Eine zweite Botschaft, eine andere Farbe
Eine Woche kann im Jazz genügen, um dieselbe musikalische Persönlichkeit in einem anderen Licht zu zeigen. Am 20. Juli 1956 nahm Hank Mobley Mobley’s Message auf; am 27. Juli kehrte er für Mobley’s 2nd Message zu Rudy Van Gelder nach Hackensack zurück. Doug Watkins und Art Taylor blieben an Kontrabass und Schlagzeug. Doch mit Kenny Dorham an der Trompete und Walter Bishop Jr. am Klavier veränderte sich die Besetzung entscheidend. Der Titel bezeichnet deshalb mehr als einen rasch nachgeschobenen zweiten Teil. Hier bekommt Mobleys Tenorsaxofon neue Gesprächspartner, und mit ihnen ändern sich die Möglichkeiten des gemeinsamen Erzählens.
Mobley war 26 Jahre alt und hatte bereits an einer jener Gruppen mitgewirkt, aus denen der Hard Bop seine Gestalt gewann: den frühen Jazz Messengers mit Horace Silver und Art Blakey. Auch Dorham und Watkins gehörten zu diesem Zusammenhang. Das Quintett dieser Platte ist dennoch keine Wiederauflage der Messengers. Bishop und Taylor bringen ihre eigenen Erfahrungen ein, während Mobley als Leader das Programm mit drei eigenen Kompositionen prägt. Interessant ist gerade diese Verbindung aus vertrauten Beziehungen und einer neuen Konstellation. Man hört eine Generation, deren Musiker sich über gemeinsame Arbeit kannten, ohne deshalb in jeder Besetzung dasselbe zu sagen.
Die Aufnahme erschien 1957 auf Prestige als PRLP 7082. Bob Weinstock betreute die Produktion, Ira Gitler schrieb den Begleittext, Reid Miles gestaltete das Cover. Diese Namen gehören zur Geschichte der Platte, doch ihr musikalischer Mittelpunkt bleibt eine sehr überschaubare Situation: zwei Bläser vor einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe. Ein gemeinsam gespieltes Thema kann Geschlossenheit erzeugen; sobald die Instrumente einzeln hervortreten, werden Unterschiede in Ton, Atem und Phrasierung deutlich. Bei Mobley und Dorham lohnt es sich besonders, auf diese Übergänge zu achten. Ihre Beziehung lebt ebenso von gemeinsamem Maß wie von den Eigenheiten jeder Stimme.

Kenny Dorham und eine Rhythmusgruppe mit Gedächtnis
Kenny Dorham war kein Musiker, der erst durch diese Aufnahme zu seinem Profil fand. Seine Erfahrung bei Charlie Parker und in den frühen Jazz Messengers liegt bereits hinter dem Trompetenpart. Zu Mobleys Tenor bringt er eine zweite melodische Perspektive: andere Tonansätze, andere Atembögen, eine andere Art, einen musikalischen Gedanken abzurunden. Wer die Themen zunächst als Ganzes aufnimmt und anschließend die einzelnen Solostimmen verfolgt, kann entdecken, wie fein ein Quintett zwischen gemeinsamer Sprache und persönlicher Handschrift unterscheiden kann. Der reizvolle Kontrast muss dabei keineswegs durch größtmögliche Lautstärke entstehen.
Walter Bishop Jr. gehört zu den Namen, die auf dieser Platte besondere Aufmerksamkeit verdienen. Der Pianist hatte sowohl mit Charlie Parker als auch mit Miles Davis gearbeitet. Seine Bebop-Erfahrung ist deshalb keine bloße stilistische Zuschreibung, sondern Teil einer konkreten musikalischen Biografie. Im Quintett erfüllt das Klavier mehrere Aufgaben zugleich: Es kann die harmonische Richtung verständlich machen, die Bläser rhythmisch anregen und als Soloinstrument eine eigene Erzählung entwickeln. Ein schöner Zugang besteht darin, Bishop nicht erst beim Klaviersolo wahrzunehmen. Schon die kurzen Antworten zwischen den Bläserphrasen können zeigen, wie lebendig Begleitung gedacht ist.
Doug Watkins und Art Taylor stellen die Verbindung zur vorangegangenen Mobley-Sitzung her. Watkins, der aus Detroit nach New York gekommen war, hatte wie Mobley und Dorham bei den Jazz Messengers gespielt. Taylor gehörte zu den vielbeschäftigten Schlagzeugern der New Yorker Aufnahmeszene. Ihre Arbeit bildet den beweglichen Boden dieser Musik. Ein Bassgang ist hier mehr als eine Folge von Grundtönen; ein Beckenimpuls mehr als eine Markierung des Taktes. Beide Instrumente geben den Solisten etwas, worauf sich eine Phrase stützen oder wovon sie sich rhythmisch absetzen kann. Das macht die Rhythmusgruppe auch dann interessant, wenn gerade ein Bläser im Vordergrund steht.
Alle fünf Musiker gehören zur dokumentierten Besetzung der sechs Titel. Das Album wechselt also seine Charaktere innerhalb eines beständigen Ensembles. Für das konzentrierte Hören ist das ein Vorzug: Man kann die Reaktion derselben Partner auf unterschiedliche Stücke verfolgen, statt sich nach jedem Titel auf eine neue Band einstellen zu müssen. Besonders ergiebig ist der Wechsel zwischen den eigenen Stücken des Leaders und den Liedvorlagen. Die Musiker müssen dabei weder ihre Herkunft aus dem Bebop verleugnen noch jede Melodie in dasselbe Ausdrucksmodell zwingen.

