Wieder im Takt mit dem eigenen Leben
In Step erschien im Juni 1989 als viertes und letztes Studioalbum von Stevie Ray Vaughan and Double Trouble. Zwischen dieser Platte und dem frühen Durchbruch lag eine persönliche Veränderung, die auch in den Songs Spuren hinterließ. Vaughan hatte nach einer schweren gesundheitlichen Krise 1986 eine Behandlung seiner Abhängigkeit begonnen. Für den Albumtitel beschrieb er sinngemäß das Gefühl, mit seinem Leben, mit sich selbst und mit seiner Musik wieder Schritt halten zu können. Das ist ein hilfreicher Hintergrund, ohne jedes Gitarrensolo zu einer biografischen Erklärung machen zu müssen.
Die Aufnahmen entstanden von Ende Januar bis Mitte März 1989 in Kiva Studios in Memphis sowie in Studios in Los Angeles. Jim Gaines produzierte gemeinsam mit Vaughan und Double Trouble. Zu den dokumentierten Technikern gehört auch Richard Mullen, der bereits mit der Band verbunden war; an der Mischung arbeiteten Gaines und Dave McNair. Für einzelne Titel ist die Zuordnung zu den verschiedenen Studios nicht vollständig aufgeschlüsselt. Der gesicherte Rahmen genügt jedoch, um die Platte als eine bewusst ausgearbeitete Studioarbeit dieser Bandphase zu beschreiben.
Double Trouble bestand hier aus Tommy Shannon am Bass, Chris Layton am Schlagzeug und Reese Wynans an den Keyboards, neben Vaughan an Gitarre und Gesang. Gegenüber der Trioaufnahme Texas Flood steht damit ein weiterer Musiker im Zentrum des Bandklangs. Wynans ist kein beiläufiger Gast, sondern Teil der regulären Besetzung. Die Frage, wie Gitarre und Tasteninstrumente Raum teilen, gehört deshalb zu den interessanten Wegen durch dieses Album. Die zusätzliche Stimme erweitert die Möglichkeiten, ohne Vaughan aus dem Mittelpunkt nehmen zu müssen.
1990 erhielt In Step den Grammy in der damaligen Kategorie Best Contemporary Blues Recording. Diese Anerkennung ist Teil seiner Veröffentlichungsgeschichte, doch die Platte braucht sie nicht als alleinige Begründung ihres Stellenwerts. Sie verbindet eigene Songs, Arbeiten mit Doyle Bramhall, Beiträge aus der Band und Stücke anderer Bluesautoren. Im Rückblick wurde sie zudem zum letzten Studioalbum dieser Besetzung mit Vaughan. Beim Hören lohnt es sich, diesen späteren Wissensstand nicht über jeden Moment zu legen: 1989 entstand hier Musik, die auf eine neu gewonnene Gegenwart gerichtet war.

Double Trouble: mehr als die Begleitung eines Gitarristen
Tommy Shannon und Chris Layton bilden die rhythmische Grundlage. Ihre Arbeit lässt sich gut verfolgen, wenn man einmal die Gitarre nicht als einzigen Wegweiser nimmt. Wie wird eine kurze Gesangszeile aufgenommen, wie bleibt eine Bewegung bestehen, während Vaughan seine Phrase verlängert, und wo setzt die Band einen gemeinsamen Akzent? Solche Fragen machen aus der oft gebrauchten Formel vom großen Gitarristen mit Begleitband eine genauere Vorstellung. Double Trouble ist auf In Step auch an der Entstehung des Materials beteiligt und nicht lediglich für dessen Ausführung zuständig.
Besonders deutlich wird das an „Crossfire“. Der Song trägt die Autorencredits von Shannon, Layton und Wynans gemeinsam mit Bill Carter und Ruth Ellsworth. Er wurde Vaughans einziger Nummer-eins-Titel in den amerikanischen Mainstream-Rock-Charts. Hinter diesem Erfolg steht somit ein Bandbeitrag, dessen Geschichte nicht auf eine einzelne Gitarrenleistung verkürzt werden sollte. Die Aufnahme bietet außerdem eine gute Gelegenheit, das Zusammenspiel von Rhythmusgruppe, Keyboards und den hinzukommenden Bläsern wahrzunehmen. Der Song ist ein gemeinsames Arrangement mit mehreren unterscheidbaren Aufgaben.
