Oliver Nelson – Blues and the Abstract Truth (Tape)

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Ein Bluesalbum mit offenen Türen

„Stolen Moments“ ist die Eingangstür zu Oliver Nelsons The Blues And The Abstract Truth. Der Titel gehört längst zum Jazzrepertoire, doch auf diesem Album steht er in einem genau komponierten Zusammenhang. Sechs eigene Stücke zeigen, wie weit sich vertraute Formen öffnen lassen, ohne ihren Bezug zum Blues zu verlieren. Nelson denkt dabei zugleich als Saxofonist und Arrangeur. Einzelne Stimmen treten hervor, während die übrigen Instrumente mehr leisten als bloße Begleitung. Wenn du von der Melodie zu den darunterliegenden Stimmen wechselst, erschließt sich eine zweite Ebene der Musik: die sorgfältige Organisation einer kleinen, ungewöhnlich vielseitigen Gruppe.

Das gesamte Programm entstand am 23. Februar 1961 in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs. Creed Taylor produzierte die Sitzung für das junge Impulse!-Label, dessen Katalog das Album als A-5 führte. Hinter der kompakten Aufnahme steht eine bemerkenswerte Zusammenkunft: Freddie Hubbard kam aus dem Umfeld von Blue Note, Bill Evans von Riverside, Nelson und Eric Dolphy waren mit Prestige verbunden. Die ursprüngliche Hülle machte diese Verbindungen ausdrücklich sichtbar. Hier trafen also keine beliebig austauschbaren Studiomusiker aufeinander, sondern bereits eigenständige Persönlichkeiten, die Nelson für seine Kompositionen zusammenbrachte.

Oliver Nelson · 1961 · freie Illustration
Oliver Nelson · 1961 · freie Illustration

Sieben Persönlichkeiten, ein gemeinsamer Satz

Zur Bläsergruppe gehören Hubbard an der Trompete, Dolphy an Altsaxofon und Flöte, Nelson an Alt- und Tenorsaxofon sowie George Barrow am Baritonsaxofon. Bill Evans, Paul Chambers und Roy Haynes bilden mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug die Rhythmusgruppe. Gerade Barrows Rolle lohnt Aufmerksamkeit: Er ist in den Arrangements wichtig, obwohl er keine Soli übernimmt. Das lenkt den Blick weg von einer reinen Abfolge berühmter Solisten. Ein tiefes Instrument kann einen ganzen Bläsersatz tragen und seine Konturen verändern, ohne selbst ins Rampenlicht zu treten. Nelson nutzt solche Unterschiede als kompositorisches Material.

Bei „Teenie’s Blues“ verändert sich die Besetzung der Bläserfront. Die nach Nelsons Originalmanuskripten herausgegebene Notenausgabe beschreibt das Stück für zwei Altsaxofone und Rhythmusgruppe. Andere Besetzungsquellen führen die Sitzung dagegen ohne diese Titeleinschränkung auf. Deshalb lässt sich die Mitwirkung Hubbards und Barrows hier nicht pauschal aus dem Albumcredit ableiten. Sicher ist der besondere Ausgangspunkt mit Chambers’ Bass und Nelson am Altsaxofon. Fürs Hören ist dieser Schluss des Programms ein guter Anlass, die Zahl und Funktion der Stimmen neu wahrzunehmen, statt die Besetzung der ersten fünf Stücke gedanklich unverändert fortzusetzen.

Partitur und Saxofon · freies Arrangementmotiv
Partitur und Saxofon · freies Arrangementmotiv

Vertraute Formen werden neu zusammengesetzt

„Stolen Moments“ hatte eine Vorgeschichte: Eine frühere Fassung erschien als „The Stolen Moment“ auf Eddie „Lockjaw“ Davis’ Trane Whistle. Nelson war an diesem Big-Band-Projekt als Komponist und Arrangeur beteiligt. In der kleineren Gruppe gewinnt das Stück einen anderen Rahmen. Sein komponiertes Thema und die Bluesform der Soli sind nicht einfach deckungsgleich. Dieses Verhältnis zwischen geplanter Gestalt und improvisierter Bewegung prägt das ganze Album. „Hoe Down“ und „Cascades“ erweitern die Form auf andere Weise; „Yearnin’“, „Butch And Butch“ und „Teenie’s Blues“ halten den Bezug zum Blues deutlicher im Vordergrund.

