Ein Klavier, eine Stimme
Am 19. Mai 1975 nahmen Ella Fitzgerald und Oscar Peterson in Los Angeles neun Standards auf. Norman Granz produzierte die Session für sein Pablo-Label. Auf der ersten Plattenseite bleiben Gesang und Klavier unter sich. Diese kleine Besetzung macht jede Entscheidung hörbar: den Beginn einer Phrase, eine kurze Verzögerung, den Akkord, mit dem Peterson auf Fitzgeralds letzte Silbe reagiert. Der Titel Ella and Oscar beschreibt deshalb ziemlich genau, worum es geht.
Beide gehörten zu den zentralen Künstlern in Granz’ musikalischem Umfeld. Auf dieser Aufnahme begegnen sie sich in einem Rahmen, der ohne Bläsersatz und Schlagzeug auskommt. Peterson kann die harmonische Bewegung vollständig gestalten, während Fitzgerald den Verlauf der Melodie verändert. Ihre Rollen sind klar, aber beweglich. Das Klavier übernimmt ebenso rhythmische Aufgaben, wie die Stimme mit ihrem Timing den Puls der Musik trägt.

Bekannte Lieder als gemeinsamer Boden
„Mean to Me“ eröffnet die Folge, danach stehen unter anderem „How Long Has This Been Going On?“ und „When Your Lover Has Gone“ auf dem Programm. Diese Songs bringen ihre eigene Geschichte mit. Das Duo braucht sie nicht ausführlich vorzustellen: Eine Melodiewendung oder ein harmonischer Übergang genügt als Ausgangspunkt für die persönliche Ausgestaltung. Auch wer die Titel nicht kennt, kann dem Wechselspiel zwischen gesungener Linie und Klavierantwort gut folgen.
Mit „More Than You Know“ und „There’s a Lull in My Life“ endet die erste Seite. Gerade hier lohnt es sich, auf die Übergänge zwischen Begleitung und eigenständiger Klavierstimme zu achten. Peterson kann eine Zeile mit wenigen Akkorden tragen und den nächsten Zwischenraum weiter ausführen. Fitzgerald entscheidet durch Atem, Phrasierung und Silbenlänge mit darüber, wie viel Platz entsteht. Die reduzierte Besetzung legt diese Zusammenarbeit offen.

Auf Seite zwei kommt Ray Brown hinzu
Bei „Midnight Sun“ erweitert Ray Browns Kontrabass das Duo zum Trio. Er spielt auf allen vier Titeln der zweiten Seite, auch bei „I Hear Music“, „Street of Dreams“ und „April in Paris“. Der Seitenwechsel ist damit zugleich ein Wechsel der Besetzung. Der Bass fügt eine weitere melodische und rhythmische Stimme hinzu; die Aufmerksamkeit kann nun zwischen drei Musikern wandern, ohne dass sich der kammermusikalische Rahmen verliert.
„April in Paris“ nimmt als Schlussstück besonders viel Raum ein. Mit gut achteinhalb Minuten ist es deutlich länger als die übrigen Titel. Nach den kompakteren Liedern öffnet sich hier ein größerer zeitlicher Rahmen für das Zusammenspiel. Die gesamte Abfolge führt so vom konzentrierten Duo zu einer ausgedehnteren Begegnung zu dritt. Wenn du das Album seitenweise hörst, wird diese einfache, wirkungsvolle Dramaturgie besonders anschaulich.
Diese LP-Ausgabe
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPJ 185 präsentiert die neun Titel des Originalprogramms auf einer 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Matthew Lutthans masterte sie bei The Mastering Lab; der Hersteller nennt das originale analoge Masterband als Quelle. Gepresst wird bei Quality Record Pressings. Die Stereo-LP steckt in einem Stoughton-Tip-on-Cover mit einer Plattentasche. Ray Browns Beteiligung bleibt auf die zweite Seite beschränkt; das Programm enthält keine zusätzlichen Aufnahmen späterer CD-Ausgaben.
Mehr aus der Reihe: Analogue Productions (Pablo)
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Ella Fitzgerald | Gesang |
| Oscar Peterson | Klavier |
| Ray Brown | Kontrabass |
Ray Brown gehört zur Besetzung eines Teils des Albums; keine durchgehende Trio-Besetzung.







Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.