Joe Sublett am Saxofon und Darrell Leonard an der Trompete sind als Texacali Horns auf „Crossfire“ und „Love Me Darlin’“ verzeichnet. Ihre Mitwirkung ist titelbezogen; sie gehört nicht pauschal auf das gesamte Album übertragen. Bei den übrigen Stücken bleibt das Quartett die entscheidende Besetzung. Reese Wynans’ einzelne Keyboardeinsätze sind in den ausgewerteten Angaben nicht durchgehend nach Titeln und Instrumenten aufgeteilt. Deshalb nennen die Credits seine gesicherte Rolle, ohne aus einer allgemeinen Keyboardangabe eine unbelegte Liste konkreter Orgel- oder Klaviermodelle zu machen.
Doyle Bramhall steht wiederum auf der Autorenseite der Platte. Er schrieb mit Vaughan unter anderem „The House Is Rockin’“, „Tightrope“, „Wall of Denial“ und „Scratch-N-Sniff“. Ein Songwritingcredit ist nicht dasselbe wie ein belegter Instrumentalbeitrag auf der Aufnahme. Die Unterscheidung ist hier wichtig, weil Bramhalls Nähe zu Vaughan leicht dazu verleiten könnte, ihn ohne Nachweis auch in die spielende Band einzuordnen. Seine Bedeutung für das Album wird dadurch nicht kleiner: Er gehört zu den Menschen, mit denen Vaughan Erfahrungen in Lieder und eine neue sprachliche Direktheit übersetzte.

Vom ersten Aufruf bis zur Ruhe von Riviera Paradise
„The House Is Rockin’“ eröffnet das Programm, gefolgt von „Crossfire“ und „Tightrope“. Diese Folge zeigt bereits unterschiedliche Seiten der Platte: eine nach außen gerichtete Einladung, ein aus der Band kommender Song und eine gemeinsam mit Bramhall geschriebene Auseinandersetzung mit dem eigenen Weg. „Tightrope“ und „Wall of Denial“ lassen sich vor dem Hintergrund von Vaughans Veränderung genauer lesen. Dabei muss ihre Wirkung nicht auf die Kenntnis einer Lebensgeschichte angewiesen sein. Die Texte geben selbst Hinweise auf Unsicherheit, Selbstprüfung und die Arbeit daran, weiterzugehen.
Die zweite Seite der AP-Ausgabe verbindet „Let Me Love You Baby“, Buddy Guys „Leave My Girl Alone“ und das Instrumental „Travis Walk“. „Let Me Love You Baby“ wird hier dem dokumentierten Songautor Willie Dixon zugeordnet; eine abweichende zusätzliche Vaughan-Nennung in einer Ausgabenliste bleibt als Creditkonflikt festgehalten. Mit solchen übernommenen Songs steht In Step bewusst in einer größeren Bluesgeschichte. Vaughan präsentiert seine eigenen Arbeiten nicht außerhalb dieser Tradition. Sie befinden sich neben Liedern, mit denen er sich als Interpret auseinandersetzt.
„Wall of Denial“, „Scratch-N-Sniff“ und Chester Burnetts „Love Me Darlin’“ bilden die dritte Seite. Bei letzterem Titel kehren die Bläser zurück. Es kann reizvoll sein, diesen Wiedereintritt im Zusammenhang des ganzen Albums zu verfolgen: Welche andere Farbe entsteht, wenn die Band um Saxofon und Trompete erweitert wird, und wie bleibt ihre eigene rhythmische Handschrift dabei erhalten? Der Vergleich mit „Crossfire“ bietet zwei konkrete Bezugspunkte. Er verlangt keine allgemeine Behauptung über den Klang einer gesamten Pressung, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf belegte Unterschiede im Arrangement.
