Viele Hände, eine Handschrift
Stephen Stills’ erstes Soloalbum von 1970 ist ein guter Ort, um den Musiker hinter den großen Gruppennamen kennenzulernen. Nach Buffalo Springfield und den ersten Erfolgen mit Crosby, Stills & Nash beziehungsweise CSNY steht nun sein eigener Name auf dem Cover. Alle zehn Stücke stammen von ihm. Auch als Instrumentalist reicht seine Rolle weit über die Gitarre hinaus: Bass, Tasteninstrumente und Perkussion gehören zu seinen Beiträgen. Die wechselnden Besetzungen um ihn herum machen diese Vielseitigkeit erst richtig sichtbar.
„Love the One You’re With“ öffnet die Platte mit einem eingängigen Refrain und einer zusätzlichen Farbe, die leicht überhört wird: Stills spielt Steel Drums. In seiner späteren Erinnerung führte er die Titelidee auf eine Redewendung von Billy Preston zurück. Der Gedanke wurde zum Song; das Arrangement macht daraus eine gemeinschaftliche Bewegung, in der Rhythmus und mehrere Stimmen ineinandergreifen.

Zwei Gäste, zwei verschiedene Begegnungen
Jimi Hendrix ist auf „Old Times Good Times“ zu hören, Eric Clapton auf „Go Back Home“. Diese Zuordnung ist interessanter als die bloße Feststellung, dass beide auf derselben LP mitspielen. Es sind verschiedene Stücke, verschiedene musikalische Situationen. Stills hält als Autor und Mitspieler den Zusammenhang, während jeder Gast eine eigene Energie hineinbringt. Eine gemeinsame Hendrix-Clapton-Session erzählt dieses Album nicht.
Hendrix’ Beitrag steht neben Stills’ Orgelspiel; auf „Go Back Home“ bekommt Claptons Gitarre Raum innerhalb eines ausgedehnteren Songs. Gerade der Wechsel zwischen den Stücken lohnt sich: Aus dem Namen auf der Besetzungsliste wird ein konkreter musikalischer Eingriff. Das Album erschien nach Hendrix’ Tod und ist ihm gewidmet. Dadurch trägt die Begegnung auch einen biografischen Nachhall, ohne dass man aus ihr eine Abschiedssession machen müsste.

Was zwischen den großen Namen liegt
„Black Queen“ konzentriert die Aufmerksamkeit auf Stills’ akustisches Gitarrenspiel und seinen Gesang. Zwischen den größeren Arrangements wirkt dieser Blues wie eine Nahaufnahme. „Do for the Others“ zeigt eine andere Seite seines Songwritings, während „Church (Part of Someone)“ und „We Are Not Helpless“ mit der Wirkung mehrerer Stimmen arbeiten. Die Unterschiede sind Teil der Dramaturgie: Der Solokünstler muss sich nicht auf eine einzige Bandfarbe festlegen.
Auch die übrigen Credits erzählen von einem weit verzweigten musikalischen Umfeld. David Crosby und Graham Nash gehören zu den Begleitstimmen, ebenso etwa Rita Coolidge. Ringo Starr spielt auf „To a Flame“ und „We Are Not Helpless“ Schlagzeug; auf der Hülle erscheint er als „Richie“. Produziert haben Stills und Bill Halverson. Die Platte verbindet somit die Nähe zum bisherigen Kreis mit dem Spielraum eines eigenen Albums. Wenn du sie am Stück hörst, lohnt sich die Frage, welche Aufgaben Stills jeweils selbst übernimmt und welche er seinen Gästen überlässt.
Diese Ausgabe
AAPA 074-45 ist die Analogue-Productions-Doppel-LP der Atlantic 75 Series: zwei 180-Gramm-Platten, 45 U/min. Acoustic Sounds nennt Bernie Grundman für das Mastering vom originalen analogen Masterband. Zur Ausstattung gehören ein Tip-On-Klappcover von Stoughton Printing; der Herausgeber führt Quality Record Pressings als Presswerk dieser Ausgabe.
Auch als SACD: Stephen Stills
Künstlerseite: Die ganze Familie Crosby, Stills, Nash & Young
Kundenfragen: Atlantic 75: welche Titel lohnen sich? · Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Stephen Stills | Perkussion, Steelpan, Gesang, Gitarre, Klavier, Orgel, Horn, Bass |
| Jimi Hendrix | E-Gitarre |
| Eric Clapton | E-Gitarre |
| Booker T. Jones | Begleitgesang, Orgel |
| Calvin "Fuzzy" Samuel | Bass |
| Conrad Isidore | Schlagzeug |
| John Barbata | Schlagzeug |
| Ringo Starr | Schlagzeug |
| Dallas Taylor | Schlagzeug |
| Jeff Whittaker | Congas |
| Sidney George | Altsaxofon, Flöte |
| Rita Coolidge | Begleitgesang |
| David Crosby | Begleitgesang |
| Priscilla Jones | Begleitgesang |
| John Sebastian | Begleitgesang |
| Cass Elliot | Begleitgesang |
| Claudia Lennear | Begleitgesang |
| Graham Nash | Begleitgesang |
| Judith Powell | Begleitgesang |
| Larry Steele | Begleitgesang |
| Liza Strike | Begleitgesang |
| Tony Wilson | Begleitgesang |
| Sherlie Matthews | Begleitgesang |








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