Vier Musiker finden eine eigene Sprache
Als das Debüt der Doors Anfang 1967 erscheint, trägt es keinen zusätzlichen Titel. Der Bandname genügt. Dahinter steht Musik, die bereits in den Clubs von Los Angeles gewachsen ist und im Studio eine konzentrierte Form erhält. Jim Morrison, Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore bringen sehr unterschiedliche Interessen zusammen: Sprache und Theater, Blues und Rhythmus, ausgedehnte Instrumentalpassagen und die knappe Form eines Songs. Die elf Stücke zeigen diese Möglichkeiten nicht als späteres Versprechen, sondern bereits als Bestandteil des ersten Albums.
Aufgenommen wird 1966 bei Sunset Sound in Hollywood, mit Paul A. Rothchild als Produzent und Bruce Botnick als Toningenieur. Die Vierspurtechnik setzt andere Bedingungen als die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten späterer Studios. Entscheidungen über Zusammenspiel, Balance und Ergänzungen müssen früh fallen. Für eine Band, die ihr Material vor Publikum entwickelt hat, kann diese Begrenzung zugleich eine Richtung vorgeben: Das Arrangement muss von den Musikern getragen werden.
Die bekannte Bandgeschichte lenkt den Blick leicht auf Morrison allein. Doch schon ein Blick auf die Instrumentierung zeigt, warum diese Platte anders gebaut ist als eine gewöhnliche Gitarrenband-Aufnahme. Manzareks Tasten übernehmen mehrere Aufgaben, Kriegers Gitarre kann zwischen rhythmischem Beitrag und eigenständiger Linie wechseln, und Densmore gestaltet den Verlauf aus seiner Position am Schlagzeug. Die Stimme tritt in ein bereits bewegliches Gefüge ein.

Orgel, Gitarre und die Frage nach dem Bass
Die vier Bandmitglieder bilden die sichtbare Besetzung. Für die Studioaufnahme ist außerdem Larry Knechtel mit Bassgitarre dokumentiert. Sein Beitrag wurde auf der ursprünglichen Hülle nicht entsprechend herausgestellt. Manzareks Keyboardbass und eine zusätzliche Bassgitarre sind jedoch nicht dasselbe, und die spätere Forschung zur Aufnahme macht diese Unterscheidung wichtig. Eine genaue Titelliste von Knechtels Mitwirkung lässt sich aus den widersprechenden Angaben nicht bedenkenlos ableiten.
Das Begleitmusikerfeld nennt ihn deshalb mit seinem gesicherten Beitrag, ohne eine scheinpräzise Zuordnung zu jedem Song zu erfinden. Ebenso wird aus einem möglichen weiteren Basspart Kriegers kein pauschaler Albumcredit. Für das Verständnis der Platte reicht die belegte Grundkonstellation weit: vier Mitglieder mit einem sehr eigenen Zusammenspiel, ergänzt um einen Studiomusiker, dessen Arbeit nicht mit einer Bandmitgliedschaft verwechselt werden sollte.
Rothchild und Botnick stehen für Produktion und Tonaufnahme. Jahrzehnte später kommen für die hier angebotene Neuauflage Doug Sax, Sangwook Nam und Botnicks erneute Mitwirkung hinzu. Diese Ebenen auseinanderzuhalten macht ein Plattencover erst wirklich lesbar. Die Namen erzählen von der Entstehung des Albums und von seiner Weitergabe in einer bestimmten Ausgabe; sie gehören nicht alle in dieselbe Liste von Instrumentalisten.

Von „Break On Through“ bis „The End“
„Break On Through (To the Other Side)“ stellt sich als kompakter Auftakt vor. „Soul Kitchen“, „The Crystal Ship“ und „Twentieth Century Fox“ folgen, bevor „Alabama Song“ einen anderen historischen Raum öffnet. Das Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill ist kein beiläufiges Cover innerhalb einer ansonsten einheitlichen Rocksprache. Seine Präsenz zeigt, wie selbstverständlich die Doors Material außerhalb des unmittelbaren Blues- und Poprepertoires in ihre eigene Umgebung holen.
„Light My Fire“ erweitert anschließend die zeitliche Perspektive. Auf der LP ist das Stück nicht auf die stark verkürzte Singleform beschränkt. Die ausgedehnten Instrumentalpassagen sind Teil seiner Gestalt. Für ein erneutes Hören lohnt es sich, weniger nach dem vermeintlichen Höhepunkt zu suchen als nach dem Übergang zwischen Gesang und gemeinsam entwickeltem Instrumentalverlauf. Die Band kann einen Song tragen und zugleich dessen Grenzen verschieben.
„Back Door Man“ führt auf andere Weise in den Blues zurück. Danach folgen mit „I Looked at You“, „End of the Night“ und „Take It as It Comes“ kürzere Stücke, bevor „The End“ einen ganzen abschließenden Raum erhält. Auf dieser Doppel-LP belegt es allein Seite D. Diese Anordnung entspricht seiner besonderen Stellung im Programm, ohne dass man jede Textzeile biografisch entschlüsseln müsste. Gerade im Wechsel zwischen kurzen Formen und langen Entwicklungen liegt ein bleibender Reiz des Debüts. Elf Titel reichen aus, um eine Band in mehreren Dimensionen vorzustellen.
Eine analoge Kopie ist nicht das Originalmaster
Die angebotene Stereoausgabe AAPP 74007-45 stammt von Analogue Productions: zwei 180-Gramm-LPs, 45 RPM, gepresst bei Quality Record Pressings und verpackt im Klappcover. Doug Sax übernahm das Mastering bei The Mastering Lab; Sangwook „Sunny“ Nam ist ebenfalls in den Ausgabencredits genannt. Bruce Botnick begleitete die Wiederveröffentlichung.
Bei diesem Titel ist die Quellenangabe besonders wichtig. Analogue Productions nennt für das Debüt ausdrücklich die beste verfügbare analoge Bandkopie. Es ist die Ausnahme innerhalb der Doors-Serie und sollte nicht mit dem Originalmasterversprechen der übrigen Titel beschrieben werden. Eine analoge Kopie bedeutet ihrerseits keinen nachgewiesenen digitalen Zwischenschritt: Bandgeneration und Übertragungskette sind verschiedene Fragen.
Laut Herausgeber wurden die bekannten Geschwindigkeits- und Tonhöhenabweichungen des Debüts bei dieser Ausgabe nicht korrigiert. Auch darin unterscheidet sich ihre Zielsetzung von anderen Neubearbeitungen. Sie präsentiert die elf Titel in der überlieferten Albumfolge, ohne Bonusstücke. Für Sammler sind das hilfreiche Merkmale: nicht nur ein berühmter Titel auf schwerem Vinyl, sondern eine genau beschreibbare Fassung mit eigener Quellenlage und bewusst getroffenen editorischen Entscheidungen.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jim MorrisonGesangMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Ray ManzarekOrgel, Klavier, KeyboardbassMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Robby KriegerGitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- John DensmoreSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Larry KnechtelBassMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
Albumcredits sind keine pauschale Zusage jedes Instruments auf jedem Titel.
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