Four!: Hampton Hawes im Quartett mit eigenen Stimmen
Der Titel Four! sagt zunächst nur, wie viele Musiker beteiligt sind. Auf dieser Aufnahme wird daraus ein klares musikalisches Versprechen: Hampton Hawes am Klavier, Barney Kessel an der Gitarre, Red Mitchell am Kontrabass und Shelly Manne am Schlagzeug bilden gemeinsam das Ensemble. Die Ausgabencredits stellen alle vier ausdrücklich heraus. Wer die Platte allein als Pianistenalbum mit Begleitung betrachtet, übersieht deshalb einen Teil ihrer Anlage. Gerade die Kombination von Klavier und Gitarre eröffnet ein zusätzliches Gespräch innerhalb des Quartetts, während Bass und Schlagzeug den gemeinsamen Verlauf mitgestalten.
Das Album gehört zur Welt von Contemporary Records in Los Angeles. Lester Koenig produzierte, Roy DuNann betreute den Ton, und Nat Hentoff schrieb den Hülltext. Diese Verbindung ist für Sammler des Labels vertraut, doch sie macht die einzelnen Aufnahmen nicht austauschbar. Hawes, Kessel, Mitchell und Manne bringen unterschiedliche Aufgaben und Möglichkeiten mit. Ein Klavieranschlag verhält sich anders als eine gezupfte Gitarrensaite; der Kontrabass verbindet tiefe Tonhöhen mit eigener Beweglichkeit; das Schlagzeug kann das Geschehen gliedern, ohne selbst eine durchgehende Melodie zu spielen. Aus diesen Unterschieden gewinnt die Besetzung ihre Spannung.
Die Platte lässt sich besonders gut über diese vier Perspektiven entdecken. Man kann zunächst bei Hawes bleiben und den Verlauf der Klavierlinien verfolgen. Beim nächsten Hören rückt Kessels Gitarre stärker ins Zentrum, danach Mitchells Bass oder Mannes Schlagzeug. Entscheidend ist nicht, vier Einzelaufnahmen im Kopf zu zerlegen, sondern zu erkennen, wie die Musiker miteinander Platz teilen. Das Quartett hat mehr Möglichkeiten als ein Trio, aber auch eine zusätzliche Abstimmungsaufgabe. Gerade darin liegt ein wesentlicher Reiz von Four!: Die Instrumente müssen nicht dasselbe tun, um sich auf eine gemeinsame Bewegung zu verständigen.

Sieben Stücke mit Raum für Entwicklung
Seite A beginnt mit Yardbird Suite, gefolgt von There Will Never Be Another You und Bow Jest. Alle drei Titel erhalten mehr als sechs Minuten. Das gibt der ersten Seite eine konzentrierte Form: drei größere Abschnitte, in denen man sich auf die jeweilige musikalische Situation einlassen kann. Die Zeit allein garantiert natürlich keine Tiefe. Sie schafft aber die Möglichkeit, einen Gedanken über mehrere Wendungen hinweg zu verfolgen und die Beziehungen innerhalb des Quartetts bewusster wahrzunehmen. Statt ständig zum nächsten Titel weiterzugehen, bleibt die Aufmerksamkeit länger bei derselben Ausgangsidee und ihren Veränderungen.
Die zweite Seite führt über Sweet Sue und Up Blues zu Like Someone in Love und Love Is Around the Corner. Vier Stücke bringen eine andere Gewichtung. Mit 3:14 ist Like Someone in Love die kürzeste Nummer des Albums; die anderen drei Titel dieser Seite liegen zwischen gut fünf und knapp sechs Minuten. Dieser Wechsel aus längeren und knapperen Formen gehört zum Verlauf der Platte. Er verhindert, dass die sieben Titel allein als gleich große Einheiten erscheinen. Das Album besitzt zwei unterschiedlich gebaute Hälften, die sich ergänzen und beim vollständigen Hören eine eigene Balance entwickeln.
Die vertrauten Songtitel können einen leichten Einstieg bieten, doch man muss ihre früheren Interpretationen nicht kennen. Ein sinnvoller Zugang ist, sich zunächst eine Melodie zu merken und dann auf ihre Begleitung zu achten. Welche Instrumente geben Orientierung, welche setzen einen anderen Akzent? Wo wirkt der Verlauf besonders offen, wo eher gebündelt? Das sind Fragen an die eigene Wahrnehmung, keine vorgegebenen Urteile über bestimmte Passagen. Sie machen es möglich, mit wenig Vorwissen genau hinzuhören. Gerade ein überschaubares Programm wie dieses kann dadurch über viele Durchgänge hinweg neue Einzelheiten freigeben.

