Der Groove bekommt mehr Gelenke
Bei „Dixie Chicken“ kommt die Bewegung nicht allein vom Schlagzeug. Das Klavier setzt eigene Akzente, die Gitarren schieben sich dazwischen, Bass und Perkussion geben dem Ganzen zusätzliche Beweglichkeit. Lowell Georges Gesang kann sich über diesem Geflecht zurücklehnen, ohne dass die Musik an Spannung verliert. Gerade dieser Unterschied zwischen gelassener Oberfläche und genauem Zusammenspiel macht Little Feat so interessant: Der Groove wirkt selbstverständlich, obwohl mehrere Dinge gleichzeitig passieren.
Das dritte Studioalbum erschien 1973 und markiert einen entscheidenden Besetzungswechsel. Zu George, Keyboarder Bill Payne und Schlagzeuger Richie Hayward kamen Gitarrist Paul Barrère und Percussionist Sam Clayton; Kenny Gradney übernahm den Bass von Roy Estrada. Aus dem Quartett wurde ein Sextett. Die zusätzlichen Stimmen vergrößerten nicht einfach die Lautstärke, sondern die Möglichkeiten, rhythmische Aufgaben aufzuteilen.

Lowell George übernimmt auch die Produktion
Anders als beim Vorgänger Sailin’ Shoes, den Ted Templeman produzierte, lag die Produktion von Dixie Chicken bei Lowell George selbst. Die Aufnahmen entstanden Ende 1972 in Los Angeles, unter anderem bei Clover Recorders, Warner Bros. und Sunset Sound. Die Band entwickelte ihren Charakter damit nicht nur durch neues Personal, sondern auch unter veränderter künstlerischer Verantwortung im Studio.
Das ist bei einem so körperlich wirkenden Album ein hilfreicher Hintergrund. Man hört nicht zwangsläufig eine Band, die einfach gleichzeitig losspielt. Arrangements entscheiden, wann die Slidegitarre trägt, wann das Klavier eine rhythmische Lücke besetzt und wie die Perkussion einen Abschnitt belebt. Der Einfluss von New-Orleans-R&B wird dabei nicht zum fremden Kostüm. Er erweitert eine eigene Sprache, in der Blues, Rock und Funk ineinandergreifen können.

Toussaint und Tackett öffnen weitere Türen
Nicht jeder Song stammt aus Lowell Georges Feder. „On Your Way Down“ schrieb Allen Toussaint; mit ihm führt eine direkte Verbindung zu einer zentralen Gestalt der New-Orleans-Musik ins Album. Fred Tackett steuerte „Fool Yourself“ bei, während „Walkin’ All Night“ von Paul Barrère und Bill Payne stammt. Das Titelstück schrieben George und Fred Martin gemeinsam. Schon diese Autorenliste widerspricht dem Bild einer Platte, die ausschließlich um einen einzigen Einfall gebaut ist.
Auch die Gäste tragen zu den unterschiedlichen Farben bei. Bonnie Raitt, Bonnie Bramlett und Danny Hutton gehören zu den beteiligten Stimmen; Malcolm Cecil ist mit Synthesizer und Milt Holland mit Tabla verzeichnet. Diese Namen sind kein Anlass, jedem Song nachträglich dieselbe Besetzung zuzuschreiben. Sie zeigen vielmehr, wie weit der verfügbare Werkzeugkasten reichte – und warum sich hinter dem geläufigen Etikett einer Rockband mehr verbirgt.
Die ruhigeren Stellen gehören unbedingt dazu
Zwischen dem Titelstück, „Two Trains“ und „Fat Man in the Bathtub“ sollte „Roll Um Easy“ nicht untergehen. Die zurückgenommene Darstellung verändert die Perspektive, bevor die Band wieder dichter zusammenrückt. Auch „Juliette“ und das abschließende Instrumental „Lafayette Railroad“, geschrieben von George und Payne, erweitern den Bogen. Dixie Chicken lebt nicht von einer durchgehend gleichen Energie, sondern davon, wann sie gebündelt und wann sie wieder freigegeben wird.
Auf der angebotenen Doppel-LP verteilen sich die zehn Originalstücke über vier 45-RPM-Seiten. „On Your Way Down“ und „Kiss It Off“ bilden gemeinsam eine Seite; „Juliette“ und „Lafayette Railroad“ beschließen die zweite Platte. Bonusmaterial späterer Deluxe-Ausgaben gehört nicht dazu. Fürs Wiederhören lohnt ein einfacher Perspektivwechsel: einmal Georges Stimme verfolgen, beim nächsten Durchlauf Gradneys Bass oder Claytons Perkussion. So öffnen sich in denselben Songs andere Wege – und aus vertrauten Favoriten wird wieder Musik, in der es etwas zu entdecken gibt.
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Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Lowell George | Gesang, Gitarre, Flöte |
| Paul Barrere | Begleitgesang, Leadgesang, Gitarre |
| Bill Payne | Begleitgesang, Leadgesang, Synthesizer, Tasteninstrumente |
| Kenny Gradney | Bass |
| Richie Hayward | Begleitgesang, Schlagzeug |
| Sam Clayton | Congas |







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