Drei Mobley-Stücke und drei andere Ausgangspunkte
Die erste Seite beginnt mit These Are the Things I Love, dem Lied von Harold Barlow und Lew Harris. Danach folgen Message from the Border und Xlento, beide aus Mobleys Feder. Auf der zweiten Seite eröffnet seine Komposition The Latest die Folge, bevor I Should Care und Benny Harris’ Crazeology das Programm abschließen. Diese Anordnung macht die Platte zu einer Begegnung zwischen Mobley als Komponist und Mobley als Interpret. Seine eigene Musik steht nicht isoliert neben dem Repertoire anderer Autoren; sie ist in einen Albumverlauf eingebettet, der wechselnde melodische Aufgaben stellt.
Bei den Eigenkompositionen lohnt es sich, die Themen als Teil von Mobleys Persönlichkeit ernst zu nehmen. Der Leader entscheidet hier nicht nur, wie er über eine vorgegebene Harmonie improvisiert, sondern auch, mit welchem Material die Band überhaupt ins Gespräch kommt. Das ist ein anderer Blick auf einen Saxofonisten, dessen Ruf häufig zuerst über seinen Ton und seine Soli beschrieben wird. Die drei Stücke erlauben, dem Zusammenhang von melodischem Einfall, Ensemblevortrag und improvisierter Fortsetzung nachzugehen. Man muss dafür keine harmonische Analyse anstellen; schon das Wiedererkennen eines Themas nach den Soli kann viel über die innere Form verraten.
I Should Care stammt von Sammy Cahn, Axel Stordahl und Paul Weston. Als Liedvorlage bringt es eine andere Art von Erinnerung mit als eine Bebop-Komposition. Auch ohne gesungenen Text bleiben melodischer Verlauf und die Möglichkeit langer Atembögen erhalten. Crazeology führt dagegen ausdrücklich in den Bebop-Kanon zurück. Gerade dieses Nebeneinander macht die zweite Seite reizvoll: eigene Komposition, bekannte Songmelodie und ein Stück aus jener Sprache, in der die Musiker groß geworden sind. Die Platte muss ihre Zusammengehörigkeit nicht durch ein einziges Tempo oder eine einzige Stimmung herstellen.
Prestige-Mono auf einer vollständigen LP
Die Analogue-Productions-Ausgabe APRJ 7082 gehört zur Prestige-Mono-Reihe. Der Herausgeber nennt Kevin Gray bei Cohearent Audio für den Schnitt von analogen Masterbändern und Quality Record Pressings für die Herstellung. Die aktuell beschriebene Ausgabe ist eine 180-Gramm-LP mit einer hochglänzenden Tip-on-Hülle. Frühere Pressungen dieses Titels erschienen mit 200 Gramm; die musikalische Identität der Ausgabe liegt deshalb nicht allein im Gewicht. Entscheidend sind die konkrete Monoaufnahme, das Mastering und das bewahrte Albumprogramm. Die klassische Hüllenkonstruktion gehört zur sorgfältigen Präsentation dieser Prestige-Neuauflage.
Mit 33⅓ Umdrehungen bleibt Mobley’s 2nd Message ein Album auf zwei Seiten. Das passt zu seiner Anlage: Auf jeder Seite stehen drei Stücke, und die Band kann ihre unterschiedlichen Ausgangspunkte in einer zusammenhängenden Folge entfalten. Der praktische Reiz liegt im ungestörten Verlauf einer ganzen Seite, nicht in einem abstrakten Wettbewerb zwischen Drehzahlen. Man kann verfolgen, wie eine Liedmelodie, eine Eigenkomposition und die Sprache des Bebop einander ergänzen, ohne das Programm auf zusätzliche Platten verteilen zu müssen.
Für eine Mobley-Sammlung ist dieses Album besonders aufschlussreich, wenn man seine Stellung zwischen den frühen Jazz Messengers und den späteren Leader-Aufnahmen betrachtet. Es bewahrt einen Moment, in dem die gemeinsame Vorgeschichte der Musiker bereits reich ist, die weitere Entwicklung aber noch offensteht. Kenny Dorham, Walter Bishop Jr., Doug Watkins und Art Taylor machen daraus eine eigenständige Quintettbegegnung. Die zweite Botschaft ist deshalb eine lohnende Fortsetzung mit eigenem Gesicht: sechs Stücke, fünf Persönlichkeiten und ein Tenorsaxofonist, dessen musikalisches Denken sich ebenso in seinen Themen wie in seinen improvisierten Linien zeigt.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Hank MobleyTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Kenny DorhamTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Walter Bishop Jr.KlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Doug WatkinsKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Art TaylorSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Aufnahme: Rudy Van Gelder, Hackensack, 27. Juli 1956. Aufsicht: Bob Weinstock. Begleittext: Ira Gitler. Cover: Reid Miles. AP-Mastering: Kevin Gray, Cohearent Audio.












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