Was zwischen zwei Tönen bleibt
Hier muss niemand den Raum füllen. Eine Gitarrensaite wird angeschlagen, ein Ton gleitet weiter, dann darf er verklingen. Ry Cooder findet für „Paris, Texas“ eine Sprache, die gerade deshalb so viel erzählt, weil sie so wenig erklärt.
Wim Wenders’ Film von 1984 erzählt von Entfernung – zwischen Orten, aber auch zwischen Menschen. Cooders Musik braucht dafür kein großes Orchester. Die Slide-Gitarre kann wie eine Stimme wirken, die erst nach Worten sucht. Selbst ohne die Bilder entsteht eine eigene Landschaft aus Nähe, Unruhe und Stille.

Wenn aus Landschaft Erinnerung wird
Das Titelstück legt diese Welt mit wenigen Gesten frei. Später bekommt sie in „Canción Mixteca“, gesungen von Harry Dean Stanton, eine menschliche Stimme. Der Wechsel ist berührend: Was zuvor in den Gitarrenlinien angedeutet war, tritt nun als Lied hervor.
„I Knew These People“ verlangt eine andere Art von Aufmerksamkeit. Stantons gesprochene Erzählung gehört hier ebenso zum Album wie Cooders Instrument. Wer eine durchgehende Folge kurzer Gitarrenstücke erwartet, sollte das wissen: Dieser Soundtrack lässt auch die Sprache und die Erinnerung des Films hinein.

Ein Blues als Ausgangspunkt, kein Western-Dekor
Eine entscheidende Spur führt zu Blind Willie Johnsons „Dark Was the Night, Cold Was the Ground“. Wenders beschrieb dieses Stück als musikalischen Ausgangspunkt bei der Arbeit mit Cooder. Damit bekommt die scheinbar menschenleere Landschaft eine andere Bedeutung: Hinter dem Gitarrenton steht die Ausdruckswelt des Blues, nicht bloß die Vorstellung von staubigen Straßen und weitem Himmel. Das erklärt, warum die Musik auch ohne Bild nicht wie eine Sammlung hübscher Landschaftsskizzen wirkt. Sie trägt eine menschliche Erfahrung mit sich.
Der Film von 1984 verbindet Wim Wenders’ Regie, Sam Shepards Drehbuch und Robby Müllers Kamera mit Harry Dean Stanton und Nastassja Kinski vor der Kamera. Auch auf musikalischer Seite ist das Ergebnis nicht ausschließlich Cooders Solospiel: Die Filmcredits nennen neben ihm David Lindley und Jim Dickinson als ausführende Musiker. Die Zurückhaltung der Musik sollte deshalb nicht mit einem Mangel an Beteiligten oder Ideen verwechselt werden. Hier wird ausgewählt, nicht einfach weggelassen.
Auf der Platte stehen kurze instrumentale Bilder neben dem ausgedehnteren „I Knew These People“ und dem abschließenden „Dark Was the Night“. Der Wechsel zwischen Musik und gesprochener Erinnerung gehört zur Form dieses Soundtracks. Wer den Film kennt, hört darin die Verbindung zu seiner Erzählung; ohne diese Erinnerung bleiben Stimme und Gitarre zwei verschiedene Arten, Nähe herzustellen. Gerade diese Eigenwilligkeit unterscheidet das Album von einer gewöhnlichen Instrumentalplatte.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · Acoustic Sounds 40 Series · 2 LPs · 180-Gramm-Vinyl · 45 RPM. Mastering von einer EQ-Bandkopie: Matthew Lutthans, The Mastering Lab. Presswerk: Quality Record Pressings (QRP). Tip-on-Gatefold-Cover von Stoughton Printing.
Auch als SACD: Paris, Texas
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Ry CooderSlide-Gitarre








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