Ein Trio mit mehr Möglichkeiten als erwartet
Ein Gitarrenriff, ein kurzer rhythmischer Haken, eine Stimme mit unverwechselbar rauer Kante: Die James Gang braucht oft nur wenige Sekunden, um ihre Welt zu öffnen. The Best Of The James Gang Featuring Joe Walsh bündelt diese Direktheit, zeigt aber zugleich, wie wenig sie die ganze Band erklärt. Zwischen den bekannten Riffs stehen längere instrumentale Entwicklungen, melodisch geführte Songs und ruhigere Passagen, in denen plötzlich ganz andere Farben auftauchen. Die Zusammenstellung führt durch die frühen Jahre einer Gruppe, deren Stärke gerade im Wechsel zwischen kompaktem Zugriff und offenem Spielraum liegt.
Die ursprünglich 1973 erschienene Auswahl greift auf drei Studioalben zurück: Yer’ Album von 1969, James Gang Rides Again von 1970 und Thirds von 1971. Sie ist damit kein Dokument einer einzelnen Sitzung und auch kein vollständiger Überblick über sämtliche späteren Besetzungen. Im Mittelpunkt steht die Phase mit Joe Walsh, bevor dessen weiterer Weg als Solokünstler und später mit den Eagles seinen Namen noch bekannter machte. Wer Walsh vor allem aus diesem späteren Zusammenhang kennt, begegnet hier einer unmittelbaren, beweglichen Trioarbeit mit eigenem Charakter.
Die James Gang war 1966 in Ohio entstanden und hatte bereits mehrere Veränderungen erlebt, bevor die erste LP in der bekannten Trioform aufgenommen wurde. Das ist für diese Auswahl mehr als eine biografische Randnotiz. Die Band entwickelte ihren Klang nicht aus einer feststehenden Formel. Sie erprobte, wie drei Musiker genug Gewicht für harte Gitarrenmusik erzeugen und zugleich Platz für rhythmische Wendungen, leisere Momente und längere Instrumentalstrecken behalten konnten. Das Ergebnis ist weder auf einen einzigen Gitarrensound noch auf ein durchgehend gleiches Tempo festgelegt.
Zehn Titel ergeben hier ein gut überschaubares Bild dieser Entwicklung. „Walk Away“ und „Funk #49“ liefern die rasch wiedererkennbaren Bezugspunkte. Doch die Auswahl gewinnt ihre eigentliche Tiefe durch die Stücke dazwischen und durch das lange „Stop“ am Ende. Ein Best-of kann bekannte Songs nebeneinanderstellen; dieses lässt auch erkennen, welche musikalischen Möglichkeiten hinter den bekanntesten Minuten liegen.

Joe Walsh, Jim Fox und zwei Bassisten
Joe Walsh verbindet Gitarre, Tasteninstrumente und Gesang, Jim Fox ist der Schlagzeuger der auf dieser Zusammenstellung vertretenen Bandphase. Am Bass ist jedoch zu unterscheiden: Tom Kriss spielt auf dem Debüt Yer’ Album, Dale Peters auf Rides Again und Thirds. Die beiden gehören also nacheinander zur Geschichte des Trios. Sie bilden keine gemeinsame zweiköpfige Basssektion. In den Musikerangaben wird diese Herkunft der Aufnahmen ausdrücklich festgehalten, statt alle vier Namen pauschal jedem Titel zuzuweisen.
Walshs Gitarrenspiel lebt nicht nur von Lautstärke oder Verzerrung. Ein Riff kann mit wenigen Tönen auskommen und dennoch durch seine Pausen, den Anschlag und die Position im Takt unverwechselbar werden. Die Gitarre hat im Trio viel Verantwortung, muss aber nicht jede Lücke füllen. Gerade wenn sie eine Figur wiederholt oder kurz zurücknimmt, werden Bass und Schlagzeug als eigenständige Stimmen deutlich. Dieser Wechsel zwischen Konzentration und Freiraum ist ein guter Zugang zur Musik, weil er die Band als Zusammenspiel hörbar macht und nicht bloß als Begleitung eines später berühmten Gitarristen.
