Ein Titel, der die Türen zur Musik öffnet
Vier, fünf und sechs Musiker: Jackie McLean macht aus dieser schlichten Zahlenfolge ein kleines Programm. 4, 5, and 6 zeigt den Altsaxofonisten im Sommer 1956 in drei unterschiedlich großen Besetzungen. Es geht dabei um mehr als das Hinzufügen einer weiteren Stimme. Im Quartett steht sein Alt allein vor dem Klaviertrio; mit Donald Byrds Trompete entsteht ein Gespräch zweier Bläser, und in Confirmation erweitert Hank Mobleys Tenorsaxofon die Front auf drei Persönlichkeiten. Die gemeinsame Rhythmusgruppe hält diese Perspektivwechsel zusammen. So besitzt die Platte eine klare innere Idee, obwohl ihre sechs Stücke keineswegs dasselbe Rezept wiederholen.
McLean war damals Mitte zwanzig und gehörte zu einer Generation, für die Charlie Parkers Musik zugleich Ausgangspunkt und tägliche Herausforderung war. Die bewegliche Bebop-Linie bleibt eine Grundlage seines Spiels. Doch McLeans markanter, gespannt wirkender Altton lässt sich schon in diesem frühen Abschnitt seiner Laufbahn nicht mit einem allgemeinen Stilbegriff einfangen. Die Melodie erhält bei ihm eine persönliche Kante. Gerade Standards, deren Verlauf vielen Hörern vertraut ist, machen diese Eigenart greifbar: Man kennt den Weg und kann deshalb umso aufmerksamer wahrnehmen, wie ein Musiker ihn beschreitet.
Die Aufnahmen entstanden bei Rudy Van Gelder in Hackensack, noch vor dessen Umzug in das spätere Studio in Englewood Cliffs. Für Prestige betreute Bob Weinstock die Produktion. Solche Namen gehören zur Geschichte der Platte, aber sie erklären ihre musikalische Anziehungskraft nicht allein. Entscheidend ist, dass McLean hier unterschiedliche Grade von Nähe ausprobiert: die unmittelbare Begegnung mit seiner Rhythmusgruppe, den Dialog mit einer Trompete und den größeren Bläsersatz. Das Album eignet sich deshalb besonders, um einen jungen Bandleader nicht nur als Solisten, sondern auch über die Wahl seiner Partner kennenzulernen.

Mal Waldron und die gemeinsame Sprache der Rhythmusgruppe
Mal Waldron am Klavier, Doug Watkins am Kontrabass und Art Taylor am Schlagzeug bilden auf allen sechs Titeln das Fundament. Ihre durchgehende Anwesenheit ist für das Konzept wesentlich. Die Besetzungsgröße wechselt, die musikalische Umgebung bleibt vertraut. Wer zwischen den Quartett- und den größeren Stücken vergleicht, hört also nicht jedes Mal eine vollständig neue Band. Vielmehr lässt sich verfolgen, wie dieselben drei Begleiter ihre Aufgaben anpassen, wenn eine zusätzliche Bläserstimme Platz beansprucht oder McLean allein vor ihnen steht.
Waldron verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Seine Rolle beschränkt sich weder auf das Ausfüllen harmonischer Zwischenräume noch auf ein Klaviersolo zwischen zwei Bläserchorussen. Akkorde können eine Linie stützen, ihre Richtung unterstreichen oder ihr durch eine ausgesparte Antwort mehr Raum geben. Bei einem so unverwechselbaren Altton wie dem McLeans ist dieses Verhältnis besonders reizvoll. Als Hörer kann man den Blick einmal bewusst vom Saxofon lösen und darauf achten, wo das Klavier eingreift und wie sich dadurch die Spannung eines Satzes verändert. Die begleitende Stimme wird dann zu einem aktiven Teil der Erzählung.
Watkins und Taylor geben diesem Austausch seine Beweglichkeit. Der Bass verbindet harmonische Orientierung mit einem stetigen Vorwärtsdrang; das Schlagzeug gliedert die Bewegung, ohne dazu einen weiteren Melodieträger zu benötigen. In einem Quartett wird die Zusammenarbeit dieser drei Musiker unmittelbar sichtbar. Sobald Byrd oder Mobley hinzukommen, müssen ihre Impulse mehr Stimmen tragen. 4, 5, and 6 bietet damit auch ein kleines Porträt jener Ensemblekultur, in der eine Rhythmusgruppe ihre Identität bewahrt und zugleich auf wechselnde Vordergründe reagiert. Die Namen am unteren Ende einer Besetzungsliste sind hier für die Dramaturgie ebenso wichtig wie die des Leaders.

