Prokofiev: Lieutenant Kijé / Stravinsky: Song of the Nightingale
Ein Offizier, den es nie gegeben hat. Ein Vogel, dessen Gesang sich nicht durch ein Uhrwerk ersetzen lässt. Hinter dieser Living-Stereo-Kopplung stehen zwei Geschichten über Täuschung – und zwei Komponisten, die daraus sehr unterschiedliche Orchesterwelten entwickeln. Fritz Reiner und das Chicago Symphony Orchestra verbinden Prokofievs Lieutenant Kijé mit Stravinskys Song of the Nightingale. Wer bei dieser Platte zuerst an große Dynamik denkt, findet einen ebenso guten Grund, sich auf ihre kleinen Charaktere einzulassen.

Eine erfundene Biografie und zwei Arten von Gesang
Der Witz von „Lieutenant Kijé“ liegt nicht allein in der Ausgangslage. Die fünf Sätze müssen dem Mann auch die Stationen eines glaubwürdigen Lebens geben: Geburt, Romanze, Hochzeit, Troika und Begräbnis. Die Musik erfindet Gefühle für eine Person, die nur auf dem Papier existiert. Das Tenorsaxophon gehört dabei zu den ungewöhnlichen Farben der Suite. Wer nur die bekannte Schlittenfahrt erwartet, verpasst die leise Absurdität der übrigen Lebensgeschichte.
Anders gelagert ist Stravinskys Gegensatz zwischen dem lebenden und dem künstlichen Vogel. „Song of the Nightingale“ stammt aus einer Oper; auf dieser Platte fehlen jedoch die Sänger. Das Orchester muss selbst vermitteln, was lebendig, was mechanisch und was höfisches Schauspiel ist. Zum Instrumentarium gehören auch Klavier, Celesta und zwei Harfen. Diese Kombination ermöglicht nicht nur große Tuttis, sondern kurze, scharf umrissene Klangereignisse.
Darin liegt der gemeinsame Nenner der beiden Werke: Klangfarbe übernimmt eine erzählerische Aufgabe. Eine Melodie ist nicht von ihrer Besetzung zu trennen. Bei Reiners Kopplung lohnt deshalb gerade der Wechsel zwischen beiden Partituren – von Prokofievs grotesker Militärwelt zu Stravinskys Märchen, in dem eine Maschine zwar singen, aber das Lebendige nicht ersetzen kann.

Stravinskys Vogel hat eine Vorgeschichte
Song of the Nightingale ist hier ein Orchesterwerk, keine Opernaufnahme. Stravinsky gewann die 1917 abgeschlossene Tondichtung aus den späteren Akten seiner Oper Le Rossignol. Die zugrunde liegende Andersen-Geschichte stellt einen lebenden Vogel einem mechanischen gegenüber. Hören lässt sich diese Gegenüberstellung als Spiel mit beweglichen Linien, scharf umrissenen Figuren und wechselnden Instrumentalfarben.
Das Stück führte auch ein Bühnenleben: Die Balanchine Foundation dokumentiert eine Ballettfassung von 1925 mit Ausstattung von Henri Matisse. Diese Verbindung macht die Kopplung besonders reizvoll: Musik, die ursprünglich zu bewegten Bildern oder einer Handlung gehörte, funktioniert hier ganz ohne sichtbare Bühne. Den Szenenwechsel übernimmt das Orchester.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · RCA Living Stereo · AAPC 2150-45
Zwei LPs mit 45 RPM, jeweils 180 Gramm, gepresst bei Quality Record Pressings (QRP). Als Quelle nennt Acoustic Sounds die originalen Dreispurbänder.
Prokofiev liegt auf der ersten LP; Stravinskys Song of the Nightingale verteilt sich auf beide Seiten der zweiten. Damit ist auch vor dem Auflegen klar, wo der Seitenwechsel dieses Orchesterstück unterbricht.
Auch als SACD: Prokofiev: Lieutenant Kije / Stravinsky: Song of the Nightingale
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Künstlerseite: Alle Titel von Fritz Reiner
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Serie: RCA Living Stereo – alle 25 Titel, Dirigenten und Solisten
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Fritz ReinerDirigat
- Chicago Symphony OrchestraOrchester








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