Die Melodie führt, die Gitarre denkt weiter
Breezin’ ist leicht zugänglich, aber keineswegs leicht gebaut. George Benson kann eine Melodie so selbstverständlich präsentieren, dass man seine technische Beweglichkeit zunächst gar nicht als solche wahrnimmt. Eine Linie singt, eine kurze Verzierung setzt einen anderen Akzent, dann findet die Gitarre wieder in den Song zurück. Der Reiz liegt nicht darin, ständig Virtuosität auszustellen. Er liegt darin, sie so einzusetzen, dass die Musik ihre offene, einladende Form behält.
1976 erschien das Album als Bensons Einstand bei Warner Bros. Es war kein Debüt eines unbekannten Musikers, sondern ein neuer Abschnitt für einen bereits erfahrenen Jazzgitarristen. Tommy LiPuma produzierte die Sessions, die vom 6. bis 8. Januar in den Capitol Studios in Hollywood stattfanden. Al Schmitt verantwortete Aufnahme und Mischung. Diese Namen gehören zur Geschichte einer Produktion, die Rhythmus, Solostimme und Arrangement sorgfältig miteinander ins Verhältnis setzt.

Sechs Songs, sechs unterschiedliche Handschriften
Der Titelsong stammt von Bobby Womack, „This Masquerade“ von Leon Russell und „Affirmation“ von José Feliciano. Dazu kommen „Six to Four“ von Phil Upchurch, „Lady“ von Ronnie Foster und Bensons eigene Komposition „So This Is Love?“. Schon diese Autorenliste zeigt, dass der Zusammenhang des Albums nicht auf einer einheitlichen Songwriter-Handschrift beruht. Benson und seine Mitspieler schaffen ihn durch ihre musikalische Behandlung.
Upchurch und Foster sind dabei nicht nur Namen in den Credits, sondern Mitglieder der Besetzung. Upchurch steuert Gitarre und auf Teilen des Albums Bass bei; Foster spielt unter anderem elektrische Tasteninstrumente. Jorge Dalto ergänzt das Klavier, Stanley Banks den Bass, Harvey Mason das Schlagzeug und Ralph MacDonald die Perkussion. Claus Ogermans Arrangements erweitern dieses Fundament. Die Produktion hat viele Beteiligte, lässt den Hörer aber nicht dauernd ihre Zahl zählen.

„This Masquerade“: Gesang als Teil der Band
„This Masquerade“ wurde zum entscheidenden Gesangstitel des Albums. Es ist interessant, Bensons Stimme nicht als Unterbrechung seiner Gitarristenrolle zu hören, sondern als eine weitere Möglichkeit des Phrasierens. Der Song bietet eine klare melodische Linie, während die Band um sie herum einen eigenständigen Fluss entwickelt. Jorge Daltos Klaviersolo gehört zu den Momenten, in denen die Aufnahme ihren Blick über den Star hinaus öffnet.
Der Erfolg wurde auch bei den Grammys sichtbar: „This Masquerade“ erhielt Record of the Year, das Album brachte Benson einen Preis für Pop Instrumental Performance und Al Schmitt die Auszeichnung für Best Engineered Album, Non-Classical. Diese drei Preise betreffen unterschiedliche Ebenen – Aufnahme, Interpretation und Tontechnik. Gerade deshalb erzählen sie mehr über Breezin’ als eine pauschale Behauptung, es sei einfach eine mehrfach ausgezeichnete Jazzplatte.
Raum für die Details
Eine schöne Verbindung zwischen Original und Neuauflage führt über The Mastering Lab. Doug Sax masterte das ursprüngliche Album; die hier angebotene Ausgabe wurde bei demselben traditionsreichen Haus von Matthew Lutthans bearbeitet. Die Personen und der zeitliche Kontext sind verschieden, die Studiogeschichte verbindet beide Veröffentlichungen. Auf der 45-RPM-Doppel-LP erhalten „Breezin’“ und „Affirmation“ jeweils eine eigene Seite.
Beim Hören lohnt sich neben Bensons Linie die Aufmerksamkeit für Masons Schlagzeug und MacDonalds Perkussion. Sie erzeugen Bewegung, ohne den Song ständig nach vorn zu stoßen. Zwischen akustischen und elektrischen Tastenfarben, Rhythmusgitarre und Solo entstehen weitere kleine Abstufungen. Breezin’ lässt sich deshalb auf zwei Arten genießen: als mühelos wirkende Folge starker Melodien und als präzise organisierte Ensembleaufnahme. Die erste Tür steht sofort offen; die zweite führt bei jedem Wiederhören ein Stück weiter hinein.
Mehr aus der Reihe: Acoustic Sounds 40th Anniversary Series
Auch als SACD: Breezin’
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Besetzung anhand der Albumquellen abgeglichen.
- George BensonGesang, Gitarre
- Jorge DaltoClavinet, Klavier
- Ronnie FosterE-Piano, Minimoog
- Phil UpchurchE-Bass, Gitarre
- Stanley BanksE-Bass
- Harvey MasonSchlagzeug
- Ralph MacDonaldPerkussion
- Bennie MaupinFlöte
- Claus OgermanDirigat
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Schon die europäische Erstpressung begeistert Michael. Die AP-45er wirkt auf ihn im Vergleich noch offener und leichter; er lobt Klarheit, Dynamik, Druck und das besonders schöne Timing.
🎧 Review video: 4 New Analogue Productions Reissues: America, Benson & Bill Evans Shootout
Dieses Video kommt von YouTube (Google). Es wird erst geladen, wenn du in den Cookie-Einstellungen „Funktionen“ einschaltest.
















Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.