Drei Instrumente, eine unverwechselbare Stimme
Es gibt Jazzalben, deren Besetzung bereits eine ganze Geschichte erzählt. Far Cry vereint Eric Dolphy und Booker Little mit Jaki Byard, Ron Carter und Roy Haynes: fünf Musiker, die sich mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen an einem gemeinsamen Punkt begegnen. Die Aufnahme entstand am 21. Dezember 1960 in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs, produziert von Esmond Edwards. Als das Album 1962 auf New Jazz erschien, war dieser besondere Moment bereits Vergangenheit. Für die Musik ist zunächst jedoch ihre Gegenwart entscheidend: eine kleine Gruppe, die vertrautes Songmaterial, neue Kompositionen und ungewöhnliche instrumentale Perspektiven miteinander verbindet.
Dolphy spielt hier Altsaxofon, Bassklarinette und Flöte. Diese Aufzählung beschreibt keine austauschbaren Klangfarben. Auf jedem Instrument stellt sich das Verhältnis zwischen Melodie, Tonbildung und Bewegung anders dar. Die tiefere Lage der Bassklarinette öffnet einen anderen Raum als die konzentrierte Helligkeit des Alts; die Flöte verschiebt die Balance erneut. Wer Dolphy nur über sein Saxofon kennt, bekommt auf dieser Platte Gelegenheit, seine musikalische Persönlichkeit in drei Gestalten kennenzulernen. Die verbindende Frage ist dabei, wie eine Linie weitergedacht werden kann, ohne ihren Ausgangspunkt zu verlieren.
Die erste Seite trägt eine deutliche Erinnerung an Charlie Parker in sich. „Mrs. Parker of K.C.“ und „Ode to Charlie Parker“ stammen von Jaki Byard; der erste Titel verweist auf Parkers Mutter und Kansas City. Dolphys „Far Cry“ schließt diese Seite ab. Der Bezug zu Parker macht aus dem Programm keine stilistische Rückschau mit festgelegtem Ergebnis. Er verankert die Musik vielmehr in einer Geschichte, deren Möglichkeiten Dolphy und seine Partner weiter untersuchen. Zwischen Anerkennung und Eigenständigkeit liegt hier genügend Platz für fünf sehr persönliche Stimmen.
Gerade darin liegt der Reiz des Albums für eine Sammlung, die Jazzgeschichte als hörbaren Zusammenhang verstehen möchte. Far Cry lässt sich neben Parker, aber ebenso neben Dolphys späteren Clubaufnahmen mit Little betrachten. Es zeigt weder einen fertigen Endpunkt noch bloß eine Vorstufe. Die unterschiedlichen Besetzungsgrößen innerhalb der sieben Stücke geben dem Album eine eigene Dramaturgie. Man begegnet einem Quintett, kleineren Konstellationen und schließlich einem Musiker ganz allein. Diese Veränderungen sind ein wesentlicher Teil seiner Form.

Booker Little und eine Rhythmusgruppe mit eigenen Ideen
Booker Little spielt Trompete auf den drei Stücken der ersten Seite sowie auf „Miss Ann“. Sein Name steht zu Recht prominent neben Dolphys Namen. Little ist hier ein zweiter melodischer Erzähler, dessen Beiträge die Begegnung zweier Bläserpersönlichkeiten prägen. Für das Verständnis der Platte ist allerdings ebenso wichtig, wo er nicht mitspielt: Die weiteren drei Stücke der zweiten Seite gehören anderen Konstellationen. Das Album gewinnt seine Abwechslung auch daraus, dass die Quintettbesetzung nicht mechanisch über jeden Titel gelegt wird.
Jaki Byard bringt als Pianist und Komponist zwei zentrale Stücke ein. Dadurch reicht seine Rolle über die Begleitung hinaus: Er gestaltet einen wesentlichen Teil des Materials, mit dem sich die Gruppe beschäftigt. Am Klavier kann man auf das Verhältnis zwischen harmonischer Orientierung und rhythmischen Antworten achten. Wie viel Boden benötigt eine Bläserlinie, und wann hilft ihr ein unerwarteter Akzent weiter? Solche Fragen machen den Beitrag eines Pianisten auch dort interessant, wo die Aufmerksamkeit zunächst bei Dolphy oder Little liegt.
Ron Carter spielt auf diesem Album Kontrabass. Gerade bei einem Musiker, dessen frühe Diskografie auch das Cello umfasst, lohnt diese genaue Unterscheidung. Neben ihm sitzt Roy Haynes am Schlagzeug. Beide sind, wie Byard, auf allen Titeln außer „Tenderly“ beteiligt. Eine gute Möglichkeit, die Platte zu erschließen, besteht darin, diesen drei Musikern einmal gezielt zu folgen: dem Verlauf einer Basslinie, den Akkordantworten des Klaviers und der Art, wie das Schlagzeug einen Puls markiert, auflockert oder gegen andere Bewegungen stellt.
Die Namen verraten viel über das Niveau der Begegnung, ersetzen aber nicht ihre konkrete Organisation. Auf „Tenderly“ schweigen alle vier Partner; auf anderen Stücken verändert schon Dolphys Instrumentenwechsel das Kräfteverhältnis. Far Cry ist deshalb besonders dankbar für wiederholtes Hören mit wechselnder Aufmerksamkeit. Einmal führt die Themenfolge durch das Album, ein anderes Mal der Dialog der Bläser, dann wieder die Arbeit hinter den Solostimmen. Dass diese Perspektiven nebeneinander bestehen, gehört zu den bleibenden Qualitäten einer sorgfältig zusammengestellten kleinen Jazzbesetzung.

