seiner Erzählweise trennen.
Vier 45er-LPs und eine klar benannte Masteringkette
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPP 468761-45 verteilt das Album auf vier 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen pro Minute. Die Box enthält zwei Klappcover. James Guthrie und Joel Plante überführten die originalen Analogbänder für das Mastering in hochauflösendes Digital; Bernie Grundman fertigte den Lackschnitt. Der digitale Arbeitsschritt ist ausdrücklich dokumentiert. Diese Fassung ist daher keine durchgehend analoge AAA-Ausgabe, auch wenn die Quellen am Beginn der Kette analoge Bänder sind.
Der Herausgeber nennt RTI als Presswerk. Bei dokumentierten Exemplaren findet sich zugleich ein QRP-Aufdruck auf dem Klappcover und ein RTI-Hinweis auf dem Aufkleber. Die Verpackungsangaben sind somit nicht vollständig einheitlich. Für die Einordnung des Angebots ist die aktuelle Herausgeberangabe maßgeblich; ein bestimmtes Lagerexemplar lässt sich daraus allein nicht bis zur Fertigungscharge bestimmen. Die klar benannte Mischung und Masteringkette bleiben davon getrennte, nachvollziehbare Angaben.
Acht Seiten verändern den praktischen Ablauf gegenüber einer kompakteren Ausgabe. Besonders im letzten Drittel bekommt jeder lange Titel einen eigenen Abschnitt, verbunden mit einem bewussten Seitenwechsel. Wer dieses Format wählt, entscheidet sich damit auch für eine stärker gegliederte Begegnung mit dem Album. Amused to Death bietet dafür reichlich Stoff: einen durchgehenden thematischen Entwurf, sorgfältig eingesetzte Gaststimmen und eine Studiogestaltung, die den Raum selbst zum Ausdrucksmittel macht. Die Box verbindet diese Werkfassung mit einer genau ausgewiesenen Herstellungsgeschichte.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir übernehmen den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch in einer anderen Ausgabe: Amused To Death
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Roger WatersPorträt: 2007 · spätere PorträtvorlageGesang, Bass, Synthesizer, Akustik-/ZwölfsaitengitarreMitwirkung: Gesang 2–14; Instrumente auf ausgewählten Titeln
- Patrick LeonardKeyboards, Programmierung, Chorarrangement, SprechstimmeMitwirkung: Keyboards 1–5, 8–14; weitere Rollen titelabhängig
- Jeff BeckPorträt: 2009 · spätere PorträtvorlageGitarreMitwirkung: 1, 2, 5 (Remix 2015), 10–14
- Andy Fairweather LowGitarrenMitwirkung: 2, 6–9, 11, 12
- Tim PierceGitarreMitwirkung: 2, 5, 9, 12
- Geoff WhitehornGitarreMitwirkung: 2, 8, 10, 14
- B. J. ColePedal-Steel-GitarreMitwirkung: 3, 4
- Rick DiFonzoGitarreMitwirkung: 3, 4
- Steve LukatherGitarreMitwirkung: 3, 4, 8
- Bruce GaitschAkustikgitarreMitwirkung: 3, 4
- David PaichHammondorgelMitwirkung: 5 (Remix 2015)
- John “Rabbit” BundrickHammondorgelMitwirkung: 12
- Steve SidwellKornettMitwirkung: 6, 7
- Randy JacksonBassMitwirkung: 2, 9
- Jimmy JohnsonBassMitwirkung: 3, 4, 6–8, 10, 12–14
- John PierceE-BassMitwirkung: 5
- John PatitucciKontrabass, E-BassMitwirkung: 11
- Guo Yi & the Peking BrothersChinesische InstrumentalgruppeMitwirkung: 11; Einzelinstrumentzuordnung nicht gesichert
- Graham BroadSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: Schlagzeug 2–4, 6–10, 12, 14; Perkussion 6, 7
- Denny FongheiserSchlagzeugMitwirkung: 5
- Jeff PorcaroPorträt: BestandsporträtSchlagzeugMitwirkung: 13
- Brian MacLeodSnare, Hi-HatMitwirkung: 3, 4
- Luis ContePorträt: BestandsporträtPerkussionMitwirkung: 1, 3, 4, 6–8, 10, 12
- John DupreeStreicherarrangement und LeitungMitwirkung: 3, 4
- National Philharmonic OrchestraOrchesterMitwirkung: 7, 8
- Michael KamenOrchesterarrangement und LeitungMitwirkung: 7, 8
- Alf RazzellSprechstimmeMitwirkung: 1, 14
- London Welsh ChoraleChorMitwirkung: 2, 10, 11, 13
- Kenneth BowenChorleitungMitwirkung: 2, 10, 11, 13
- Katie KissoonBegleitgesangMitwirkung: 2, 8, 9, 12, 14
- Doreen ChanterBegleitgesangMitwirkung: 2, 8, 9, 12, 14
- N’Dea DavenportBegleitgesangMitwirkung: 2
- Natalie JacksonBegleitgesangMitwirkung: 2, 5
- P. P. ArnoldGesangMitwirkung: 3, 4
- Marv AlbertSportkommentator-StimmeMitwirkung: 4
- Lynn Fiddmont-LinseyBegleitgesangMitwirkung: 5
- Jessica LeonardKinderstimmeMitwirkung: 8
- Jordan LeonardKinderstimmeMitwirkung: 8
- Charles FleischerFernsehprediger-StimmeMitwirkung: 9
- Don HenleyPorträt: 2008 · spätere PorträtvorlageGesangMitwirkung: 11
- Jon JoyceBegleitgesangMitwirkung: 13
- Stan FarberBegleitgesang (Credit: Stan Laurel)Mitwirkung: 13
- Jim HaasBegleitgesangMitwirkung: 13
- Rita CoolidgeGesangMitwirkung: 14
Titelnummern 1–14 folgen der Albumreihenfolge A1 bis H. Ergänzende Besetzung nach Diskografie; die Änderungen des Remixes 2015 bei Titel 5 sind berücksichtigt. Nicht alle Instrumente eines Musikers erklingen auf jedem seiner Titel.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hört gegenüber der 33⅓-RPM-Ausgabe mehr Dynamik, mehr musikalische Information und mehr Raum. Das steigert für ihn die Intensität des Hörens. Zugleich lobt er Bühnentiefe und Klarheit beider Ausgaben.
🎧 Review video: Roger Waters: Amused To Death: 45RPM Box Set vs. Analogue Production 33 1/3 Version
Dieses Video kommt von YouTube (Google). Es wird erst geladen, wenn du in den Cookie-Einstellungen „Funktionen“ einschaltest.












Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.