Fox gibt dieser Arbeit ein flexibles rhythmisches Gerüst. Die Stücke verlangen nicht alle dieselbe Art von Schlagzeugspiel: Ein knapper Song braucht andere Übergänge als eine längere Instrumentalpassage. Entsprechend wichtig sind Akzente, Einsätze und die Art, wie eine neue Phrase vorbereitet wird. Die Basslinien verbinden diesen rhythmischen Ablauf mit Walshs harmonischen und melodischen Figuren. Dass die Zusammenstellung zwei Bassisten aus aufeinanderfolgenden Albumphasen enthält, gehört deshalb in die Einordnung, auch wenn man daraus ohne direkten Vergleich keine pauschalen Urteile über unterschiedliche Spielweisen ableiten sollte.
Nicht jede Klangfarbe stammt allein aus der Grundbesetzung. Bei „Ashes, the Rain and I“ wird Jack Nitzsche für die Orchestrierung genannt. Dieser Beitrag gehört in die Credits, macht ihn aber nicht zu einem zusätzlichen Mitglied des Powertrios. Ebenso bedeuten umfassende Albumcredits für Keyboards, Gesang oder weitere Instrumente nicht, dass jeder Musiker jede dort genannte Aufgabe auf jedem der zehn Titel übernimmt. Die Zusammenstellung verlangt eine nach Herkunft und konkretem Beitrag differenzierte Beschreibung.

Riffs, offene Formen und ein langer Schluss
„Walk Away“ eröffnet die Auswahl mit dem unmittelbaren Zugriff eines klar gebauten Rocksongs. Danach setzt „Funk #49“ einen anderen Schwerpunkt: Das prägnante Gitarrenmotiv funktioniert durch seine rhythmische Gestalt ebenso sehr wie durch seine Töne. Es lohnt sich, auf die Zwischenräume zu achten, in denen die anderen Instrumente das Riff ergänzen und ihm Widerstand oder zusätzlichen Schwung geben. „Midnight Man“ erweitert das Bild um eine stärker melodisch geführte Songseite der Gruppe. Schon diese ersten drei Titel machen deutlich, dass Wiedererkennbarkeit auf unterschiedliche Weise entstehen kann.
„The Bomber“ öffnet anschließend eine längere Form. Für diese konkrete Zusammenstellung ist die rund fünfeinhalbminütige Fassung mit „Closet Queen“ und „Cast Your Fate to the Wind“ dokumentiert. Sie sollte nicht unbesehen mit anderen, anders zusammengestellten Albumfassungen gleichgesetzt werden. Der Wechsel zwischen einem eigenen Rockteil und einer vertrauten fremden Melodie zeigt, wie die Band unterschiedliche Materialien miteinander verbinden konnte. Mit „Yadig?“ und „Take a Look Around“ erhält die erste Plattenseite weitere Kontraste, bevor das Umblättern zum zweiten Teil des Programms führt.
Dort steht zunächst „Funk #48“, das die Verbindung zum Debütalbum herstellt. Die benachbarten Nummern in den Titeln können zu einem Vergleich einladen, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eigenständige Stücke aus verschiedenen Albumphasen handelt. „Woman“ führt wieder in die Zeit von Rides Again. „Ashes, the Rain and I“ verändert danach den Maßstab durch seine ruhigere Anlage und den orchestrierten Rahmen. Die Wirkung entsteht gerade daraus, dass ein solches Stück innerhalb derselben Auswahl neben ausgesprochen körperlicher Trioarbeit stehen kann.
Den Abschluss bildet „Stop“ von Jerry Ragovoy und Mort Shuman mit gut zwölf Minuten Laufzeit. Die Länge verschiebt die Gewichte dieser Best-of-LP: Ein beträchtlicher Teil der zweiten Seite gehört einer ausgedehnten Entwicklung statt einer Folge kurzer Höhepunkte. Als Hörweg bietet es sich an, zunächst den Übergang von Song zu offenerer Form zu verfolgen. Beim nächsten Durchgang kann man einzelne Instrumente in den Mittelpunkt stellen und beobachten, wie die Band Bewegung erzeugt, wenn das Gitarrenmotiv selbst kaum verändert wird. So wird aus der Zusammenstellung ein Einblick in Arbeitsweisen, nicht nur eine Erinnerung an bekannte Titel.
