Zwei Posaunen eröffnen ein neues Kapitel
Auf dem Plattenrücken steht eine kleine Zahl mit großer Geschichte: The Great Kai & J.J. trägt die Katalognummer eins von Impulse! Als das Album 1961 erscheint, beginnt damit die Veröffentlichungsfolge eines Labels, das bald eng mit John Coltrane verbunden sein wird. Am Anfang stehen jedoch J.J. Johnson und Kai Winding, zwei Posaunisten mit einer bereits bewährten Partnerschaft.
Produzent Ozzie Cadena hatte sie 1954 zusammengebracht. Nach mehreren gemeinsamen Jahren gingen sie wieder getrennte Wege; für diese Aufnahme fanden sie erneut zusammen. Creed Taylor produzierte, Rudy Van Gelder betreute die Sessions im Herbst 1960. Der Albumtitel verspricht ein Wiedersehen. Die Besetzung macht daraus zugleich die Begegnung mit einer Rhythmusgruppe, die weit mehr als einen Hintergrund für zwei Solisten bildet.

Ein Instrument, zwei musikalische Wege
Johnson gehörte zu den Musikern, die die Posaune in die Sprache des Bebop führten. Winding, in Aarhus geboren und als Kind in die USA gekommen, hatte unter anderem bei Benny Goodman und Stan Kenton gespielt. Beide waren an Miles Davis’ später als Birth of the Cool zusammengefassten Aufnahmen beteiligt, allerdings auf unterschiedlichen Titeln. Ihr gemeinsames Projekt verbindet also Erfahrungen aus kleinen Gruppen und größeren Ensembles.
„This Could Be the Start of Something Big“ eröffnet die Platte. Danach führen „Georgia on My Mind“, „Blue Monk“ und „Alone Together“ durch verschiedene Formen des Songbooks. Hör darauf, wie die beiden Instrumente zusammengeführt werden: gemeinsame Linien, Antworten, Begleitstimmen und Solopassagen wechseln die Aufgaben. Die ähnliche Klangfarbe der Posaunen macht kleine Unterschiede in Phrasierung und Einsatz besonders interessant.

Bill Evans ist Teil des Gesprächs
Bill Evans sitzt auf allen elf Titeln am Klavier. Bei vier Stücken bilden Paul Chambers und Roy Haynes die Rhythmusgruppe, bei den übrigen Tommy Williams und Art Taylor. Das bedeutet unterschiedliche Partner hinter denselben beiden Bläsern. Evans gehört zur musikalischen Anlage des Albums, nicht nur zu dessen prominenter Gästeliste. Kurz darauf wird er auch auf weiteren frühen Impulse!-Produktionen zu hören sein.
Neben Standards stehen Eigenkompositionen: „Judy“ und „Trixie“ stammen von Johnson, „Going, Going, Gong!“ von Winding. Nimm eines dieser Stücke als zweiten Einstieg nach „Blue Monk“. Welche Freiräume lassen die Bläser dem Klavier, wie reagieren Bass und Schlagzeug auf einen Wechsel der Führung? Gerade beim Wiederhören lohnt es sich, eine Begleitstimme durch den gesamten Titel zu verfolgen, statt nur auf das nächste Solo zu warten.
Die erste Impulse!-LP in dieser Neuauflage
AVER 64569 gehört zur Acoustic Sounds Series und enthält die elf Albumtitel auf einer Stereo-LP mit 180 Gramm und 33⅓ RPM. Matthew Lutthans hat sie laut Herausgeber bei The Mastering Lab vom Originalmasterband gemastert. Seine Arbeit am Lackschnitt ist auch über die dokumentierten TML-Auslaufrillen belegt. Die Platte wird bei Quality Record Pressings gefertigt und steckt in einem Stoughton-Tip-on-Klappcover.
Das Album stammt ursprünglich von Impulse!, die heutige Reihe wird über Verve und UMe betreut. Es handelt sich deshalb nicht um eine Analogue-Productions-Ausgabe. Die Gestaltung führt zurück zu jenem frühen Impulse!-Katalog, in dem Winding gleich mehrfach vertreten war. Musikalisch bleibt das Entscheidende die kleine Gruppe: zwei Posaunen, ein eigenständiger Pianist und Rhythmuspartner, die das Wiedersehen gemeinsam tragen.
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Künstlerseite: Alle Titel mit Bill Evans
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| J. J. Johnson | Posaune |
| Kai Winding | Posaune |
| Bill Evans | Klavier |
| Paul Chambers | Bass |
| Tommy Williams | Bass |
| Roy Haynes | Schlagzeug |
| Art Taylor | Schlagzeug |







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