Ein England aus Stimmen, Bildern und Musik
Eine einzelne Stimme eröffnet Selling England by the Pound, bevor sich die Musik von Dancing with the Moonlit Knight immer weiter entfaltet. Dieser Anfang führt mitten in ein Album, das große Formen und kleine Beobachtungen miteinander verbindet. Genesis erzählen 1973 von einem England zwischen überlieferten Bildern und moderner Warenwelt. Die Musik setzt dafür nicht auf eine durchgehende Klangkulisse: Gesang, Klavier, Flöte, Gitarren und die wechselnden Farben der Keyboards öffnen jeweils andere Perspektiven. So entsteht eine Platte, deren gedanklicher Zusammenhang gerade durch ihre Vielfalt deutlich wird.
Peter Gabriel, Tony Banks, Steve Hackett, Mike Rutherford und Phil Collins bildeten die Besetzung. Nach der Foxtrot-Tour arbeitete die Band an neuen Songs und ging im August 1973 in die Island Studios in London. John Burns produzierte gemeinsam mit Genesis, Rhett Davies war als Assistent beteiligt. Im Oktober erschien das fünfte Studioalbum. Es erreichte in Großbritannien Platz drei und machte mit I Know What I Like (In Your Wardrobe) auch einen kürzeren Song aus diesem weit gespannten Programm einem größeren Publikum zugänglich.
Die besondere Stärke des Albums liegt in der Verbindung der Maßstäbe. More Fool Me benötigt eine Stimme und akustische Begleitung; The Battle of Epping Forest entfaltet eine dicht besetzte Erzählung. After the Ordeal verzichtet auf Gesang, während Gabriels Figuren und Sprachbilder an anderen Stellen den Ablauf bestimmen. Für einen ersten Zugang muss man nicht jede Anspielung entschlüsseln. Die unterschiedlichen Instrumentalstimmen und der Wechsel zwischen konzentrierten Songs und langen Entwicklungen geben bereits genügend Orientierung.

Fünf Persönlichkeiten und bewegliche Rollen
Die Aufteilung der Instrumente reicht weit über feste Berufsbezeichnungen hinaus. Gabriel ist mit Gesang, Flöte, Oboe und Perkussion genannt. Banks spielt Keyboards und zwölfsaitige Gitarre, Hackett elektrische und Nylonsaitengitarre. Rutherford übernimmt Bass, Zwölfsaitige und elektrische Sitar, Collins Schlagzeug, Perkussion und Gesang. Die Hüllencredits beschreiben damit eine Gruppe, deren Mitglieder ihre Aufgaben wechseln können, sobald ein Stück eine andere Farbe verlangt. Nicht jede dieser Angaben bedeutet, dass das Instrument auf jedem Titel erklingt.
Ein besonders klares Beispiel ist More Fool Me. Hier singt Collins, begleitet von Rutherfords zwölfsaitiger Gitarre. Das kleinere Format bringt eine andere Nähe hervor als die dicht gearbeiteten Gruppenstücke. Umgekehrt erweitert die Instrumentierung der längeren Kompositionen das Spektrum beträchtlich: Hammond-Orgel, Mellotron, Pianet, Klavier und ARP Pro Soloist gehören zu Banks‘ Tastenwelt dieser Phase. Ihre Wirkung liegt nicht nur im jeweils erkennbaren Klang, sondern darin, wie sich ein Thema beim Wechsel des Instruments verändern kann.
Auch Hacketts Beiträge verdienen Aufmerksamkeit jenseits des großen Solos. Seine Nylonsaitengitarre gibt After the Ordeal eine eigene Oberfläche, während die elektrische Gitarre in Firth of Fifth eine lange melodische Linie gestaltet. Die Flöte gehört ebenfalls zum Verlauf dieses Stücks. Für aufmerksame Hörer wird so ein musikalischer Gedanke in verschiedenen Stimmen erfahrbar. Die Instrumente ergänzen nicht bloß die Gesangsparts; sie übernehmen selbst Teile der Erzählung und gestalten Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten.

