Ein Bandleader stellt seinen Freund vor
Jackie’s Pal ist ein ungewöhnlich persönlicher Titel für eine Jazzplatte. Er verspricht kein abstraktes Programm, sondern lenkt den Blick auf einen Menschen: Bill Hardman. Auf der ursprünglichen Prestige-Präsentation steht ausdrücklich Jackie McLean Quintet Introducing Bill Hardman. Der Altsaxofonist nutzt seinen Namen, um einen jungen Trompeter vorzustellen. Die Session vom 31. August 1956 in Rudy Van Gelders Studio in Hackensack gehört damit zu jenen Aufnahmen, bei denen ein bekannterer Musiker einem Kollegen eine besonders sichtbare Tür öffnet.
Hardman war damals dreiundzwanzig Jahre alt. Diese Aufnahme markiert seinen Einstieg in die dokumentierte Plattengeschichte. Dass McLean ihm mehr als einen Platz in der Bläserreihe zugesteht, zeigt schon das Programm: Zwei der sechs Stücke stammen von Hardman, und das letzte gehört ihm als einzigem Bläser. Das Wort „Freund“ auf dem Cover erhält so eine musikalische Bedeutung. McLean stellt nicht nur jemanden neben sich, sondern schafft verschiedene Gelegenheiten, dessen Ton, Ideen und Umgang mit einer Melodie kennenzulernen.
Die Verbindung der beiden führt auch zu Charles Mingus und Art Blakey. Der Herausgeber ordnet die Aufnahme in die Zeit nach ihrer Zusammenarbeit mit Mingus und vor ihrem gemeinsamen Weg zu den Jazz Messengers ein. Diese Umgebung hilft, die Platte historisch zu verorten: Es ist die Arbeit junger Musiker, die innerhalb prägender Bands Erfahrungen sammelten und zugleich eigene Möglichkeiten suchten. Trotzdem sollte man Jackie’s Pal nicht nur als Vorstufe späterer Karrieren betrachten. Das Quintett besitzt ein konkretes Programm, eine starke Rhythmusgruppe und einen klaren Gedanken, der bis zum letzten Titel trägt.

Bill Hardman neben Jackie McLean
McLeans Alt und Hardmans Trompete bilden die gemeinsame Front auf fünf der sechs Stücke. Der Unterschied zwischen beiden Instrumenten gibt dem Quintett seine unmittelbare Lesbarkeit. Ein Ton kann vom Saxofon mit anderer Spannung geformt werden als von der Trompete; ein gemeinsames Motiv erhält zwei verschiedene Ränder. Es lohnt sich, bei den Themen zunächst auf das Zusammenfinden der Stimmen und anschließend auf die Eigenständigkeit der Solisten zu achten. Der Albumtitel lädt zu einem freundschaftlichen Verhältnis ein, aber die Musik gewinnt gerade dadurch, dass die beiden keine austauschbaren Persönlichkeiten sind.
Hardman bringt mit Just for Marty und Sublues eigenes Material ein. Er ist also nicht ausschließlich der junge Spieler, dem ein erfahrenerer Kollege einige Chorusse überlässt. Seine Kompositionen bestimmen ein Drittel des Programms. McLean steuert Sweet Doll bei, Mal Waldron Dee’s Dilemma. Vier der sechs Titel kommen damit direkt aus der Band. Für den Charakter der Aufnahme ist das wesentlich: Die Musiker bewegen sich nicht nur gemeinsam durch überliefertes Repertoire, sondern geben einander eigene Themen als Ausgangspunkt.
Waldron am Klavier, Paul Chambers am Kontrabass und Philly Joe Jones am Schlagzeug bilden die Rhythmusgruppe. Chambers und Jones gehörten 1956 zugleich zu Miles Davis‘ erstem großen Quintett. Hier arbeiten sie mit Waldron, dessen kompositorischer Beitrag seine Rolle zusätzlich unterstreicht. Wer die Platte auf die Begegnung von Alt und Trompete reduziert, übersieht deshalb einen großen Teil ihres Reizes. Die Begleitung verbindet melodische Bewegung, harmonische Richtung und rhythmische Antworten. Gerade bei zwei unterschiedlichen Bläsern lohnt es sich, darauf zu achten, wie das Klavier zwischen den Linien Platz findet und wie Bass und Schlagzeug den Wechsel der Solisten mittragen.

