Das Studio wird Teil der Band
Zwischen dem Debüt der Doors und Strange Days lagen 1967 nur wenige Monate. Trotzdem verändert sich auf dem zweiten Album der Blick auf die Gruppe. Die Songs behalten ihre klaren Konturen, während im Hintergrund neue Klänge und überraschende Übergänge auftauchen. Jim Morrisons Stimme, Ray Manzareks Tasteninstrumente, Robby Kriegers Gitarre und John Densmores Schlagzeug bilden weiterhin den Kern. Das Studio gibt ihnen zusätzliche Möglichkeiten, diese vertraute Besetzung zu verschieben und einzelne Momente anders auszuleuchten.
Bei Sunset Sound in Hollywood arbeiteten die Doors wieder mit Produzent Paul A. Rothchild und Toningenieur Bruce Botnick. Statt der Vierspurtechnik des Debüts stand nun eine Achtspurmaschine zur Verfügung. Das bedeutete mehr Platz, um musikalische Ideen getrennt aufzunehmen und miteinander zu verbinden. Doug Lubahn ergänzte die Gruppe auf den meisten Stücken als Studiobassist. So entstand eine Platte, die ihren Bühnenhintergrund bewahrt, aber bewusst auch Dinge ausprobiert, die erst im Aufnahmeraum ihre endgültige Form bekommen.

Kleine Songs mit schrägem Blick
„People Are Strange“ fasst sein Unbehagen in eine kurze, einprägsame Form. „Love Me Two Times“ setzt daneben ein bewegliches Gitarrenmotiv und einen anderen rhythmischen Schwerpunkt. Beide wurden Singles, ohne die ganze Spannweite des Albums abzubilden. Schon „You’re Lost Little Girl“ führt in eine zurückgenommene Umgebung, während „Moonlight Drive“ die Verbindung zwischen Morrisons Gesang und Kriegers Gitarrenfarben stärker hervortreten lässt. Die Stücke sind kompakt genug, dass eine einzelne Entscheidung im Arrangement viel verändern kann.
Der Titeltrack gehört zu den frühen Rockaufnahmen mit einem Moog-Synthesizer. Paul Beaver half bei der Arbeit mit dem damals neuen Instrument. Entscheidend ist hier weniger das technische Ausstellungsstück als die Möglichkeit, eine Stimme oder eine Klangfläche ungewohnt erscheinen zu lassen. Das kurze „Horse Latitudes“ unterbricht den Ablauf zusätzlich mit gesprochenem Text und Geräuschen. Strange Days setzt solche Eingriffe zwischen Songs, die auch ohne Studiotechnik tragfähige Melodien besitzen. Gerade dieser Wechsel hält die vertrauten Formen in einer leichten Unruhe.

Wenn elf Minuten den Maßstab ändern
Am Ende bekommt „When the Music’s Over“ einen ganz anderen Raum. Das rund elfminütige Stück entwickelt seine Spannung über Wiederkehr, Unterbrechung und den Wechsel zwischen der Band und Morrisons Stimme. Hier lohnt es sich, auf Densmores Einsätze und Manzareks wiederkehrende Figuren zu achten. Sie halten die Orientierung, während die Musik ihren Zustand verändert. Der Abschluss wirkt auch deshalb so weitläufig, weil ihm überwiegend kurze Stücke vorausgehen. Die Reihenfolge ist Teil dieser Wirkung.
Botnick beschrieb später, wie das doppelte Gitarrensolo durch das Hintereinanderschalten zweier Mikrofonvorverstärker seinen verzerrten Charakter bekam. Solche Entscheidungen zeigen den handwerklichen Anteil an der scheinbar unwirklichen Atmosphäre. Auch das Cover verweigert das übliche Bandporträt: Joel Brodsky fotografierte Straßenkünstler im New Yorker Sniffen Court. Bild und Musik erzählen keine identische Geschichte, teilen aber das Interesse an einer vertrauten Welt, die plötzlich merkwürdig wirkt. Auf der Platte entsteht dieser Eindruck aus konkreten musikalischen und klanglichen Entscheidungen.
Diese Ausgabe
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPP 74014-45 umfasst zwei 180-Gramm-LPs mit 45 U/min, gepresst bei Quality Record Pressings. Doug Sax masterte mit einem Röhrensystem; Bruce Botnick begleitete die Neuauflage. Der Herausgeber nennt für Strange Days die originalen analogen Masterbänder als Quelle. Enthalten sind die zehn Stücke des Albums. Diese Ausgabe gehört zur von Sax betreuten Doors-Reihe und ist von den separaten SACD- und Mono-Veröffentlichungen zu unterscheiden.
Auch als SACD: Strange Days
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Jim Morrison | Synthesizer, Gesang |
| Ray Manzarek | Tasteninstrumente, Marimba |
| Robby Krieger | Gitarre |
| John Densmore | Schlagzeug |
| Doug Lubahn | E-Bass |







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