Eine vertraute Stimme in einer anderen Gegenwart
Joan Baez war 1987 längst eine Künstlerin mit Geschichte. Recently behandelt diese Geschichte jedoch nicht wie eine Vitrine. Das Album stellt ihre Stimme mitten in die Gegenwart seiner Entstehung: neben Lieder von Mark Knopfler, Johnny Clegg, Peter Gabriel und U2, zwischen eigene Songs und ein weit ausgreifendes Spiritual. Es sind neun Titel, die verschiedene musikalische Sprachen sprechen und trotzdem eine gemeinsame Frage stellen: Wie lässt sich von Verletzlichkeit, Zusammenhalt und politischer Verantwortung singen, ohne den einzelnen Menschen hinter großen Begriffen verschwinden zu lassen? Baez beantwortet sie durch die Auswahl der Lieder und durch die Aufmerksamkeit, die sie ihren Worten gibt.
Produzent Alan Abrahams umgibt sie mit einer vielseitigen Studiobesetzung. Akustische und elektrische Instrumente, Keyboards, Perkussion und Chorgesang gehören zu diesem Klangbild. Wer Baez vor allem mit einer einzelnen Gitarre verbindet, begegnet hier deshalb einer erweiterten musikalischen Umgebung. Ihre Stimme bleibt der Bezugspunkt, aber sie muss nicht sämtliche Bewegung allein tragen. Die Arrangements schaffen Raum für andere Farben und für einen rhythmischen Untergrund, der deutlich zur Produktionszeit gehört. Gerade darin liegt der Reiz dieser Platte: Sie versucht nicht, eine frühe Folkaufnahme noch einmal herzustellen, sondern zeigt eine erfahrene Sängerin im Austausch mit dem Repertoire und den Studiomöglichkeiten der achtziger Jahre.
Den Eingang bildet „Brothers in Arms“. Knopflers Song stellt das Verhältnis von Nähe und Gewalt ins Zentrum; als Auftakt gibt er dem Album einen ernsten, nachdenklichen Horizont. Danach folgt mit „Recently“ ein eigenes Stück von Baez. Diese unmittelbare Nachbarschaft ist aufschlussreich. Fremdes und eigenes Material werden nicht in getrennte Abteilungen sortiert, sondern als gleichberechtigte Möglichkeiten des Erzählens behandelt. Für Musikliebhaber ist Recently deshalb mehr als eine Sammlung bekannter Namen auf der Rückseite. Es ist ein bewusst zusammengestelltes Programm, in dem eine unverwechselbare Interpretin unterschiedliche Autoren miteinander ins Gespräch bringt.

Neun Lieder zwischen Nähe und Öffentlichkeit
Die erste Seite führt von „Brothers in Arms“ über den Titelsong zu „Asimbonanga“. Johnny Cleggs Lied und Peter Gabriels später folgendes „Biko“ verbinden das Album mit dem Widerstand gegen die Apartheid. Dabei unterscheiden sich ihre musikalischen Ausgangspunkte; Baez bündelt sie nicht zu einem austauschbaren Protestvokabular. Ihre Aufnahmeauswahl macht vielmehr sichtbar, dass Solidarität auch bedeuten kann, die Arbeit anderer Songwriter weiterzutragen. Solche Verbindungen gehören zum inneren Aufbau dieser Platte. Die politischen Songs stehen neben persönlicheren Liedern, nicht außerhalb von ihnen. Öffentliche Verantwortung und private Empfindung erscheinen als Teile derselben musikalischen Aufmerksamkeit.
Jimmy Webbs „The Moon Is a Harsh Mistress“ bringt eine andere Art von Sprache ins Programm: bildhaft, konzentriert und offen für die Arbeit einer Sängerin an einzelnen Wendungen. Darauf folgt „James & the Gang“, neben „Recently“ der zweite eigene Song von Baez. Die beiden Eigenkompositionen sorgen dafür, dass sie auf dieser Platte nicht ausschließlich als Vermittlerin fremder Texte erscheint. Zugleich drängen sie das übrige Repertoire nicht an den Rand. Die Dramaturgie entsteht aus Nachbarschaften: ein Autor mit ausgeprägter Bildsprache, eine eigene Erzählung, ein politisches Lied. Jeder Titel verändert ein wenig den Blick auf den vorhergehenden.
Auf Seite zwei nimmt „Let Us Break Bread Together / Freedom“ mit annähernd neun Minuten besonders viel Raum ein. Schon diese Gewichtung macht deutlich, dass hier nicht nur nach kurzen, einzeln herauslösbaren Songs gedacht wurde. „MLK“ führt anschließend U2 in die Auswahl ein; „Do Right Woman, Do Right Man“ von Chips Moman und Dan Penn setzt einen weiteren Akzent, bevor „Biko“ den Abschluss bildet. Für die Platte als Ganzes ist dieser Weg entscheidend. Gemeinschaft, Würde und Verantwortung bleiben keine abstrakten Begleitworte, sondern werden durch sehr verschiedene Songtraditionen hindurch verfolgt. Die beiden LP-Seiten besitzen dadurch jeweils eine eigene Bewegung und gehören dennoch erkennbar zusammen.

