Flöte, Altsaxofon und zwei Bässe
The Cry! entstand am 21. November 1962 bei Contemporary in Los Angeles. Prince Lasha spielt Flöte, Sonny Simmons Altsaxofon, Gary Peacock und Mark Proctor Kontrabass, Gene Stone Schlagzeug. Schon diese Besetzung unterscheidet das Album von vielen Jazzaufnahmen jener Zeit: Ein Klavier fehlt, zwei Bässe teilen sich auf mehreren Stücken den unteren Bereich, und die beiden Bläser bringen deutlich verschiedene Instrumente zusammen. Das 1963 veröffentlichte Debüt für Contemporary besteht ausschließlich aus Kompositionen von Lasha und Simmons. Acht Stücke bilden eine gemeinsame musikalische Vorstellung ab.
Lester Koenig produzierte die Session, Howard Holzer betreute den Ton. Die Fotografien auf der Hülle entstanden während der Aufnahme und geben dem Album einen direkten Bezug zu diesem einen Studiotag. Lasha und Simmons waren jedoch schon länger miteinander verbunden. Sie hatten sich in Kalifornien kennengelernt und vor der Aufnahme gemeinsam gearbeitet. The Cry! hält daher keine erste zufällige Begegnung fest. Es bringt eine bereits entwickelte Zusammenarbeit in ein Aufnahmestudio, das dieser ungewöhnlichen Besetzung und dem ausschließlich eigenen Material Raum gab.

Zwei musikalische Lebenswege
Prince Lasha stammte aus Fort Worth und kannte Ornette Coleman seit seiner Jugend. Gemeinsam hatten sie Musik gelernt und über Jahre miteinander gespielt. Diese Verbindung ist für seine Entwicklung wichtig, erklärt aber nicht allein, was Lasha und Simmons auf The Cry! machen. Simmons kam als Kind nach Oakland und entwickelte dort seine eigene musikalische Laufbahn. Die beiden verband das Interesse, ihren Stücken eine Richtung zu geben, die von der Melodie und vom gemeinsamen Ausdruck ausgehen konnte. Ihre Musik entstand aus persönlichen Erfahrungen und langjähriger Arbeit an den Instrumenten.
Die Besetzung ohne Klavier lenkt den Blick besonders auf das Verhältnis der einzelnen Linien. Lasha wird hier an der Flöte geführt, Simmons am Altsaxofon. Peacock spielt auf allen acht Titeln Bass; Proctor kommt auf fünf Stücken hinzu. „Bojangles“, „Lost Generation“ und „A.Y.“ werden mit Peacock als einzigem Bassisten gespielt. Die ursprünglichen Begleitangaben ordnen Peacock dem linken und Proctor dem rechten Kanal zu. Diese konkrete Information bietet beim Hören einen Zugang zur Anordnung des Ensembles und macht aus dem allgemeinen Hinweis „zwei Bässe“ eine nachvollziehbare Besonderheit einzelner Stücke.

Persönliche Bilder hinter den Titeln
„Bojangles“ erinnert an den Tänzer Bill Robinson. Simmons erklärte dazu, er habe sich dessen Tanz vorgestellt. „Juanita“ ist Lashas Mutter gewidmet, während „Ghost Of The Past“ an bereits verstorbene Musiker wie Charlie Parker, Chu Berry und Clifford Brown erinnert. Solche Bezüge geben den Kompositionen persönliche Konturen. Die Titel sind keine beliebigen Etiketten für improvisierte Musik, sondern Hinweise auf Bilder und Erinnerungen, die Lasha und Simmons mit ihrer Arbeit verbanden. Sie machen den Zugang auch dann möglich, wenn die musikalische Sprache zunächst ungewohnt erscheint.
„Congo Call“ eröffnet das Album; „Green And Gold“ und „Red’s Mood“ gehören zu den weiteren Stationen. „A.Y.“ steht für „Affectionately Yours“ und beschließt die zweite Seite. In seinen Begleittexten stellte Koenig den titelgebenden „Cry“ in einen größeren Zusammenhang menschlichen Ausdrucks, von Stimmen bis zu Instrumenten. Für die Platte selbst bleiben die acht gemeinsam geschriebenen Stücke der konkrete Bezugspunkt. Sie führen durch unterschiedliche Widmungen, Vorstellungen und Besetzungsdichten, während die Zusammenarbeit von Lasha und Simmons den roten Faden bildet.
Die neue Contemporary-LP
Die Contemporary Records Acoustic Sounds Series von Craft Recordings führt diese Ausgabe als CR00712, beim Vertrieb ACONC 712. Es handelt sich um eine 180-Gramm-Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Bernie Grundman verantwortet Mastering und Schnitt. Craft nennt eine rein analoge Bearbeitung aus den originalen Masterbändern; diese Beschreibung ist die Produktionsangabe des Herausgebers. Die Pressung wird bei Quality Record Pressings gefertigt. Das Albumprogramm bleibt mit vier Titeln pro Seite vollständig erhalten.
Die 2024 erschienene Ausgabe wird in einer Tip-on-Hülle präsentiert, mit Stoughton Printing als genannter Druckerei. Sie enthält die acht Originalkompositionen ohne zusätzliches Material. Für das Verständnis der Aufnahme bleiben die besonderen Credits wesentlich: Howard Holzer am Ton, Lasha an der Flöte, Simmons am Altsaxofon und Proctor nur auf einem Teil der Titel. Die Neuauflage macht damit ein genau umrissenes Album zugänglich, in dem eine ungewöhnliche Instrumentierung und eine langjährige Zusammenarbeit an einem Novembertag 1962 zusammenfanden.
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Mehr aus der Reihe: Verve (Acoustic Sounds Series)
Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Prince Lasha | Flöte, Bandleader | Album-Besetzung |
| Sonny Simmons | Altsaxofon | Album-Besetzung |
| Gary Peacock | Kontrabass (linker Kanal) | Album-Besetzung |
| Mark Proctor | Kontrabass (rechter Kanal) | A1, A3, A4, B1, B2 |
| Gene Stone | Schlagzeug | Album-Besetzung |
Proctor fehlt auf A2, B3 und B4; dort Peacock als einziger Bassist. Lasha auf diesem Album mit belegtem Flötencredit.
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