Erst eine Geige, dann ein Gespräch zu zweit
Diese Kopplung verändert ihren Maßstab unterwegs. Im Violinkonzert von Glasunow steht Jascha Heifetz als Solist im Mittelpunkt. In Mozarts Sinfonia concertante tritt William Primrose mit der Bratsche hinzu. Damit wird aus der Aufmerksamkeit für eine einzelne Linie ein Gespräch zwischen zwei verwandten, aber keineswegs identischen Instrumenten. Es lohnt sich, diesen Wechsel nicht nur als Besetzungsdetail zu betrachten. Er verändert die ganze Art des Zuhörens.
Auch am Pult gibt es einen Wechsel: Walter Hendl dirigiert das Glasunow-Konzert, Izler Solomon den Mozart. Vier Namen auf einem Cover können zunächst unübersichtlich wirken. Sobald man ihre Aufgaben zuordnet, wird daraus eine klar lesbare Programmidee: zwei unterschiedliche Werke, verbunden durch Heifetz und den Klang der tiefen und hohen Solostreicher.

Glasunow und die Verbindung zu Leopold Auer
Glasunows a-Moll-Konzert op. 82 entstand 1904 und ist Leopold Auer gewidmet. Heifetz studierte bei Auer in Sankt Petersburg. Damit besteht eine konkrete pädagogische Verbindung zwischen dem Werk und seinem Interpreten, die über eine allgemeine Vorstellung russischer Geigentradition hinausgeht. Es ist das Konzert für den Lehrer, gespielt von einem seiner berühmtesten Schüler.
Die Form hilft, diese Musik als zusammenhängenden Gedanken zu hören. Der langsame Abschnitt wird in den Verlauf eingebettet; die Teile sind nicht durch die üblichen Konzertpausen getrennt. Auch die große Kadenz ist kein fremder Zusatz, sondern stammt von Glasunow selbst. Virtuosität und Form greifen dadurch ineinander. Entscheidend ist nicht nur, einzelne Schwierigkeiten zu meistern, sondern den Verlauf über sie hinweg verständlich zu halten.

Die Bratsche ist kein dunkleres Echo
Mozarts 1779 entstandene Sinfonia concertante KV 364 gibt Violine und Viola eigenständige Aufgaben. Primroses Instrument steht nicht bloß unter der Geige, um ihren Klang zu verdoppeln. Die Stimmen übernehmen, antworten und verändern ihre Beziehung zum Orchester. Besonders im langsamen Satz lohnt es sich, genau auf die Übergabe einer Phrase zu achten: Bleibt der Gedanke derselbe, wenn ihn die andere Stimme fortsetzt?
Ein faszinierendes Detail steht in Mozarts Partitur: Für die Solobratsche ist eine um einen Halbton erhöhte Stimmung vorgesehen. Das ist eine kompositorische Anweisung, keine hier nachgewiesene Aussage darüber, welche Stimmung Primrose in der Session verwendete. Der Gedanke dahinter macht dennoch deutlich, wie wichtig Mozart die Präsenz und Farbe der Viola waren. Sie soll neben der Violine bestehen, nicht hinter ihr verschwinden.
Primrose bringt eine eigene Geschichte mit
William Primrose begann selbst als Geiger und machte die Bratsche später zu seinem Instrument. Diese Herkunft ist für die Begegnung mit Heifetz interessant, ohne dass man daraus ein pauschales Klangurteil ableiten muss. Hier treffen zwei Solisten aufeinander, die das Streicherspiel aus einer gemeinsamen handwerklichen Welt kennen und doch unterschiedliche Register vertreten.
Auf der 45-RPM-Ausgabe gehört die erste LP Glasunow, die zweite Mozart. Nach dem durchgehenden Konzertbogen öffnet sich damit ein anderer Raum: weniger die Frage, wie eine Solostimme alles zusammenhält, als die Frage, was zwischen zwei Stimmen entstehen kann. Gerade diese Veränderung macht die Platte zu mehr als einer praktischen Zusammenstellung zweier Werke.
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Beteiligte Musiker
Genannte Solisten, Dirigenten und Ensembles. Einzelne Orchestermitglieder sind in den Albumcredits nicht vollständig namentlich ausgewiesen.
- Jascha HeifetzVioline
- Walter HendlDirigent (Glasunow)
- Izler SolomonDirigent (Mozart)
- William PrimroseViola (Mozart)
- RCA Victor Symphony OrchestraOrchester











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