Art Taylor rückt seine Band ins Licht
Auf vielen Jazzplatten steht Art Taylors Name dort, wo man die verlässliche rhythmische Grundlage eines Ensembles sucht. Taylor’s Wailers stellt ihn 1957 selbst an die Spitze. Sein erstes Album als Leiter versammelt jedoch nicht einfach eine Reihe von Schlagzeugvorführungen. Es zeigt, wie ein Schlagzeuger eine Band durch die Auswahl der Partner, des Repertoires und der musikalischen Situationen prägen kann. Donald Byrd an der Trompete, Jackie McLean am Altsaxofon, Charlie Rouse am Tenorsaxofon, Ray Bryant am Klavier und Wendell Marshall am Kontrabass bilden mit Taylor die Hauptbesetzung. Hinzu kommt ein einzelner Titel mit einem anderen Quartett.
Hinter dem Namen steckt eine wirkliche Bandgeschichte. Nach den Angaben des Herausgebers gründete Taylor die Wailers 1956; Byrd und Rouse gehörten zu der Arbeitsband, die im Club The Pad am Sheridan Square in Greenwich Village debütierte. Bob Reisner betreute dort die Engagements. Für die Plattenaufnahme kam McLean hinzu. Diese Herkunft macht das Album interessant: Es ist nicht bloß eine willkürliche Ansammlung bekannter Namen, auch wenn Prestige seine Musiker häufig in wechselnden Konstellationen zusammenbrachte. Taylor konnte hier eine eigene Vorstellung von Ensemblearbeit in den Mittelpunkt stellen.
Der größere Teil des Programms entstand am 25. Februar 1957 bei Rudy Van Gelder in Hackensack. Bob Weinstock verantwortete die Produktion beziehungsweise Aufsicht; Ira Gitler schrieb die Begleittexte. Fünf veröffentlichte Stücke stammen von diesem Tag. C.T.A. wurde dagegen am 22. März mit John Coltrane, Red Garland und Paul Chambers aufgenommen. Taylor ist der verbindende Musiker beider Besetzungen. Wer die Namen auf dem Album liest, sollte deshalb nicht neun Musiker in einem gemeinsamen Ensemble vermuten: Hier wechseln ein Sextett mit drei Bläsern und ein Quartett mit einem Tenorsaxofon.

Zwei Sessions, sechs Stücke, ein klarer Zusammenhang
Die erste LP-Seite eröffnet Batland, eine Komposition von Lee Sears, die der Hauptbesetzung fast zehn Minuten gibt. Darauf folgt Jimmy Heaths C.T.A. mit dem Quartett vom März. Dieser Wechsel ist ein wichtiger Teil des Albums. Trompete, Alt- und Tenorsaxofon der Februarsitzung machen für einen Titel Platz für Coltranes Tenor; statt Bryant und Marshall begleiten Garland und Chambers. Das Schlagzeug bleibt bei Taylor. Ein Vergleich kann deshalb bei der Begleitung beginnen: Wie verändert sich die Umgebung, wenn aus drei Bläserstimmen eine wird, und wie behauptet das Schlagzeug seinen Platz in beiden Situationen?
Mit Exhibit A, ebenfalls von Lee Sears, kehrt die erste Seite zum Sextett zurück. Die Anordnung der Titel folgt damit keiner einfachen chronologischen Sortierung der Aufnahmen. Das spätere Quartettstück steht mitten zwischen zwei Stücken der früheren Session. Für das Hören ist das eine reizvolle Entscheidung, weil die unterschiedlichen Besetzungsgrößen direkt nebeneinander erfahrbar werden. Ein Ensemble kann musikalische Dichte durch mehrere Stimmen erzeugen; ein kleineres kann dieselbe Aufmerksamkeit durch mehr freien Raum zwischen den Beteiligten binden. Keine dieser Möglichkeiten ist grundsätzlich der anderen überlegen.
Seite B beginnt mit Ray Bryants Cubano Chant. Dass der Pianist zugleich eine eigene Komposition beisteuert, erweitert seine Rolle über die Begleitung hinaus. Es folgen zwei Stücke von Thelonious Monk: Off Minor und Well, You Needn’t. Der Herausgeber schreibt auch die Arrangements dieser beiden Titel Monk selbst zu. Diese Angabe ist von einem Musikercredit zu unterscheiden: Monk sitzt bei der Aufnahme nicht am Klavier. Bryant spielt die Klavierstimme des Sextetts. Gerade bei einer Platte mit mehreren berühmten Namen lohnt diese Genauigkeit, damit die tatsächlichen Beiträge sichtbar bleiben.

