Genesis finden ihre neue Stimme
Als Genesis im Herbst 1975 in den Londoner Trident Studios an A Trick Of The Tail arbeiteten, war eine grundlegende Frage offen: Wie würde die Gruppe nach Peter Gabriels Abschied weitergehen? Phil Collins, Tony Banks, Steve Hackett und Mike Rutherford hatten einen erheblichen Teil ihrer gemeinsamen musikalischen Sprache behalten. Neu zu besetzen war jedoch die Stimme im Zentrum der Songs. Die Suche nach einem Sänger führte schließlich zu dem Musiker, der bereits hinter dem Schlagzeug saß. Collins hatte mit möglichen Kandidaten geprobt; beim eigenen Singen zeigte sich, dass die Lösung innerhalb der Band lag.
Das im Februar 1976 veröffentlichte Album dokumentiert diesen Übergang in acht Stücken. Es entstand im Oktober und November 1975 unter der Produktion von David Hentschel und Genesis. Die Ausgangslage muss man kennen, um die Bedeutung der Aufnahme zu verstehen, doch die Musik lässt sich nicht auf eine Personalentscheidung reduzieren. Die Gruppe arbeitete weiterhin mit ausgedehnten Formen, wechselnden Metren, zwölfsaitigen Gitarren und erzählerischen Texten. Collins übernahm zusätzlich zum Schlagzeug den Leadgesang. Damit blieb ein wesentlicher Teil des rhythmischen Innenlebens mit der neuen Stimme verbunden, während die vier Mitglieder ihre Aufgaben im Studio neu zueinander ordneten.

Vier Musiker und ein gemeinsamer Klangraum
Banks spielt die zentralen Tasteninstrumente, darunter Klavier, Orgel, Mellotron und Synthesizer. Hackett steuert elektrische und zwölfsaitige Gitarren bei; Rutherford verbindet Bass, Basspedale und zwölfsaitige Gitarre. Collins spielt Schlagzeug und Perkussion und übernimmt den Gesang. Diese Mehrfachrollen helfen zu verstehen, wie eine vierköpfige Gruppe unterschiedliche Klangschichten aufbauen konnte. Die Besetzung lässt sich dabei nicht einfach aus späteren Konzertfotos ableiten. Bill Bruford gehörte zur anschließenden Livebesetzung, spielte aber nicht auf diesem Studioalbum.
„Entangled“ und „Ripples“ zeigen, weshalb die akustischen Gitarren für diesen Zusammenhang wichtig sind. Bei „Entangled“ treffen Hacketts Beitrag und Banks’ Weiterführung aufeinander; „Ripples“ verbindet Rutherfords Gitarrengedanken mit Banks’ ausgearbeitetem Mittelteil. Wer auf Übergänge achtet, kann verfolgen, wie ein zunächst überschaubares Motiv in eine größere Form hineinführt. Auf der anderen Seite stehen die rhythmisch markanten Bewegungen von „Dance On A Volcano“ und „Squonk“. Das Album entfaltet seine Vielfalt durch solche Wechsel der Gewichtung. Die Instrumente bleiben vertraut, übernehmen aber von Stück zu Stück andere Aufgaben.

Acht Geschichten mit wiederkehrenden Motiven
Der Erzählraum des Albums reicht von märchenhaften Gestalten bis zu einer kleinen kriminellen Handlung in „Robbery, Assault And Battery“. „Squonk“ greift ein sagenhaftes Wesen auf, das sich in Tränen auflösen kann. Der Titelsong hat eine längere Vorgeschichte: Banks hatte an ihm bereits in der Zeit von Foxtrot gearbeitet. „Mad Man Moon“ führt seine kompositorische Handschrift in einer anderen Form weiter. Diese unterschiedlichen Ursprünge machen A Trick Of The Tail zu einem Album mehrerer Autorenperspektiven. Es erzählt keine durchgängige Handlung wie der unmittelbare Vorgänger The Lamb Lies Down On Broadway.
Zusammenhang entsteht dennoch. Das abschließende „Los Endos“ nimmt Gedanken aus früheren Stücken wieder auf, unter anderem aus „Dance On A Volcano“ und „Squonk“. Dadurch lohnt sich ein zweiter Durchgang: Was zunächst als Schlussstück begegnet, lässt zuvor Gehörtes in einer anderen Ordnung wiederkehren. Auch die kurzen Gesangsbezüge am Ende verbinden die neue Formation mit ihrer Vorgeschichte. Das achtteilige Programm bietet so sowohl einzelne Songs als auch Beziehungen über die Albumseiten hinweg. Für die Doppel-LP bleibt die musikalische Reihenfolge erhalten; die Aufteilung auf vier Seiten verändert lediglich, an welchen Stellen man die Platte wenden muss.
Die Atlantic-75-Ausgabe mit 45 Umdrehungen
Analogue Productions veröffentlicht diese Fassung in der Atlantic 75 Series auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen pro Minute. Sie verwendet die ursprüngliche Abmischung und ist von der späteren Nick-Davis-Neuabmischung zu unterscheiden. Chris Bellmans Schnitt bei Bernie Grundman Mastering ist über die Auslaufrillen dokumentiert. Eine eindeutige, ausreichend belastbare Zuordnung des verwendeten Bandmaterials liegt für diese Ausgabe dagegen nicht vor. Deshalb wird hier keine weitergehende Behauptung zu Originalmaster oder vollständig analoger Signalkette daraus abgeleitet.
Zur Ausstattung gehört eine Stoughton-Gatefold-Hülle mit zwei Taschen und strukturiertem Karton. Die Ausgabe wird mit QRP in Verbindung geführt; bei späteren unnummerierten Exemplaren der Serie kommen auch RTI-Pressungen infrage. Eine bestimmte frühe Nummerierung wird damit nicht zugesichert. Die Produktnummer lautet AAPA 073-45. Musikalisch steht das vollständige achtteilige Album im Mittelpunkt: die erste Studioplatte nach Gabriels Abschied und zugleich eine Aufnahme, auf der Banks, Collins, Hackett und Rutherford ihre gemeinsame Sprache in einer neuen personellen Ordnung weiterentwickeln. Der Wechsel an der Gesangsposition wird so im Zusammenhang der ganzen Band hörbar.
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Auch als SACD: A Trick Of The Tail
Künstlerseite: Alle Titel von Genesis und Phil Collins
Kundenfragen: Atlantic 75: welche Titel lohnen sich? · Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Phil CollinsSchlagzeug, Perkussion, Leadgesang, BegleitgesangMitwirkung: Album-Besetzung
- Steve HackettE-Gitarre, zwölfsaitige Gitarre, Gitarrensynthesizer (EMS Synthi Hi-Fli)Mitwirkung: C2, D1
- Mike Rutherfordzwölfsaitige Gitarre, Bass, BasspedaleMitwirkung: C2, D1
- Tony BanksKlavier, Synthesizer, Orgel, Mellotron, zwölfsaitige Gitarre, BegleitgesangMitwirkung: A2, C2, D1, B2
Studiobesetzung ohne Bill Bruford. Albumcredits belegen nicht jedes Instrument auf jedem Titel.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Gegenüber seiner britischen Erstpressung hört Michael vor allem vollere, präsentere Mitten und dadurch ein geschlosseneres Klangbild. Die Verbesserung verortet er ausdrücklich nicht in den Höhen. Besonders die vierte Plattenseite mit A Trick of the Tail und Los Endos erreicht für ihn Vorführqualität.
🎧 Review video: Genesis, John Coltrane and Donny Hathaway
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