Vier eigene Stücke, ein Parker-Thema und Hardmans Schlusswort
Die erste Seite beginnt mit McLeans Sweet Doll. Danach folgen Hardmans Just for Marty und Waldrons Dee’s Dilemma. Schon diese Abfolge stellt drei Mitglieder des Quintetts als Autoren vor. Für das Hören bietet sie einen schönen Zugang: Man kann die Themen als unterschiedliche Vorschläge an dieselbe Band wahrnehmen und verfolgen, wie die gemeinsame Besetzung ihnen Zusammenhang gibt. Nicht jede Eigenkomposition muss zugleich als Charakterporträt ihres Autors gedeutet werden. Dass drei Musiker ihr Material miteinander teilen, ist bereits ein aussagekräftiger Teil dieser Session.
Auf der zweiten Seite steht zunächst Hardmans Sublues. Charlie Parkers Steeplechase führt anschließend einen Bezugspunkt ein, der für McLeans Generation kaum wichtiger sein könnte. Parkers Name ist hier eine konkrete Komponistenangabe und keine bloße stilistische Etikette. Der Blick auf das Thema kann helfen, zwischen der gemeinsamen Bebop-Grundlage und dem persönlichen Umgang der einzelnen Spieler damit zu unterscheiden. In einer Sammlung lässt sich diese Aufnahme reizvoll neben 4, 5, and 6 stellen, wo McLean wenige Wochen zuvor mit Confirmation ebenfalls eine Parker-Komposition aufnahm, dort allerdings in einem Sextett.
Das eigentliche Schlusswort gehört Bill Hardman. It Could Happen to You, das Lied von Jimmy Van Heusen und Johnny Burke, wird von Trompete, Klavier, Bass und Schlagzeug gespielt. McLean setzt aus. Aus dem Quintett wird ein Quartett, und die Vorstellung des jungen Kollegen erhält ihren deutlichsten Ausdruck: Hardman muss sich die melodische Vordergrundrolle nicht mehr mit dem namensgebenden Leader teilen. Waldron, Chambers und Jones bleiben an seiner Seite. Der Wechsel verändert die Verantwortung jedes Beteiligten, ohne die Verbindung zur vorherigen Musik aufzugeben.
Gerade dieser Abschluss macht es lohnend, Jackie’s Pal als vollständiges Album zu hören. Die Sessionliste führt das Stück an vierter Stelle, die LP stellt es ans Ende. Der veröffentlichte Ablauf gibt Hardmans Feature damit eine besondere Position. Später erschien dieselbe Musik auch unter dem Titel Steeplechase auf New Jazz; der ursprüngliche Titel erklärt die menschliche und musikalische Idee jedoch besonders schön. Für Sammler ist die Aufnahme ein früher wichtiger Hardman-Beleg, für neugierige Hörer eine Einladung, neben McLean eine weniger allgegenwärtige Trompetenstimme zu entdecken.
Analogue Productions: Mono, 33⅓ RPM und zwei zusammenhängende Seiten
Die hier angebotene Ausgabe ist die Mono-LP APRJ 7068 von Analogue Productions. Kevin Gray verantwortet die Bearbeitung und den Lackschnitt bei Cohearent Audio; laut Herausgeber wurden die analogen Master verwendet. Quality Record Pressings fertigt die aktuell als 180 Gramm geführte Pressung. Die Ausstattung umfasst eine hochglänzende Tip-on-Hülle von Stoughton. Damit bleibt die vertraute Präsentation dieser Prestige-Aufnahme erhalten, während die spätere Herstellung und Bearbeitung eindeutig dokumentiert sind.
Unter derselben Katalognummer erschienen zuvor auch 200-Gramm-Ausgaben. Die aktuell dokumentierte 180-Gramm-Neupressung ist davon zu unterscheiden. Weder die Nummerierung früher Exemplare noch besondere Rand- und Etikettenmerkmale älterer Pressungen werden damit automatisch für jedes heute angebotene Exemplar zugesagt. Für die Identifikation dieser Ausgabe zählen die Mono-Fassung, Kevin Grays Bearbeitung, die QRP-Pressung und die aktuelle Gewichtsangabe. So bleibt die Beschreibung präzise, ohne die Geschichte verschiedener Auflagen miteinander zu vermischen.
Die einzelne 33er-LP bewahrt die sechs Stücke in zwei Gruppen zu je drei Titeln. Auf der ersten Seite stehen die drei Komponisten aus der Band nebeneinander; die zweite führt über Hardman und Parker zum abschließenden Trompetenquartett. Dieser Verlauf kann sich ohne zusätzliche Unterbrechungen innerhalb der Seiten entfalten. Wer sich auf die Idee des Albums einlässt, erlebt damit eine vollständige Vorstellung eines Musikers, eingerahmt von einer Band, die ihm aufmerksam Platz gibt. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jackie McLeanAltsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
- Paul ChambersKontrabassMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Philly Joe JonesSchlagzeugMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Mal WaldronKlavierMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Bill HardmanTrompeteMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
Jackie McLean pausiert auf B3 (It Could Happen to You): Bill Hardman mit Klavier, Bass und Schlagzeug. Alle übrigen Titel: Quintett. 31. August 1956, Hackensack.












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