Drei Bläser und ein Schlagzeuger als Gesprächspartner
Byrd, McLean und Rouse bringen drei unterschiedliche Instrumentenfarben in die Hauptbesetzung ein. Die Trompete steht neben Alt- und Tenorsaxofon; damit unterscheidet sich das Sextett deutlich von einer Gruppe mit nur einem führenden Bläser. Ein Thema kann gemeinsam vorgestellt werden, während sich im weiteren Verlauf einzelne Stimmen lösen. Für das eigene Hören ist die Grenze zwischen Ensemble und Solist besonders interessant: Wann wird ein gemeinsamer Akzent zum Übergang, wann verändert eine Antwort der Rhythmusgruppe die Richtung? Taylor gehört zu diesem Gespräch, auch wenn er nicht die Melodie trägt.
Ray Bryant und Wendell Marshall vervollständigen diese Umgebung. Das Klavier kann Akkorde setzen oder eine Linie weiterführen, der Kontrabass gibt dem Verlauf seine verbindende Bewegung. Ihre Namen sollten nicht hinter den auffälligeren Bläsercredits verschwinden. Auf den fünf Sextetttiteln sind beide beteiligt; nur bei C.T.A. übernehmen Garland und Chambers diese Aufgaben. Die Klarheit dieser Zuordnung macht das Album auch als Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen wertvoll. Wer etwa Bryants Kompositionen oder Rouses Arbeit kennenlernen möchte, findet hier einen konkreten Beitrag, nicht nur einen Namen in einer langen Liste.
Die beiden Monk-Stücke geben dem Programm zum Schluss einen eigenen Schwerpunkt. Ihre Themen laden dazu ein, auf die Gewichtung kleiner Motive, auf Pausen und auf das Verhältnis zwischen markanten Wendungen und dem laufenden Puls zu achten. Ein Schlagzeuger als Leiter muss dafür nicht ständig zusätzliche Aufmerksamkeit verlangen. Er kann ebenso durch Übergänge, Antworten und die Art, wie ein Ensemble zusammenbleibt, eine Vorstellung von Musik vermitteln. Genau unter diesem Gesichtspunkt lässt sich Taylor’s Wailers mit Gewinn hören: als Debüt eines Bandleaders, dessen Instrument mitten im Geschehen steht und zugleich Raum für seine Partner schafft.
Die Prestige-Mono-Ausgabe von Analogue Productions
Angeboten wird die einzelne Mono-LP APRJ 7117 von Analogue Productions mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray verantwortet das Mastering beziehungsweise den Schnitt; der Herausgeber nennt analoge Master als Quelle. Quality Record Pressings ist das Presswerk. Die sechs Stücke stehen in der beschriebenen Albumfolge, mit drei Titeln auf jeder Seite. C.T.A. bleibt als zweiter Titel der ersten Seite an seinem vertrauten Platz. Eine SACD-Schicht oder zusätzliche digitale Formate gehören nicht zu diesem LP-Angebot.
Die hochglänzende Tip-on-Hülle orientiert sich an der klassischen Prestige-Präsentation. Für die erste Auflage der Analogue-Productions-Wiederveröffentlichung von 2013 sind außerdem 200-Gramm-Vinyl, Tiefrillen-Etiketten und ein flacher Rand dokumentiert; einige Exemplare waren nummeriert. Spätere Pressungen werden unter derselben Katalognummer mit 180 Gramm geführt. Ohne Prüfung eines konkreten Exemplars werden frühes Gewicht und Nummerierung deshalb nicht als allgemeine Eigenschaft jedes verfügbaren Stücks zugesagt. Der verlässliche Rahmen bleibt die Mono-LP mit Kevin Grays Bearbeitung und QRP-Pressung.
Die 33er-Aufteilung passt zu diesem Album: Die erste Seite führt durch Sextett, Quartett und wieder Sextett, die zweite bündelt Bryants Komposition und die beiden Monk-Titel. Ein Seitenwechsel trennt zwei gut nachvollziehbare Programmhälften, ohne die einzelnen Darbietungen weiter zu unterbrechen. Für Sammler ist das eine schöne Verbindung aus historischem Debüt, genauer Besetzungsdokumentation und einer übersichtlichen analogen Ausgabe. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Künstlerseite: Alle Titel mit John Coltrane
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Art TaylorSchlagzeugMitwirkung: alle 6
- Donald ByrdTrompeteMitwirkung: A1, A3, B1, B2, B3
- Jackie McLeanAltsaxofonMitwirkung: A1, A3, B1, B2, B3
- Charlie RouseTenorsaxofonMitwirkung: A1, A3, B1, B2, B3
- Ray BryantKlavierMitwirkung: A1, A3, B1, B2, B3
- Wendell MarshallKontrabassMitwirkung: A1, A3, B1, B2, B3
- John ColtraneTenorsaxofonMitwirkung: A2
- Red GarlandKlavierMitwirkung: A2
- Paul ChambersKontrabassMitwirkung: A2
A 2: Coltrane, Garland, Chambers und Taylor am 22. März 1957; übrige Titel: Sextett am 25. Februar 1957. Monk ist Arrangeur laut Herausgeber, kein Musiker der Aufnahme.















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