Eine Platte, die Türen aufmacht
Ein vertrautes Lied kann plötzlich eine andere Heimat finden. Auf „Chicken Skin Music“ passiert das immer wieder: Ein Akkordeon tritt hinzu, eine Gitarre antwortet, und aus einem bekannten Song wird eine Begegnung, mit der man nicht gerechnet hat.
Ry Cooders Album von 1976 lebt von dieser Neugier. Flaco Jiménez bringt die bewegliche Sprache des Tex-Mex-Akkordeons mit; Gabby Pahinui und Atta Isaacs öffnen den Blick nach Hawaii. Cooder stellt sich nicht vor diese Musiker. Seine Gitarre sucht das Gespräch mit ihnen – und gerade dadurch wird seine Handschrift so deutlich.

Bekannte Melodien, neue Nachbarschaften
„He’ll Have to Go“ zeigt, wie behutsam sich ein Song verwandeln lässt. Das Akkordeon und Pat Rizzos Altsaxofon geben der Melodie einen anderen Schwung, ohne ihr die Vertrautheit zu nehmen. Es geht hier nicht um das überraschendste Arrangement, sondern darum, was in einem Lied noch stecken kann.
Bei „Chloe“ lohnt sich der Blick auf das Zusammenspiel der Gitarren. „Stand by Me“ wiederum öffnet sich durch Akkordeon und gemeinsame Stimmen. Diese unterschiedlichen Klangfarben sind keine aufgeklebte Dekoration: Sie verändern, wie die Songs atmen und wie nah sie uns kommen.

Nicht eine Begleitband, sondern mehrere musikalische Welten
Auf „Yellow Roses“ und „Chloe“ treffen unterschiedliche Arten des Gitarrenspiels aufeinander: Gabby Pahinui spielt Steel Guitar, Atta Isaacs Gitarre; Cooder ergänzt bei diesen Stücken Tiple beziehungsweise Mandoline. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Die gleitende Steel-Stimme und die gezupften Saiten sind nicht einfach ein einziger „hawaiianischer Gitarrensound“. Die Besetzung macht aus den beiden Stücken kleine Ensembles mit eigener Grammatik. Red Callenders Kontrabass und Milt Hollands Schlagzeug geben ihnen ein anderes Fundament als den Tex-Mex-Nummern.
Hinter Pahinui steht zudem eine lebendige Gemeinschaft: Seine musikalischen Zusammenkünfte in Waimānalo brachten Musiker und Familien zusammen. Solche Traditionen begegnen uns hier nicht als Museumsstücke. Cooder arbeitet mit Menschen, für die diese Musik Alltag, Können und Überlieferung zugleich ist. Entsprechend wenig muss das Album seine Grenzüberschreitungen erklären. Es setzt auf die Überzeugungskraft des gemeinsamen Spiels.
Auch „Goodnight Irene“ wird nicht einfach mit derselben Studioband zum Schluss noch einmal durchgespielt. Mit Flaco Jiménez stehen dort unter anderem Henry Ojeda, Isaac Garcia, Hugo Gonzales und Frank Villarreal in den Credits. Gerade dieser Wechsel macht den Abschluss interessant: Der rote Faden liegt nicht in einer überall gleichen Besetzung, sondern in Cooders Art, vertraute Lieder für andere musikalische Nachbarschaften zu öffnen.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · Acoustic Sounds 40 Series · 2 LPs · 180-Gramm-Vinyl · 45 RPM. Vom Original-Masterband gemastert und bei Quality Record Pressings (QRP) gepresst. Tip-on-Gatefold-Cover von Stoughton Printing.
Auch als SACD: Chicken Skin Music
Mehr von Ry Cooder: Paradise And Lunch · Paris, Texas
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Ry CooderE-Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Gesang, Gitarre
- Flaco JiménezAkkordeon
- Gabby PahinuiGitarre










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