Zwei Wege, eine Solostimme zu hören
Diese Kopplung führt nicht über die üblichen großen Violinkonzerte ins Heifetz-Regal. Miklós Rózsas Violinkonzert und Arthur Benjamins „Romantic Fantasy“ öffnen einen anderen Zugang: zum Verhältnis von Virtuosität und Gesang, von einer hervortretenden Stimme und den Farben um sie herum. Schon die Besetzungen unterscheiden sich. Dem Violinkonzert steht bei Benjamin ein Werk für Violine, Bratsche und Orchester gegenüber.
Das verändert die Aufmerksamkeit. Im Konzert lässt sich verfolgen, wie eine einzelne Solostimme den Raum behauptet. In der Fantasie wird das Gespräch zweier verwandter, aber nicht identischer Instrumente zur eigentlichen Einladung. Die Bratsche ist dabei nicht einfach eine tiefer gestimmte Ergänzung. Sie gibt dem Austausch eine andere Lage, ein anderes Gewicht – und damit eine weitere Möglichkeit, dieselbe musikalische Bewegung zu empfinden.

Rózsa und der konkrete Musiker
Rózsas Violinkonzert op. 24 stammt aus dem Jahr 1953 und ist eng mit Jascha Heifetz verbunden. Heifetz brachte es am 15. Januar 1956 mit dem Dallas Symphony Orchestra unter Walter Hendl zur Uraufführung. Hier begegnet also nicht nur ein berühmter Interpret einem interessanten Werk: Der Solist gehört zu dessen Entstehungs- und Aufführungsgeschichte.
Wer Rózsa vor allem mit „Ben-Hur“ oder „Spellbound“ verbindet, kann auf dieser Platte seine Konzertmusik kennenlernen, ohne sie als Filmmusik ohne Bilder zu behandeln. Eine lange Linie muss hier ihre eigene Richtung entwickeln. Spannung entsteht aus dem Verhältnis musikalischer Gedanken, nicht aus einem Schnitt auf der Leinwand. Das ist ein schöner Anlass, den Komponisten außerhalb der vertrauten Zuordnung zu hören.

Eine Empfehlung, die bis in die Partitur führt
Eine wichtige Vermittlerrolle bei Rózsas Violinkonzert spielte Emmanuel Bay, Heifetz’ Klavierpartner. Er brachte das Werk zu Heifetz; dessen Interesse ermutigte Rózsa zur Fertigstellung. Die Verbindung zwischen Komponist und Solist beginnt damit nicht erst bei der späteren Aufnahme. Hinter dem Namen auf dem Cover steht eine konkrete Beziehung zur Entstehung des Konzerts.
Auch der Beginn ist genauer gebaut, als die Vorstellung eines virtuosen Solostücks vermuten lässt. Ein Klarinetten-Ostinato eröffnet den ersten Satz; der Einsatz der Violine nimmt auf dessen Material Bezug. Früh antworten Bratschen und Klarinette auf Gedanken der Solostimme. Virtuosität und thematische Arbeit sind dadurch keine getrennten Ebenen. Das Orchester wartet nicht einfach auf die nächste Gelegenheit zur Begleitung, sondern ist an der Entwicklung beteiligt.
Arthur Benjamins „Romantic Fantasy“ stammt von 1935 und stellt Violine und Viola gemeinsam vor das Orchester. In der vorgesehenen Besetzung steht auch ein Klavier; demgegenüber fehlen Posaunen und Tuba. Diese Auswahl ist ein konkreter Hinweis darauf, wie sorgfältig sich das Verhältnis zwischen Solostimmen und Orchester gestalten lässt. Die Kopplung bietet also nicht zweimal dieselbe Art von Violinglanz, sondern zwei unterschiedliche Aufgaben für Streicher im Konzertsaal.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · RCA Living Stereo · AAPC 2767-45 · 2 LPs · je 180 g Vinyl · 45 RPM. Bernie Grundman übernahm das Remastering und den Schnitt vom Original-Masterband. Gepresst bei Quality Record Pressings (QRP). Mit zweiteiligem Einleger.
Auch als SACD: Rozsa: Concerto For Violin And Orchestra / Benjamin: Romantic Fantasy
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: RCA Living Stereo – alle 25 Titel, Dirigenten und Solisten
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Walter Hendl und das Dallas Symphony Orchestra sind der Rózsa-Aufnahme zugeordnet. Die vollständige Besetzung der Benjamin-Kopplung bleibt offen.
- Jascha HeifetzVioline
- Walter HendlDirigat
- Dallas Symphony OrchestraOrchester








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