Vom Parker-Gruß bis zum unbegleiteten „Tenderly“
Die genaue Instrumentenfolge ist aufschlussreich. „Mrs. Parker of K.C.“ eröffnet mit Dolphy an der Bassklarinette. Für „Ode to Charlie Parker“ wechselt er zur Flöte, für „Far Cry“ zum Altsaxofon. Schon die erste Seite stellt damit alle drei Instrumente vor. Little bleibt als Trompeter die zweite Bläserstimme, während Byard, Carter und Haynes den gemeinsamen Rahmen bilden. Der Wechsel betrifft also nicht nur einzelne Soli, sondern die Klangbeziehung innerhalb derselben fünfköpfigen Gruppe.
Auf der zweiten Seite setzt „Miss Ann“, ebenfalls von Dolphy, das Quintett mit Altsaxofon fort. „Left Alone“, verbunden mit Mal Waldron und Billie Holiday, führt anschließend zur Flöte und einer Besetzung ohne Little. Danach folgt „Tenderly“ von Walter Gross und Jack Lawrence als unbegleitetes Altsaxofonstück. Es ist der deutlichste Einschnitt des Programms: Melodie, Atem, zeitlicher Verlauf und die Entscheidung über jede Pause liegen bei einem einzigen Musiker. Der Standard wird damit zu einem besonders konzentrierten Beispiel dafür, was ein Blasinstrument ohne harmonische Begleitung erzählen kann.
„It’s Magic“ von Jule Styne und Sammy Cahn beendet das Album mit Dolphy an der Bassklarinette und der Rhythmusgruppe. Die Rückkehr zum tiefen Holzblasinstrument verbindet das Ende klanglich mit dem Anfang, obwohl die Besetzung nun kleiner ist. Diese Folge aus Originalen, Hommagen und Songs hält das Programm zusammen, ohne seine Unterschiede einzuebnen. Ein Blick auf die Tracklist lohnt deshalb über die bloße Titelerkennung hinaus: Wer wann welches Instrument spielt, gehört hier unmittelbar zur musikalischen Geschichte.
Die sieben Stücke entsprechen dem ursprünglichen LP-Programm. Spätere Ergänzungen auf anderen Formaten werden dieser Ausgabe nicht zugeschlagen. Für Sammler ist diese Begrenzung hilfreich: Sie lässt das Album als bewusst angelegte Folge zweier Plattenseiten erfahrbar werden. Zugleich schafft sie einen klaren Ausgangspunkt für Vergleiche mit weiteren Dolphy-Veröffentlichungen. Im Mittelpunkt stehen die Entscheidungen dieser Session und dieser Auswahl, nicht eine nachträglich zusammengesetzte Gesamtübersicht über alles, was in ihrem Umfeld aufgenommen wurde.
Die Analogue-Productions-Ausgabe auf 33⅓ RPM
Diese Stereo-LP von Analogue Productions trägt die Bestellnummer APRJ 8270 und gehört zur Prestige-Reihe des Herausgebers. Kevin Gray übernahm das Mastering von den originalen Analogbändern. Für die Fertigung wird Quality Record Pressings genannt; Gary Salstrom ist für das Plating ausgewiesen. Die klassische Tip-on-Hülle ergänzt eine Ausgabe, die das historische Album in seiner sieben Titel umfassenden Form präsentiert. Solche konkreten Angaben sind für die Einordnung hilfreicher als ein pauschales Versprechen, eine Neuauflage müsse zwangsläufig jede andere Pressung übertreffen.
Mit 33⅓ Umdrehungen bleibt das Programm auf einer LP und damit auf zwei Seiten. Die erste Seite mit ihrem Parker-Bezug und die stärker aufgefächerte zweite Seite behalten ihre jeweilige Geschlossenheit. Wer Alben gern als längere musikalische Bögen hört, kann diese Anlage ohne zusätzliche Unterbrechungen nachvollziehen. Das Format ist damit auch eine Frage des Umgangs mit dem Werk: Die Titelreihenfolge und die Besetzungswechsel bilden einen Ablauf, den ein einziger Seitenwechsel gliedert.
Far Cry verbindet einen außergewöhnlichen Multiinstrumentalisten mit einem ebenso eigenständigen Trompeter und drei Partnern, deren Beiträge über jede Nebenrolle hinausreichen. Für Musikliebhaber liegt sein Wert in dieser konkreten Begegnung; für anspruchsvolle Sammler kommen die dokumentierte Ausgabe und das erhaltene Originalprogramm hinzu. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir übernehmen den US-Import und versenden aus Hilden. Eine Platte für alle, die Dolphys Kühnheit zusammen mit seiner melodischen Vorstellungskraft und seiner Verbindung zur Jazztradition kennenlernen möchten.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Eric DolphyPorträtvorlage 1960Bassklarinette A1/B4; Flöte A2/B2; Altsaxofon A3/B1/B3Mitwirkung: Alle Titel
- Booker Littleum 1960/61TrompeteMitwirkung: A1–A3, B1
- Jaki ByardPorträtvorlage 1965KlavierMitwirkung: Alle außer B3 (Dolphy solo)
- Ron CarterPorträtvorlage 1967KontrabassMitwirkung: Alle außer B3
- Roy HaynesPorträtvorlage 1954SchlagzeugMitwirkung: Alle außer B3
Original-LP mit sieben Titeln. Tenderly (B3): Eric Dolphy allein am Altsaxofon. Booker Little nur A1–A3/B1; kein Serene-Bonustitel. Aufnahme 21.12.1960, Van Gelder Studio; Produktion Esmond Edwards.












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