Die Analogue-Productions-Ausgabe mit Kevin Grays Mastering
Diese Fassung von The Best Of The James Gang Featuring Joe Walsh erscheint bei Analogue Productions unter der Katalognummer AAPP 120. Es handelt sich um eine einzelne Stereo-LP mit 180 Gramm, abgespielt mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray verantwortet das Mastering bei Cohearent Audio. Als Grundlage nennt der Herausgeber die originalen analogen Bänder. Metallbearbeitung und Pressung werden Quality Record Pressings zugeordnet; die Platte steckt in einem Stoughton-Tip-on-Klappcover.
Die Angaben gelten für diese Ausgabe und sollten nicht mit Daten anderer Wiederveröffentlichungen vermischt werden. Auch ist eine Best-of-Zusammenstellung technisch anders einzuordnen als ein Album aus einer einzigen Aufnahmesitzung. Ihr Ausgangsmaterial stammt aus mehreren Veröffentlichungen. Die Herstellerangabe zu analogen Originalbändern beschreibt die ausgewiesene Quelle des Masterings, belegt aber für sich genommen nicht jeden einzelnen historischen Produktionsschritt aller enthaltenen Aufnahmen. Eine zusätzliche, lückenlose Behauptung über die gesamte Signalkette wäre deshalb unnötig weitgehend.
Die zehn Stücke folgen der dokumentierten Reihenfolge dieser LP. Sechs stehen auf Seite A, vier auf B; das lange „Stop“ bestimmt den Umfang der zweiten Seite wesentlich mit. Die genannten Laufzeiten und die Fassung von „The Bomber“ gehören damit ebenso zur Identität des Produkts wie Gewicht, Drehzahl und Katalognummer. Technische Produktionsdaten liefern verlässliche Orientierung, ersetzen jedoch keine eigene Hörbeurteilung des konkreten Exemplars.
Diese Ausgabe eröffnet einen konzentrierten Zugang zu den James-Gang-Jahren mit Joe Walsh. Sie eignet sich musikalisch sowohl für den Einstieg über die bekannten Riffs als auch für einen genaueren Blick auf die weniger häufig hervorgehobenen Seiten des Trios. Ihr Reiz liegt in der Spannweite: Musik kann hier mit einer kurzen Figur sofort auf den Punkt kommen und wenige Minuten später genügend Geduld besitzen, eine Idee über einen langen Abschnitt weiterzuentwickeln.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Joe WalshFreie Illustration · Porträtvorlage 1970Gitarre, Keyboards, GesangMitwirkung: Bandbesetzung der drei Quellalben; Instrumente nicht titelgenau belegt
- Jim FoxFreie Illustration · Porträtvorlage 1970Schlagzeug, PerkussionMitwirkung: Bandbesetzung der drei Quellalben; Instrumente nicht titelgenau belegt
- Tom KrissBassMitwirkung: Bass auf Yer’ Album (1969)
- Dale PetersFreie Illustration · Porträtvorlage 1970Bass, GitarreMitwirkung: Rides Again (1970) und Thirds (1971); weitere Instrumente nur albumbezogen
Zusammenstellung von 1973 aus Yer’ Album (1969), Rides Again (1970) und Thirds (1971). Joe Walsh und Jim Fox: gemeinsame Bandbesetzung; Tom Kriss: Bass beim Debüt, Dale Peters: Bass in der zweiten und dritten Albumphase. Albumcredits belegen nicht jedes Instrument auf jedem Titel. Jack Nitzsche: Orchestrierung von Ashes, the Rain and I. The Bomber hier 5:39 mit Closet Queen / Cast Your Fate to the Wind. Autorencredit zu Funk #48 widersprüchlich; nicht zur Ableitung einer Musikerbesetzung verwenden. Kevin Gray / Cohearent Audio: Mastering.










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