Zwei Abende, die ein großes Konzertalbum wurden
Am 19. und 20. April 1959 trat Harry Belafonte in der Carnegie Hall in New York auf. Die Konzerte dienten der Unterstützung der New Lincoln School und der Wiltwyck School. Aus diesen beiden Abenden entstand Belafonte at Carnegie Hall, im Oktober 1959 von RCA als Doppelalbum veröffentlicht. Die Platte blieb mehr als drei Jahre in den Charts und wurde für den Grammy als Album des Jahres nominiert. Hinter dieser bemerkenswerten Erfolgsgeschichte steht ein Programm, das Belafonte als Sänger, Erzähler und Mittelpunkt eines gemeinsamen Konzerterlebnisses präsentiert.
Sein Name war damals längst bekannt. Mit Calypso hatte er 1956 einen außerordentlichen Publikumserfolg erzielt. Die Carnegie-Hall-Aufnahmen zeigen aber einen größeren Horizont, als ihn die Beschränkung auf einen einzelnen Stil vermuten ließe. Amerikanische Lieder, karibisches Repertoire und Songs aus anderen Traditionen stehen nebeneinander. Die Verbindung entsteht durch den Künstler und die Dramaturgie des Abends. Ein Konzertalbum kann solche Zusammenhänge auf andere Weise bewahren als eine Sammlung einzelner Studiohits: Es dokumentiert ein Programm, das für einen bestimmten Raum und ein anwesendes Publikum gestaltet wurde.
Dass die Veranstaltungen Benefizkonzerte waren, gehört zu ihrem historischen Profil. Es verknüpft Belafontes künstlerische Arbeit mit einem gesellschaftlichen Engagement, das seine Laufbahn nachhaltig prägte. Die Aufnahme lässt sich dennoch zuerst als Musikereignis betrachten. Man muss nicht jede Zeile zum politischen Kommentar erklären, um diesen Hintergrund ernst zu nehmen. Gerade das Nebeneinander von Unterhaltung, Liedern mit unterschiedlichen Herkunftsgeschichten und öffentlichem Engagement macht die Figur Belafonte so interessant.

Stimme, Begleiter und die Arbeit hinter dem Konzert
Zu den dokumentierten Musikern gehören die Gitarristen Millard Thomas und Raphael Boguslav, Danny Barrajanos an Bongos und Conga sowie Norman Keenan am Bass. Bob Corman leitete die musikalischen Kräfte. Diese Angaben beschreiben die Konzertbesetzung; eine durchgehend gesicherte Zuordnung jedes einzelnen Begleiters zu jedem Titel liegt nicht vor. Für das Album ist entscheidend, dass Belafontes Stimme von einer gestalteten musikalischen Umgebung getragen wird, deren Beteiligte eigene Namen haben und nicht hinter dem Ruhm des Sängers verschwinden sollten.
Die Gitarren, der Bass und die Perkussion gehören zu den Farben dieses Umfelds. Hinzu kommt der orchestrale Anteil unter Cormans Leitung. Ein solcher Rahmen kann zwischen verschiedenen Liedtypen vermitteln und zugleich unterschiedliche Größenverhältnisse innerhalb eines Programms ermöglichen. Für einen bewussten Durchgang lohnt es sich, darauf zu achten, wie sich die Aufmerksamkeit zwischen Stimme, Begleitung und Publikum verteilt. Ein Livealbum ist schließlich nicht nur eine Studioplatte mit Applaus: Die Anwesenheit der Zuhörer ist Teil der Situation, in der die Darbietungen entstehen.
Bob Bollard produzierte die ursprüngliche Veröffentlichung, Bob Simpson war der Toningenieur. Die Coverfotografie stammt von Lee Friedlander, die Illustration im Inneren von John Gundelfinger. Diese Credits zeigen, wie sorgfältig ein solches Konzertdokument auch als Objekt gestaltet wurde. Aufnahme, Auswahl, Reihenfolge und Hülle machten aus zwei Abenden ein Album, das unabhängig vom einmaligen Ereignis weitergegeben werden konnte. Die beiden Konzertdaten bleiben dabei der gesicherte Rahmen; einzelne Titel werden hier keinem Abend zugeordnet, solange diese Zuordnung nicht belegt ist.