Die Menschen hinter der Stimme
Die Credits von Recently erzählen von einer Produktion, die ihre Mittel sorgfältig verteilt. Abraham Laboriel ist für Bass und Guitarrón genannt. Alex Acuña und John Robinson stehen für Schlagzeug und Perkussion. Das ist eine erheblich breitere rhythmische Grundlage, als die Vorstellung einer bloßen Gitarrenbegleitung vermuten ließe. Eine genaue Titelzuordnung aller Instrumente ist in den hier ausgewerteten Albumcredits allerdings nicht dokumentiert. Deshalb sollte man aus dieser Namensliste keine vermeintlich exakte Besetzung einzelner Songs ableiten. Ihr Wert liegt zunächst darin, die tatsächlichen Mitwirkenden sichtbar zu machen und die Vielfalt der beteiligten musikalischen Erfahrungen zu würdigen.
Bei den Gitarren finden sich neben Joan Baez auch Caleb Quaye, Fred Tackett und Paul Jackson Jr. Die Tastencredits nennen Cesar Cancino, John Hobbs und Laythan Armor; Armor ist außerdem ausdrücklich am Klavier aufgeführt. Tony Wilkins erhält einen Credit für Hammond B-3. Hinzu kommt der L.A. Choir unter der Leitung von Donald Taylor. Diese Namen gehören zur Identität des Albums. Sie erklären, weshalb Recently nicht angemessen beschrieben wäre, wenn man lediglich Baez und einige prominente Songautoren aufführte. Eine Studioproduktion dieser Art lebt auch von Menschen, deren Arbeit die Übergänge, die harmonische Umgebung und die rhythmische Verlässlichkeit eines Songs trägt.
Für die Aufnahmetechnik sind Charlie Paakkari, Joe Chiccarelli und Peter Doell genannt; die ausgewerteten Ausgabencredits führen Capitol Studios für Aufnahme und Mischung auf. Auch hier lohnt die saubere Trennung: Produktions- und Technikcredits beschreiben andere Aufgaben als die spätere Arbeit am Vinylmaster. Das eine darf nicht mit dem anderen verschmelzen. Beim Hören bietet es sich an, zunächst die Beziehung von Stimme und Begleitung zu verfolgen und erst danach einzelne instrumentale Farben zu betrachten. So bleibt die Aufmerksamkeit bei der Interpretation, statt aus einer umfangreichen Besetzungsliste automatisch eine Vorstellung von ständig voll besetzten Arrangements abzuleiten.
Die Analogue-Productions-Ausgabe mit 33⅓ Umdrehungen
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer AAPF 112 und verteilt die neun Titel auf eine einzelne Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Kevin Gray schnitt das Master bei Cohearent Audio von den Originalbändern; die Galvanik wird Gary Salstrom zugeschrieben, gepresst wurde bei Quality Record Pressings. Eine Stoughton-Tip-on-Hülle gehört zur Ausstattung. Das sind konkrete Merkmale dieser Ausgabe, keine allgemeine Beschreibung sämtlicher Veröffentlichungen des Albums. Für Sammler ist gerade diese Unterscheidung wichtig: Der Produktionshintergrund von 1987, die Arbeit am späteren Schnitt und die Herstellung der vorliegenden LP sind aufeinander bezogen, aber nicht identisch.
Zur Vinylstärke sind die Anbieterangaben nicht einheitlich. Der aktuelle Produkttitel nennt 180 Gramm, während der beschreibende Text noch eine 200-Gramm-Angabe enthält. Eine bestimmte Stärke sollte deshalb ohne Prüfung des tatsächlich gelieferten Exemplars nicht als sicher versprochen werden. An der belegten Identität als Analogue-Productions-Ausgabe, am Schnittcredit für Kevin Gray und an der Pressung bei QRP ändert diese offene Detailfrage nichts. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb bei hochwertigen Neuauflagen Katalognummer und konkrete Herstellungsangaben nützlicher sind als eine unkritisch übernommene Zeile aus älteren Händlertexten.
Das 33⅓-Format passt zum Aufbau dieses Albums: fünf Titel auf der ersten, vier auf der zweiten Seite, einschließlich des ausgedehnten Spiritual-Medleys. Es erhält den Zusammenhang der beiden Seiten und verlangt innerhalb dieses Ablaufs nur einen Seitenwechsel. Daraus folgt kein pauschales Klangurteil gegenüber anderen Formaten; es beschreibt vielmehr die praktische Art, dieser Songfolge zu begegnen. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir übernehmen den US-Import und versenden aus Hilden. Für die Sammlung bietet Recently eine eigenständige Perspektive auf Joan Baez: eine Stimme mit langer Erfahrung, die sich 1987 neuen Liedern, anderen Studiopartnern und den Fragen ihrer Gegenwart zuwendet, ohne ihre Aufmerksamkeit für Menschen und Worte preiszugeben.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Joan BaezPorträt: 1987Gesang, GitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Abraham LaborielPorträt: 2008 · spätere PorträtvorlageBass, GuitarrónMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Alex AcuñaPorträt: 2010 · spätere PorträtvorlageSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- John RobinsonSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Caleb QuayeGitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Fred TackettGitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Paul Jackson Jr.GitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Cesar CancinoKeyboards, SynthesizerMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- John HobbsKeyboards, SynthesizerMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Laythan ArmorKeyboards, Synthesizer, KlavierMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung offen
- Tony WilkinsHammond B-3Mitwirkung: Albumcredits; Titelzuordnung offen
- Donald TaylorChorleitung (L.A. Choir)Mitwirkung: Albumcredits; Titelzuordnung offen
- L.A. ChoirChorMitwirkung: Albumcredits; Titelzuordnung offen
Besetzung der Albumaufnahme. Mehrere Instrumente bei einem Musiker bedeuten nicht, dass jedes auf jedem Titel erklingt.










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