„Riviera Paradise“ erhält auf dieser Doppel-LP eine eigene vierte Seite. Das knapp neunminütige Instrumental verändert zum Schluss die zeitlichen Proportionen des Albums. Ohne Gesang kann die Gitarre eine längere melodische Entwicklung tragen, während die Band ihren Verlauf mitgestaltet. Statt auf die nächste Strophe zu warten, lässt sich hier dem Atem einer Phrase und ihrer Antwort folgen. Dass das Stück allein auf einer Seite steht, unterstreicht seine Sonderstellung im Programm. Es ist ein Abschluss mit eigenem Raum, nicht lediglich ein weiterer kurzer Titel nach den vorausgehenden Songs.
Die 45-RPM-Fassung aus der Texas-Hurricane-Reihe
Diese Veröffentlichung ist Analogue Productions AAPB 099-45, zwei LPs mit 45 Umdrehungen. Die 45er-Fassung gehört zum Zusammenhang der Texas Hurricane-Ausgaben und wurde später auch einzeln veröffentlicht. Ryan K. Smith schnitt sie bei Sterling Sound nach Herausgeberangabe vom originalen Analogband, unter Verwendung einer Neumann VMS 80. Gary Salstrom ist für die Galvanik genannt, Quality Record Pressings für die Pressung. Diese Angaben beziehen sich auf die Neuauflage; sie sind von den Credits des ursprünglichen Albums zu unterscheiden.
Die vierseitige Verteilung gibt den drei kürzeren Songgruppen und dem langen Finale jeweils einen eigenen Abschnitt. Wer gern eine ganze ursprüngliche Albumseite ohne Unterbrechung hört, sollte diese zusätzlichen Seitenwechsel mitbedenken. Wer einzelne Abschnitte bewusst auflegt, findet besonders in der separaten „Riviera Paradise“-Seite einen nachvollziehbaren Reiz. Die Entscheidung für 45 RPM ist damit auch eine Entscheidung über den Ablauf des Hörens. Sie sollte nicht allein aus der Vorstellung entstehen, eine höhere Drehzahl könne unabhängig vom konkreten Schnitt eine bessere Wiedergabe garantieren.
Die dokumentierte Einzelausgabe von 2017 nennt 200 Gramm, während Herausgeber und aktuelle Produktdaten 180 Gramm angeben. Eine physische Prüfung der Lagercharge liegt hier nicht vor. Das Stoughton-Tip-on-Klappcover gehört zur Ausstattung dieser Veröffentlichung. Für Sammler ist die Kombination aus genauer Ausgabeidentität, vollständigem Zehn-Titel-Programm und nachvollziehbaren Masteringcredits die verlässliche Grundlage. Musikalisch bleibt In Step das Porträt einer Band, deren Mitglieder, Mitautoren und Gäste gemeinsam an einer neuen Phase arbeiteten. Der spätere tragische Abschluss von Vaughans Lebensgeschichte ist bekannt; diese Platte bewahrt die Arbeit davor.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Stevie Ray VaughanGitarre, GesangMitwirkung: Album-Besetzung
- Tommy ShannonE-BassMitwirkung: Album-Besetzung
- Chris LaytonSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Reese WynansKeyboardsMitwirkung: Album-Besetzung
- Joe SublettSaxofonMitwirkung: A2, C3
- Darrell LeonardTrompeteMitwirkung: A2, C3
Aufnahmen: 25. Januar–13. März 1989, Kiva Studios, Memphis, sowie Sound Castle und Summa Studios, Los Angeles; titelgenaue Studiozuordnung offen. Produktion: Jim Gaines mit Stevie Ray Vaughan & Double Trouble; Ton u. a. Jim Gaines und Richard Mullen; Mischung: Dave McNair und Jim Gaines. Texacali Horns nur A2/C3. Doyle Bramhall: Mitautor, kein belegter Instrumentalcredit. AP: Ryan K. Smith, Sterling Sound; Gary Salstrom, Galvanik; Quality Record Pressings.











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