Eine Reise durch das Repertoire
Das ursprüngliche Programm war in drei Themenfelder gegliedert. Der erste Abschnitt trug den historischen Titel „Moods of the American Negro“, der zweite hieß „In the Caribbean“, der dritte „Around the World“. Die erste Bezeichnung gehört zur Sprache der damaligen Veröffentlichung. Zusammen beschreiben die Überschriften den großen Bogen des Programms, ohne die sehr unterschiedlichen Herkunftsgeschichten der einzelnen Lieder auf einen gemeinsamen Nenner zu reduzieren.
Die ersten beiden Seiten dieser 45er-Ausgabe führen von der Einleitung und „Darlin’ Cora“ über „Sylvie“ und „Cotton Fields“ zu „John Henry“ und „Take My Mother Home“. Auf der zweiten LP folgen „The Marching Saints“, „Day O“ und „Jamaica Farewell“, anschließend „Man Piaba“ und „All My Trials“. Schon diese Abfolge verbindet erzählerische Lieder mit Titeln, die besonders eng mit Belafontes öffentlichem Bild verbunden sind. Die Vertrautheit einzelner Songs kann den Zugang erleichtern; das Album bietet zugleich Anlass, ihre Nachbarschaft innerhalb eines geplanten Konzerts wahrzunehmen.
Die dritte LP enthält „Mama Look a Boo Boo“, „Come Back Liza“ und „Man Smart (Woman Smarter)“, danach „Hava Nagila“, „Danny Boy“ und „Merci Bon Dieu“. Die vierte führt über „Cucurrucucú Paloma“ und „Shenandoah“ zu „Matilda“. Gerade „Matilda“ steht für den Umgang Belafontes mit seinem Publikum und dessen Beteiligung. Die Herausgeberbeschreibung hebt diesen gemeinschaftlichen Charakter ausdrücklich hervor. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb das Album nicht allein als Dokument eines Sängers, sondern auch als Dokument einer Konzertsituation gesammelt wird.
Die fünfte LP erweitert diese Ausgabe um drei Titel, die zuvor nicht auf LP veröffentlicht worden waren: „Harry Belafonte Spoken Intro“, „Scarlet Ribbons“ und „Overture Medley“. Letzteres ist instrumental. Ihre Position auf der zusätzlichen Platte darf nicht als Behauptung verstanden werden, eine Ouvertüre habe historisch erst am Ende des Konzerts stattgefunden. Es handelt sich um die Anordnung des Zusatzmaterials dieser Edition. Für Sammler ist gerade diese Unterscheidung hilfreich: Das vollständige ursprüngliche Programm und die Erweiterung bleiben erkennbar, statt stillschweigend zu einem vermeintlich lückenlosen Konzertablauf verschmolzen zu werden.
Die große 45-RPM-Box von Analogue Productions
Hier angeboten wird AAPF 6006-45, eine Stereo-Box mit fünf LPs bei 45 Umdrehungen pro Minute. Ryan K. Smith schnitt bei Sterling Sound von den originalen analogen Dreispurbändern. Gary Salstrom wird für die Galvanik genannt, Chad Kassem für die Betreuung der Wiederveröffentlichung. Als Presswerke führt der Herausgeber Quality Record Pressings und RTI auf. Eine pauschale Zuschreibung der gesamten Edition nur an eines der beiden Werke würde diese Angabe verkürzen.
Die aktuelle Produktbeschreibung nennt 180 Gramm. Die 2018 dokumentierte Ausgabe ist als 200-Gramm-Box verzeichnet. Das beschreibt verschiedene Erscheinungsstände, nicht automatisch die Grammatur jeder heute gelieferten Box. Eine konkrete Lagercharge ist ohne Prüfung des Exemplars offen. Gesichert sind hier das Fünf-LP-Format, die Wiedergabe mit 45 RPM, Stereo und der erweiterte Inhalt. Die ebenfalls existierende 33⅓-Ausgabe ist ein separates Produkt und sollte mit dieser Box nicht verwechselt werden.
Zehn Plattenseiten bedeuten häufigere Unterbrechungen als beim ursprünglichen Doppelalbum. Das ist eine praktische Eigenschaft dieser Edition und gehört zur Entscheidung für das Format. Wer die große Box wählt, erhält das Programm und das zusätzliche Material in einer bewusst umfangreichen Vinylpräsentation. Ein allgemeines Versprechen, jede Anlage oder jeder Hörer müsse 45 RPM grundsätzlich bevorzugen, ist dafür nicht nötig. Die konkreten Produktionsangaben und der tatsächliche Inhalt geben bereits genügend Anhaltspunkte, um die Ausgabe einzuordnen.
Belafonte at Carnegie Hall kann in einer Sammlung mehrere Rollen erfüllen: als Konzertklassiker, als Begegnung mit Belafontes weit gespanntem Repertoire und als historisch präzise benanntes Aufnahmeprojekt. Die berühmten Titel bilden den Einstieg; die Dramaturgie, die Begleiter und das Publikum machen den Zusammenhang größer. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch in einer anderen Ausgabe: Belafonte At Carnegie Hall
Mehr von Harry Belafonte: Belafonte Sings The Blues
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Harry BelafontePorträt 1963GesangMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- Millard ThomasGitarreMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- Raphael BoguslavGitarreMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- Danny BarrajanosBongos, CongaMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- Norman KeenanKontrabassMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- Bob CormanLeitung (Orchester)Mitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
- OrchesterOrchesterMitwirkung: Konzertbesetzung; keine titelgenaue Zuordnung
19./20. April 1959, Carnegie Hall, New York. Bob Bollard, Produktion; Bob Simpson, Toningenieur; Bob Corman, musikalische Leitung. Besetzungscredits gelten dem Konzert, nicht automatisch jedem Titel. LP5: Spoken Intro, Scarlet Ribbons, Overture Medley (instrumental); Zusatzmaterial, keine Behauptung über historische Konzertreihenfolge.








Philipp –
Noch nie habe ich diese Aufnahme so schön und intensiv gehört. Es kam mir so vor als ob ich dabei gewesen wäre. Diese Veröffentlichung ist eine große Freude für jeden Vinyl- Hörer.