Erst einmal das Instrument tauschen
Stan Getz spielt Tenor, Gerry Mulligan Bariton: Diese Zuordnung gehört zum Grundwissen über die beiden. Getz Meets Mulligan in Hi-Fi beginnt mit ihrer Umkehrung. Auf den ersten drei Stücken übernimmt Getz das Baritonsaxofon und Mulligan das Tenor. Wer die Spieler ausschließlich an der Lage des Instruments erkennen möchte, muss hier also umdenken.
Die Begegnung fand am 12. Oktober 1957 in Los Angeles statt. Norman Granz produzierte; Lou Levy am Klavier, Ray Brown am Bass und Stan Levey am Schlagzeug bilden die Rhythmusgruppe. Eine Aufnahme mit fünf Musikern und sechs Stücken wird damit zugleich zu einem überschaubaren Experiment darüber, wie eng ein persönlicher Stil mit einem bestimmten Instrument verbunden ist.

Drei Stücke unter anderen Vorzeichen
„Let’s Fall in Love“, „Anything Goes“ und „Too Close for Comfort“ eröffnen das Album. Bei diesen drei Titeln gilt die vertauschte Rollenverteilung. Ab „That Old Feeling“ spielen Getz und Mulligan wieder ihre gewohnten Instrumente. Danach folgen „This Can’t Be Love“ und Mulligans eigene Komposition „A Ballad“.
Gerade der Seitenwechsel gibt dem Vergleich eine einfache Form. Achte auf die Phrasierung, nicht nur auf die Tonhöhe: Wie beginnt ein Gedanke, wo wird er unterbrochen, wie wird eine Linie abgeschlossen? Auf der zweiten Seite kannst du dieselben Fragen wieder stellen. Das Album liefert dafür zwei Konstellationen mit derselben Rhythmusgruppe. Es geht nicht darum, einen Wettbewerb zu entscheiden, sondern darum, vertraute Musiker unter leicht veränderten Bedingungen zu verfolgen.

Zwei Wege durch den Cool Jazz
Getz und Mulligan wurden beide 1927 geboren. Getz’ lyrische Tenorsprache stand unter dem Einfluss Lester Youngs; sein Beiname „The Sound“ verweist auf die Bedeutung seines Tons. Mulligan war neben dem Baritonspiel als Arrangeur tätig, unter anderem für Claude Thornhill, Miles Davis und Stan Kenton. Sein klavierloses Quartett mit Chet Baker hatte ihm bereits in den frühen fünfziger Jahren einen eigenen Platz verschafft.
Hier ist mit Lou Levy ausdrücklich ein Pianist dabei. Auch deshalb lohnt es sich, die Begleitung nicht auszublenden und nur die beiden Saxofone miteinander zu vergleichen. Klavier, Bass und Schlagzeug geben dem Instrumententausch einen gemeinsamen Rahmen. Folge einmal Ray Browns Basslinie über einen ganzen Abschnitt hinweg. Danach hörst du leichter, wie die Bläser ihre Einsätze zu diesem Fundament setzen. Die Besonderheit des Albums liegt in einem konkreten musikalischen Versuch, den du selbst nachvollziehen kannst, auch ohne die bisherigen Diskografien beider Musiker zu kennen.
Diese Ausgabe ist mono
AVER 77187 ist eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM in Mono. Matthew Lutthans übernahm das Mastering bei The Mastering Lab, laut Acoustic Sounds vom originalen Masterband. Die Pressung stammt von Quality Record Pressings, die Tip-On-Klapphülle von Stoughton. Der Hinweis auf Mono gehört zur angebotenen Ausgabe: Es gibt andere Fassungen des Albums in Stereo. „Hi-Fi“ im Titel bezeichnet deshalb für sich genommen nicht die Kanalzahl dieser LP.
Michael 45 lagert die Platte in Deutschland und versendet sie aus Hilden, sodass Kunden keinen eigenen Import aus den Vereinigten Staaten organisieren und nicht auf die Zollabfertigung warten müssen.
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Stan Getz | Baritonsaxofon, Tenorsaxofon |
| Gerry Mulligan | Tenorsaxofon, Baritonsaxofon |
| Lou Levy | Klavier |
| Ray Brown | Kontrabass |
| Stan Levey | Schlagzeug |
Auf den ersten drei Titeln tauschen Getz und Mulligan die Instrumente. Danach spielt Getz Tenor und Mulligan Bariton. Die Rhythmusgruppe ist auf Albumebene erfasst.
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