Eine Geige hält die Geschichten zusammen
Die Solovioline ist in Scheherazade mehr als ein schöner Moment zwischen großen Orchesterpassagen. Sie schafft einen wiederkehrenden Bezugspunkt in einem Werk, dessen vier Sätze ganz unterschiedliche Bilder aufrufen. Nikolai Rimsky-Korsakov schrieb die Suite 1888, angeregt durch Tausendundeine Nacht. Meer, Erzählung, Liebespaar und Fest stehen nebeneinander, doch die Musik ist kein lückenloser Ablaufplan einzelner Märchenszenen. Wiederkehrende Gedanken verbinden die wechselnden Situationen. Gerade das Verhältnis zwischen einer einzelnen erzählenden Stimme und einem großen Ensemble macht den Zugang so unmittelbar.
In dieser Aufnahme spielt Sidney Harth die Solovioline. Er war Konzertmeister des Chicago Symphony Orchestra; Fritz Reiner leitete die Sitzung am 8. Februar 1960 in der Orchestra Hall in Chicago. Richard Mohr produzierte, Lewis Layton war der Toningenieur. Der Name des Geigers ist für diese Einspielung wesentlich und darf nicht aus einer anderen Reiner-Aufnahme übernommen werden. Hier gehört Harths Spiel zur konkreten Identität des Albums. Die Zuordnung macht aus einer allgemeinen Empfehlung des Werkes eine Beschreibung genau dieser Aufführung und dieser Besetzung.

Rimsky-Korsakovs Kunst des Erzählens
Der Komponist hatte vor seiner musikalischen Laufbahn als Marineoffizier gearbeitet. Daraus folgt keine wörtliche Übersetzung eigener Seereisen in jeden Takt, doch die maritime Welt gehört zu seinem biografischen Hintergrund. In Scheherazade wird das Meer zu einem musikalischen Raum, dessen Bewegung und Größenverhältnisse sich verändern können. Gleichzeitig bleibt die Idee des Erzählens präsent: Eine Stimme beginnt, das Orchester entfaltet eine Umgebung, und bekannte Gedanken tauchen in anderem Zusammenhang wieder auf. Die Verbindung der Sätze entsteht nicht nur durch ihre Überschriften.
Der erste Satz verweist auf das Meer und Sindbads Schiff, der zweite auf den Kalenderprinzen, der dritte auf den jungen Prinzen und die junge Prinzessin. Das Finale verbindet das Fest in Bagdad mit der Rückkehr des Meeres und dem Schiffbruch. Diese Titel geben Orientierung, ohne jede musikalische Einzelheit festzulegen. Hör zunächst auf die Wiederkehr von Motiven: Was erkennst du wieder, obwohl Instrumentation oder Bewegung verändert wurden? So lässt sich die Suite als zusammenhängender Gedankengang entdecken, statt vier voneinander unabhängige musikalische Postkarten daraus zu machen.

Chicago zwischen Einzelstimme und großer Geste
Rimsky-Korsakovs Orchesterbehandlung verlangt viel mehr als wirkungsvolle Lautstärke. Eine Holzbläserlinie muss sich aus dem Satz lösen können; eine Antwort darf ihren Zusammenhang mit dem Vorherigen nicht verlieren. Harths Violine steht dabei nicht außerhalb des Geschehens, sondern bildet eine Verbindung zwischen seinen unterschiedlichen Maßstäben. Wenn du dich beim Hören einmal auf die Übergänge konzentrierst, verändert sich die Wahrnehmung der großen Höhepunkte. Sie erscheinen dann als Ergebnis von Vorbereitung, Verdichtung und Rückkehr, nicht bloß als isolierte spektakuläre Augenblicke.
Der Herausgeber nennt neben Harth weitere Orchestersolisten, darunter Adolph Herseth, Ray Still und Frank Miller. Diese Angaben werden als Herausgebercredits kenntlich gemacht, soweit keine gleich starke Bestätigung für die konkrete Sitzung vorliegt. Eine allgemeine Liste berühmter Chicagoer Musiker ersetzt keine aufnahmebezogene Besetzung. Sicher belegt sind Reiner, das Orchester und Harths Solovioline. Gerade bei einer so oft veröffentlichten Einspielung lohnt sich diese Trennung: Über viele Wiederveröffentlichungen können Details anderer Sitzungen leicht in die Beschreibung wandern, obwohl das Werk und der Dirigent dieselben bleiben.
Scheherazade als Zweispur-Band
Analogue Productions veröffentlicht diese Ultra-Tape-Ausgabe unter RRAP 0007. Das Programm enthält die vier Sätze der Suite auf zwei Spulen. Verwendet wird Viertelzollband bei 15 ips im Zweispur-Stereo- beziehungsweise Halbspurformat mit IEC-Entzerrung. Die Wiedergabemaschine muss darauf eingerichtet sein. Die ursprüngliche RCA-Aufnahme entstand dreispurig; die vorliegende Kaufbandfassung hat zwei Stereospuren. Aufnahmeformat und Auslieferungsformat sind deshalb getrennte Angaben und dürfen nicht so beschrieben werden, als läge hier das unveränderte dreispurige Sitzungsband vor.
Der Herausgeber beschreibt eine Echtzeitkopie auf einer ATR-modifizierten Ampex-Maschine mit einer Kopie des ursprünglichen analogen Masterbandes als Quelle. Die genaue Mischungs- und Generationenfolge ist nicht vollständig dokumentiert; Mastering-Credits paralleler LP-Ausgaben werden deshalb nicht übernommen. Musikalisch führt die Ausgabe zur Chicagoer Sitzung vom Februar 1960 zurück. Die große Orchestererzählung und Harths verbindende Violinpassagen gehören untrennbar zusammen. Wer nicht nur auf die Höhepunkte wartet, findet dazwischen die vielen kleinen Rückbezüge, durch die aus vier farbenreichen Sätzen eine einzige weit gespannte Suite wird.
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Herausgeberangaben sind gesondert gekennzeichnet; Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Fritz Reiner | Dirigent | Album-Besetzung |
| Chicago Symphony Orchestra | Orchester | Album-Besetzung |
| Sidney Harth | Solovioline, Konzertmeister | Album-Besetzung |
| Ray Still | Oboe (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Clark Brody | Klarinette (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Leonard Sharrow | Fagott (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Donald Peck | Flöte (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Laurence Thorstenberg | Englischhorn | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Philip Farkas | Horn (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Adolph Herseth | Trompete (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Robert Lambert | Posaune (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Frank Miller | Violoncello (Solo) | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
| Edward Druzinsky | Harfe | Laut Herausgeber · Titelzuordnung offen |
Sidney Harths Solovioline ist gesichert. Die weiteren aufgeführten Orchestersolisten werden vom Herausgeber genannt; ihre Titelzuordnung ist offen.







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