Standards, Parker und ein Sextett als Mittelpunkt
Sentimental Journey eröffnet das Album mit einem bekannten Lied, das in dieser Umgebung zum Material für Improvisation wird. Why Was I Born? führt anschließend in das Songbook von Jerome Kern und Oscar Hammerstein II. Beide Titel lassen McLean im Quartett viel Raum. Wer das Thema gedanklich festhält, kann die Veränderungen in Phrasenlänge, Akzent und melodischer Entfernung verfolgen. Es ist ein guter Zugang zu dieser Musik: Die vertraute Komposition dient als Orientierung, während die individuelle Sprache des Solisten immer deutlicher hervortritt.
Mit Kenny Drews Contour kommt Donald Byrd hinzu. Die Trompete verändert die Proportionen, ohne aus der Gruppe schon ein großes Ensemble zu machen. Zwei unterschiedliche Klangansätze können sich nun gegenüberstehen und im gemeinsamen Thema zusammenfinden. Auf der zweiten LP-Seite erhält diese Entwicklung mit Charlie Parkers Confirmation ihre größte Besetzung. Hier spielt zusätzlich Hank Mobley Tenorsaxofon. McLeans Alt, Byrds Trompete und Mobleys Tenor schaffen drei klar unterscheidbare Register und Persönlichkeiten. Das längste Stück der Platte wird dadurch auch zum Mittelpunkt ihrer Besetzungsidee.
Mobley ist allerdings ausschließlich auf Confirmation zu hören. Die Zahl sechs beschreibt keine feste Band für das gesamte Album. Ebenso ist Byrd nicht an den drei Quartettstücken beteiligt: Seine Titel sind Contour, Confirmation und Abstraction. Diese Wechsel erklären, weshalb die Platte trotz ihrer gemeinsamen Rhythmusgruppe immer wieder anders atmet. Nach dem Sextett führt When I Fall in Love zurück zum Quartett. Der Gegensatz zu Parkers beweglicher Komposition schärft den Blick für McLeans Umgang mit einer gesanglichen Melodie.
Den Abschluss bildet Mal Waldrons Abstraction mit Byrd im Quintett. So kehrt die Platte nicht einfach zur Ausgangsbesetzung zurück, sondern endet in der mittleren ihrer drei Konstellationen. Für Sammler früher Prestige-Aufnahmen liegt darin ein besonderer Reiz. Man erhält kein zufälliges Treffen prominenter Namen, sondern ein Album, dessen Aufbau den Vergleich geradezu einlädt. Wer McLeans spätere Arbeiten kennt, kann hier nach den bereits vorhandenen Eigenheiten suchen; wer ihn neu entdeckt, findet vertraute Songs, einen Parker-Klassiker und überschaubare Besetzungen als Zugang zu einer ausgesprochen eigenen Stimme.
Die Mono-LP von Analogue Productions
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer APRJ 7048 und gehört zur Prestige-Mono-Reihe von Analogue Productions. Das Album steht auf einer einzelnen LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray verantwortet den Schnitt von den analogen Mastern; Quality Record Pressings fertigt die aktuell mit 180 Gramm ausgewiesene Pressung. Die hochglänzende Tip-on-Hülle bewahrt die klassische Form der Präsentation. Für die historische Einordnung bleibt Rudy Van Gelder der Aufnahmetechniker der beiden Sessions vom 13. und 20. Juli 1956, während Grays Arbeit zur späteren Wiederveröffentlichung gehört.
Die sechs Titel folgen der dokumentierten LP-Reihenfolge: Contour schließt die erste Seite, Confirmation eröffnet die zweite. Damit bleibt der Wechsel der Besetzungen auch in der ursprünglichen Seitenarchitektur nachvollziehbar. Die 33er-Ausgabe gibt beiden Albumhälften jeweils drei vollständige Stücke. Gerade das ausgedehnte Sextettspiel auf Confirmation kann sich ohne Unterbrechung entfalten, bevor das Quartett und zum Schluss das Quintett wieder andere Proportionen herstellen. Ein einzelner Seitenwechsel gehört zum Ablauf, nicht eine zusätzliche Aufteilung des Programms auf mehrere Platten.
Frühere Analogue-Productions-Auflagen wurden mit 200 Gramm und teilweise früher Nummerierung angeboten. Diese historischen Merkmale sind keine pauschale Zusage für die heutige 180-Gramm-Ausgabe. Der Wert dieser LP liegt in der klar bezeichneten Mono-Fassung, der dokumentierten analogen Bearbeitung und einer Albumfolge, die McLeans Besetzungsidee vollständig erhält. Für eine Prestige-Sammlung ist das eine besonders anschauliche Begegnung mit McLean, Waldron und ihren Partnern im Sommer 1956. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch als SACD: 4, 5, and 6
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jackie McLeanAltsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Doug WatkinsKontrabassMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Art TaylorSchlagzeugMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Mal WaldronKlavierMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Hank MobleyTenorsaxofonMitwirkung: B1
- Donald ByrdTrompeteMitwirkung: A3, B1, B3
Quartett: A1, A2, B2. Donald Byrd: A3, B1, B3. Hank Mobley: ausschließlich B1. Aufgenommen am 13. Juli 1956 (Seite A) und 20. Juli 1956 (Seite B), Hackensack.













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