Vom Klavierbeginn bis zur Rückkehr des Anfangs
Firth of Fifth beginnt mit Banks‘ Klavier und öffnet sich anschließend zu einem der großen Spannungsbögen des Albums. Es lohnt sich, den Eintritt der Band nicht nur als Lautstärkezunahme zu hören, sondern als Wechsel der Perspektive auf das Material. Das spätere Gitarrensolo wirkt innerhalb dieser Entwicklung, nicht als losgelöste Vorführung. Ähnlich gewinnt The Cinema Show durch seine lange Vorbereitung: Die akustisch geprägte erste Hälfte führt in einen bewegten Instrumentalteil, in dem Banks‘ ARP Pro Soloist über Rutherford und Collins hervortritt. Der 7/8-Puls trägt die Musik weiter, ohne sie auf eine bloße Taktübung zu reduzieren.
Daneben besitzt I Know What I Like eine ganz andere, sofort erkennbare Form. Gabriels Talking Drum gehört zu den dokumentierten Klangfarben des Stücks. Das dazugehörige Bild einer alltäglichen, eigenwilligen Figur hat eine Verbindung zum Cover: Betty Swanwicks Gemälde The Dream wurde für die Hülle um einen Rasenmäher ergänzt. Die visuelle Gestaltung und die Songs berühren einander, ohne das Album zu einer einfachen Illustration eines einzigen Bildes zu machen.
Mit Aisle of Plenty kehrt am Schluss Material des Anfangs zurück. Alltags- und Konsumwelt treten dabei in eine Sprache, die zuvor auch mit historischen und phantastischen Bildern gearbeitet hat. Diese Rückkehr gibt der langen Folge einen Rahmen. Für Sammler und Musikliebhaber bleibt deshalb neben den bekannten Einzelstücken die Gesamtgestalt wichtig: Die kleinen Songs, die instrumentalen Übergänge und die ausgedehnten Entwicklungen begründen einander. Mit jeder neuen Begegnung kann ein anderer Zusammenhang in den Vordergrund treten, ohne dass die Musik ihren erzählerischen Reiz verliert.
Die Hybrid-Stereo-SACD: Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering
Die angebotene Ausgabe ist CAPA 002 SA von Analogue Productions aus der Atlantic 75 Series. Sie enthält die acht Originaltitel auf einer Hybrid-Stereo-SACD. Die CD-Schicht ist auf gewöhnlichen CD-Spielern abspielbar, die DSD-Schicht auf SACD-kompatiblen Geräten. The Cinema Show und Aisle of Plenty besitzen getrennte Titelmarken. Bonusmaterial ist nicht enthalten; die Ausgabe ist von den früheren Virgin-SACDs mit Stereo- und Mehrkanal-Neuabmischungen zu unterscheiden.
Auf der Rückseite ist Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering für das Mastering genannt. Der gedruckte Hinweis beschreibt einen direkten Transfer des originalen analogen Bands nach DSD. Damit ist der verantwortliche Ingenieur genauer benannt als in der abweichenden Kurzangabe auf der Herausgeber-Webseite. Der Name des Studios wird hier nicht mit dem Namen des bearbeitenden Ingenieurs verwechselt. Eine bestimmte DSD-Rate oder ein bestimmter Wandler sind nicht ausgewiesen.
Die Disc wird in einer Super Jewel Box geliefert. Fragen nach wiederverwendeten Classic-Records-Lackfolien, vier 45er-Seiten oder dem Presswerk einer LP gehören zur separaten Vinylausgabe. Diese SACD hat ihren eigenen digitalen Übertragungsweg und lässt die lange Albumfolge ohne Seitenwechsel ablaufen. Sie bietet damit eine klar bezeichnete Möglichkeit, Genesis‘ Zusammenspiel aus Song, Instrumentalmusik und Erzählung als Ganzes zu erleben. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch in einer anderen Ausgabe: Selling England By The Pound
Mehr von Genesis: Wind & Wuthering · A Trick Of The Tail
Künstlerseite: Alle Titel von Genesis und Phil Collins
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Peter GabrielGesang (1, 2, 3, 5, 7, 8); Flöte; Oboe (7); Perkussion; Talking Drum (2)Mitwirkung: Album-Besetzung; Gesang nicht auf den Titeln 4 und 6
- Tony BanksKeyboards (Hammond, Mellotron, Hohner Pianet, ARP Pro Soloist, Klavier); 12-saitige Gitarre (7); ARP Pro Soloist (Solo) (7)Mitwirkung: alle außer 4
- Steve HackettE-Gitarre; Nylonsaiten-Gitarre (6)Mitwirkung: alle außer 4
- Mike Rutherford12-saitige Gitarre (4, 7); Bass; E-SitarMitwirkung: Album-Besetzung
- Phil CollinsSchlagzeug, Perkussion; Gesang; Leadgesang (4)Mitwirkung: Album-Besetzung
Albumcredits bedeuten nicht, dass jedes Instrument auf jedem Titel gespielt wird. Gesicherte Titelzuordnungen stehen bei den jeweiligen Rollen; weitergehende Zuordnungen bleiben offen.












Roy Brezinski –
This one sounds wonderful. I own a few original pressings and the Classic Records reissue. The Classic Records was the best sounding one, but the Analogue Productions version is even better. Wonderful imaging. It sounds extremely clear, it’s like the band is playing the songs in my listening room.
Equipment:
Transrotor Fat Bob + JR/SME 3500 tonearm + Audio Technica OC9XML
Thorens TD147 + Linn Basik LVX tonearm + Audio Technica OC9XML
Ayre P5XE phono preamps
Ayre K3x preamp
SPL Active Crossover
2x Aragon 4004 power amps
Magnepan Tympani IV bass panels + modified Magnepan MG12 as hi/mid panels.