Eine Sängerin wählt ihre Lieder
Der Titel Songs I Like To Sing! klingt nach einer einfachen persönlichen Auswahl. Hinter ihm steht jedoch eine Sängerin, deren Erfahrung bereits mehrere musikalische Welten umfasste. Helen Humes hatte bei Count Basie gesungen, Erfolge im Rhythm and Blues gefeiert und sich als eigenständige Interpretin etabliert. Als sie im September 1960 für Contemporary ins Studio ging, brachte sie diese Erfahrungen in zwölf Lieder ein. Das Programm enthält Standards, Blues und mit „Million Dollar Secret“ auch ein eigenes Stück.
Lester Koenig produzierte die Aufnahme; Marty Paich schrieb die Arrangements und leitete die Musiker. Am Klavier saß André Previn. Diese Rollen sind wichtig, denn Paichs Aufgabe bestand darin, den Rahmen für Humes’ Gesang zu gestalten. Die Platte entstand nicht mit einer einzigen unveränderten Großbesetzung. Paich stellte zwei verschiedene Gruppen zusammen, deren Aufnahmen auf der fertigen LP miteinander verschränkt wurden. So verändert sich die Begleitung innerhalb jeder Plattenseite, während Humes die verbindende Stimme bleibt.

Zwei Besetzungen an drei Tagen
Am 6. und 7. September 1960 wurden acht Titel mit einer großen Bläsergruppe aufgenommen. Unter den Beteiligten waren Art Pepper, Teddy Edwards und Ben Webster sowie die Trompeter Al Porcino, Jack Sheldon, Ray Triscari und Stu Williamson. Am folgenden Tag wechselte Paich zu einer kleineren Umgebung mit Streichquartett. James Getzoff und Joseph Stepansky spielten Violine, Alvin Dinkin Viola und Eleanor Slatkin Violoncello. Vier Balladen erhielten diesen anderen instrumentalen Rahmen.
Webster ist der einzige Bläser, der in beiden Besetzungen auftaucht. Previn, Barney Kessel, Leroy Vinnegar und Shelly Manne verbinden die beiden Gruppen ebenfalls. Darin liegt ein reizvoller Zugang zum Album: Achte darauf, wie eine vertraute Rhythmusgruppe auf die veränderte Umgebung reagiert. „If I Could Be With You“ eröffnet die erste Seite mit Streichern; „Don't Worry ’Bout Me“ führt anschließend zur Bläserbesetzung. Die Unterschiede wurden bewusst über das Programm verteilt, statt zwei getrennte Albumhälften daraus zu machen.

Ein eigener Erfolg kommt zurück
„Million Dollar Secret“ hatte Humes bereits 1950 einen Erfolg in den amerikanischen R&B-Charts gebracht. Zehn Jahre später nahm sie das Stück für dieses Album erneut auf, nun mit Paichs Bläserarrangement. Die Rückkehr ist mehr als eine zusätzliche bekannte Nummer im Programm. Sie führt eine eigene musikalische Geschichte in die Auswahl ein und zeigt, dass Humes hier nicht ausschließlich das Repertoire anderer Autoren interpretiert. Ihr Name steht auch als Komponistin auf der Platte.
Daneben reicht die Auswahl von W. C. Handys „St. Louis Blues“ bis zu „Imagination“ von Jimmy Van Heusen und Johnny Burke. „My Old Flame“ gehört zu den vier Streichertiteln, „Love Me or Leave Me“ zur Bläsergruppe. Wer die Instrumentierung verfolgt, lernt deshalb zugleich etwas über die Dramaturgie des Albums. Die Aufnahmen entstanden 1960, die erste Veröffentlichung folgte 1961. Howard Holzer betreute die Tontechnik; das Coverfoto stammt von William Claxton. Beide Namen gehören zur Identität dieser konkreten Produktion.
Die Quelle dieser Contemporary-Neuauflage
ACONC 714 ist eine 180-Gramm-Einzel-LP aus der Contemporary Records Acoustic Sounds Series von Craft. Bernie Grundman schnitt die Lackfolien, Quality Record Pressings presste die Platte; die Ausgabe steckt in einer Tip-on-Hülle. Sie enthält die zwölf ursprünglichen Albumtitel. Ein später auf CD veröffentlichter Alternativtake von „Don't Worry ’Bout Me“ gehört nicht zu diesem Programm. Die Neuauflage ist damit eine Rückkehr zur Albumfolge und keine erweiterte Session-Sammlung.
Craft bezeichnet den Schnitt als AAA und präzisiert im ausführlichen Produkttext die Quelle: eine flache Viertelzoll-Bandkopie des Originalmasters. An anderen Stellen findet sich die verkürzte Formulierung „Originalbänder“. Für diese Ausgabe ist die genauere Kopie-Angabe entscheidend. Eine analoge Kopie widerspricht der vom Hersteller angegebenen analogen Kette nicht; sie ist aber etwas anderes als ein direkter Schnitt vom Originalmaster. Genau diese Unterscheidung gehört zu einer belastbaren Beschreibung der Platte.
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Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Die Besetzung dieser Albumfassung ist belegt. Angaben zu einzelnen Titeln stehen in der letzten Spalte.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Helen Humes | Gesang | Album-Besetzung |
| Marty Paich | Arrangement, Leitung (Dirigat) | Album-Besetzung |
| Ben Webster | Tenorsaxofon | Album-Besetzung |
| André Previn | Klavier | Album-Besetzung |
| Barney Kessel | Gitarre | Album-Besetzung |
| Leroy Vinnegar | Bass | Album-Besetzung |
| Shelly Manne | Schlagzeug | Album-Besetzung |
| Al Porcino | Trompete | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Jack Sheldon | Trompete | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Ray Triscari | Trompete | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Stu Williamson | Trompete | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Harry Betts | Posaune | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Bob Fitzpatrick | Posaune | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Art Pepper | Altsaxofon, Klarinette | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Teddy Edwards | Tenorsaxofon | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| Bill Hood | Baritonsaxofon | A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6 |
| James Getzoff | Violine | A1, A4, B2, B5 |
| Joseph Stepansky | Violine | A1, A4, B2, B5 |
| Alvin Dinkin | Viola | A1, A4, B2, B5 |
| Eleanor Slatkin | Violoncello | A1, A4, B2, B5 |
A2, A3, A5, A6, B1, B3, B4, B6: Bläsersessions vom 6./7. September 1960. A1, A4, B2, B5: Streichersession vom 8. September. Art Peppers Instrumentenwechsel ist nicht je Titel dokumentiert.









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