Klavier und Gitarre teilen sich den Raum
Hawes und Kessel besitzen beide die Möglichkeit, Melodie und Harmonie miteinander zu verbinden. Dadurch entsteht eine besondere Aufgabe: Zwei Instrumente könnten ähnliche Bereiche besetzen, müssen aber nicht dieselben Funktionen gleichzeitig ausfüllen. Für das Zuhören ist deshalb interessant, wie sich ihre Beiträge voneinander abheben. Eine Klavierlinie kann anders atmen als eine Gitarrenphrase, und unterschiedliche Anschläge lassen selbst nahe beieinanderliegende Töne als verschiedene Stimmen erscheinen. Das Quartett lebt von dieser Unterscheidbarkeit. Die Gitarre ist nicht bloß eine zusätzliche Farbe am Rand, sondern gehört zur ausdrücklich benannten Viererbesetzung des Albums.
Red Mitchell und Shelly Manne vervollständigen diese Konstellation. Der Bass kann die harmonische Bewegung nachvollziehbar machen und zugleich eine eigene Linie führen. Das Schlagzeug stellt ein anderes Verhältnis von Klang und Zeit her. Wer vor allem auf Klavier und Gitarre achtet, kann bei einem zweiten Durchgang bewusst nach unten und an den Rand des Ensembles hören. Oft verändert schon dieser Perspektivwechsel das Verständnis einer Phrase: Was zuvor wie eine Entscheidung des Solisten wirkte, erscheint nun als Teil einer gemeinsamen Bewegung. Ein Quartett ist gerade dann interessant, wenn seine Mitglieder nicht nur nacheinander Aufmerksamkeit erhalten.
Die Musikerübersicht nennt alle vier auf allen sieben Titeln. Sie trennt davon die Produktions- und Technikangaben. Ein genaues Aufnahmedatum wird hier nicht aus der Datumszeile des Hülltextes abgeleitet: Der 12. Oktober 1958 bezeichnet Hentoffs Text, nicht automatisch die Session. Diese Unterscheidung gehört in die Dokumentation, soll aber nicht die musikalische Geschichte dominieren. Gesichert sind der Aufnahmeort Contemporary, die vier Musiker und das Programm. Damit ist die Grundlage vorhanden, um die Platte als konkretes Ensemblealbum zu verstehen, ohne ein unbelegtes Tagesdatum zum scheinbar entscheidenden Detail zu machen.
Die Contemporary-Wiederveröffentlichung für die Sammlung
Die vorliegende Ausgabe gehört zur Contemporary Records Acoustic Sounds Series. Sie trägt die Nummer CR00387, im Shop ACONC 387, und präsentiert das Album als eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen in Stereo. Bernie Grundman übernahm Mastering und Lackschnitt; gepresst wurde bei Quality Record Pressings. Die Wiederveröffentlichung erschien 2022. Diese Angaben identifizieren die konkrete Fassung und sind hilfreicher als eine pauschale Beschreibung, die sich gleichermaßen auf jede Veröffentlichung des Albums anwenden ließe. Für die musikalische Einordnung bleibt die Besetzung der zentrale Bezugspunkt, für den Kauf die eindeutig benannte Ausgabe.
Die LP bewahrt die Teilung in drei Stücke auf Seite A und vier auf Seite B. Das passt zu einem Album, dessen längere Titel Raum für ein konzentriertes Hören eröffnen. Wer bereits The Poll Winners kennt, findet in Kessel und Manne zwei vertraute Partner, hier aber mit Hawes und Mitchell in einer anderen Konstellation. Wer über Hampton Hawes einsteigt, bekommt zugleich drei weitere deutlich benannte Musiker, deren Beiträge zur Identität der Platte gehören. Solche Verbindungen können eine Sammlung wachsen lassen: nicht nur nach Label oder Namen auf dem Cover, sondern nach konkreten musikalischen Beziehungen.
Four! ist deshalb ein treffender Titel. Er lenkt den Blick auf das Ensemble und macht neugierig darauf, wie vier Instrumente ihre Aufgaben teilen. Die Platte bietet sieben unterschiedliche Gelegenheiten, diese Frage hörend zu verfolgen. Michael 45 versendet Bestellungen aus Hilden in Deutschland, sodass Kunden in Deutschland und der EU ohne einen eigenen Import aus den Vereinigten Staaten und ohne Warten auf die Zollabfertigung bestellen können. Wenn du Hampton Hawes’ Four! auf Vinyl kaufen möchtest, findest du hier die Contemporary-Ausgabe mit vollständiger Tracklist, allen vier Musikercredits und den dokumentierten Angaben zur Herstellung dieser Wiederveröffentlichung.
Die aktuelle Verfügbarkeit und Lieferzeit stehen am Kaufbereich; eine Beschreibung dieser Ausgabe ist keine Lagerzusage.
Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Hampton HawesPorträtvorlage: 1953KlavierMitwirkung: alle sieben Titel
- Barney KesselVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungGitarreMitwirkung: alle sieben Titel
- Red MitchellVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungKontrabassMitwirkung: alle sieben Titel
- Shelly ManneVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungSchlagzeugMitwirkung: alle sieben Titel
Produktion: Lester Koenig. Ton: Roy DuNann. Hülltext: Nat Hentoff. Gestaltung: Robert Guidi. Coverfoto: Richard Gross. Mastering/Lackschnitt: Bernie Grundman. Pressung: QRP. Der 12. Oktober 1958 datiert den Hülltext, nicht nachweislich die Sitzung.











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