Der abstrakte Teil des Titels verlangt deshalb kein theoretisches Vorwissen. Du kannst zunächst auf die Übergänge achten: Wo endet ein gemeinsamer Satz, wann löst sich eine Stimme daraus, und wie verändert das nächste Instrument den Charakter einer Phrase? Nelsons Musik bietet dafür konkrete Anhaltspunkte, ohne sich auf ein einziges Muster festzulegen. Alle sechs Kompositionen stammen von ihm, doch die unterschiedlichen Spieler verhindern Gleichförmigkeit. Das Album verbindet seine Handschrift als Autor mit den Möglichkeiten dieser Besetzung. Die angebotene Bandfassung bewahrt die ursprüngliche Folge der sechs Titel; zusätzliche Takes oder Stücke späterer Erweiterungen gehören nicht dazu.

Die konkrete Ultra-Tape-Ausgabe

RRAP 0024 bezeichnet das Tonband von Analogue Productions. Dokumentiert sind zwei 10,5-Zoll-Spulen, Viertelzollband, 15 ips und Zweispur-Stereo beziehungsweise Halbspur mit IEC-Entzerrung. Dafür muss die Bandmaschine entsprechend eingerichtet sein. Der NAB-Kern der Spule bezeichnet ihre mechanische Aufnahme und ist nicht mit NAB-Entzerrung gleichzusetzen. Diese Unterscheidung ist für die Wiedergabe wesentlich. Eine passende Spulenaufnahme allein genügt also nicht; Geschwindigkeit, Spurlage und Entzerrung müssen ebenfalls zum ausgewiesenen Format passen.

Die verfügbaren Ausgabenbeschreibungen nennen eine Echtzeitkopie auf einer ATR-modifizierten Ampex-Maschine und eine Kopie des ursprünglichen analogen Masterbandes als Quelle. Ein namentlicher Mastering- oder Überspielcredit für dieses Band ist nicht belegt. Kevin Grays Arbeit an der SACD und Ryan K. Smiths Bearbeitung der Acoustic-Sounds-Series-LP gehören zu anderen Produkten. Der Reiz dieser Ausgabe liegt im ursprünglichen Albumprogramm auf dem ausgewiesenen Bandformat; eine bestimmte Bandgeneration oder eine klangliche Überlegenheit lässt sich daraus nicht ableiten. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.

Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden. Noch nicht vorrätige Ausgaben versenden wir nach Wareneingang.

Auch in einer anderen Ausgabe: Blues And The Abstract Truth

Mehr von Oliver Nelson: Screamin‘ the Blues

Künstlerseite: Alle Titel mit Bill Evans

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Beteiligte Musiker

Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.

  • Oliver NelsonTenorsaxofon, Altsaxofon, Arrangement, LeitungMitwirkung: Album-Besetzung
  • Eric DolphyAltsaxofon, FlöteMitwirkung: Album-Besetzung
  • Freddie HubbardTrompeteMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
  • George BarrowBaritonsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
  • Bill EvansKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
  • Paul ChambersKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
  • Roy HaynesSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung

Hubbard und Barrow sind für A1–B2 belegt; ihre Mitwirkung auf B3 ist strittig. Instrumentenwechsel von Nelson und Dolphy sind nicht für jeden Titel gesichert.

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Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.

  • Oliver NelsonTenorsaxofon, Altsaxofon, Arrangement, LeitungMitwirkung: Album-Besetzung
  • Eric DolphyAltsaxofon, FlöteMitwirkung: Album-Besetzung
  • Freddie HubbardTrompeteMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
  • George BarrowBaritonsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
  • Bill EvansKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
  • Paul ChambersKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
  • Roy HaynesSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung

Hubbard und Barrow sind für A1–B2 belegt; ihre Mitwirkung auf B3 ist strittig. Instrumentenwechsel von Nelson und Dolphy sind nicht für jeden Titel gesichert.


Seite A

  • A1 · Stolen Moments (8:45)
  • A2 · Hoe-Down (4:43)
  • A3 · Cascades (5:30)

Seite B

  • B1 · Yearnin‘ (6:20)
  • B2 · Butch And Butch (4:35)
  • B3 · Teenie’s Blues (6:31)