Ein Pianist tritt nach vorn
Anfang 1959 wurde Wynton Kelly Pianist bei Miles Davis. Wenige Wochen später stand er für Riverside selbst im Mittelpunkt: „Kelly Blue“ entstand an zwei Terminen in den New Yorker Reeves Sound Studios. Paul Chambers am Bass und Jimmy Cobb am Schlagzeug waren dabei dieselben Partner, mit denen Kelly auch bei Davis spielte. Hier bestimmen seine eigenen Stücke und seine Auswahl von Standards die Richtung.
Orrin Keepnews produzierte die Aufnahmen, Jack Higgins saß am Aufnahmepult. Am 19. Februar kam ein Sextett zusammen; am 10. März blieb das Klaviertrio unter sich. Dieser Wechsel gehört zur Anlage des Albums. Er lässt Kelly sowohl als Solisten in einer größeren Besetzung als auch im unmittelbaren Austausch mit Bass und Schlagzeug erleben.

Zwei Stücke mit drei Gästen
Nat Adderley spielt Kornett, Bobby Jaspar Flöte und Benny Golson Tenorsaxofon. Alle drei sind auf dem Titelstück und „Keep It Moving“ zu hören. Die übrigen vier Nummern gehören allein Kelly, Chambers und Cobb. Gerade die Flöte gibt der erweiterten Besetzung eine andere Farbe als die häufigere Kombination aus Trompete und Saxofon.
Drei der sechs Kompositionen stammen von Kelly: „Kelly Blue“, „Keep It Moving“ und „Old Clothes“. Dazwischen stehen „Softly, as in a Morning Sunrise“, „Green Dolphin Street“ und Ann Ronells „Willow Weep for Me“. Das Programm verbindet damit eigenes Bluesmaterial mit Melodien, die schon viele andere Jazzmusiker beschäftigt hatten. Die Stücke bieten unterschiedliche Ausgangspunkte für denselben musikalischen Zusammenhalt.

Dem Begleiter zuhören
Kellys Name wird oft mit „Freddie Freeloader“ verbunden, seinem einzigen Stück auf „Kind of Blue“. Dieses eigene Album erlaubt einen längeren Blick auf seine Arbeit. Achte im Titelstück einmal auf das Klavier unter den Bläsersoli: Welche Akzente setzt Kelly, und wie verändert sich seine Rolle, wenn er selbst übernimmt? Anschließend lässt sich dieser Eindruck mit einer Trioaufnahme vergleichen.
„Old Clothes“ eignet sich dafür besonders gut. Hier gibt es keine zusätzlichen Bläser, denen das Klavier Platz machen müsste. Verfolge die Verbindung zwischen Kellys Phrasen, Chambers’ Basslinien und Cobbs rhythmischen Antworten. So wird aus dem Wechsel der Besetzungen eine konkrete Hörperspektive: dieselben drei Musiker, aber andere Aufgaben und andere Freiräume.
Diese Ausgabe
Analogue Productions veröffentlicht „Kelly Blue“ unter AAPJ 210-45 als Stereo-Doppel-LP mit 45 RPM auf 180-Gramm-Vinyl. Das Mastering stammt von Kevin Gray und Steve Hoffman bei AcousTech Mastering; gepresst wird bei Quality Record Pressings. Die Ausgabe besitzt ein mattes Stoughton-Tip-On-Gatefold. Das Titelstück erhält eine eigene Plattenseite, ebenso „Old Clothes“. Enthalten sind die sechs Stücke des ursprünglichen Albums. Die auf späteren CDs ergänzten Alternativaufnahmen und „Do Nothin’ Till You Hear from Me“ gehören nicht zu diesem LP-Programm.
Michael 45 lagert die Platten in Deutschland und versendet sie aus Hilden, sodass Kunden einen eigenen US-Import und die damit verbundene Wartezeit beim Zoll vermeiden können.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Wynton Kelly | Klavier |
| Nat Adderley | Kornett |
| Bobby Jaspar | Flöte |
| Benny Golson | Tenorsaxofon |
| Paul Chambers | Bass |
| Jimmy Cobb | Schlagzeug |







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