Duke Ellington & John Coltrane: ein Treffen mit Raum für beide
Zwei Namen auf einem Cover können einen Wettstreit versprechen. Dieses Album bietet einen interessanteren Ausgangspunkt: Duke Ellington am Klavier und John Coltrane am Saxofon begegnen einander in einer kleinen Besetzung, in der beide ihre musikalische Persönlichkeit behalten können. Die Frage ist nicht, wer den anderen überragt. Spannend ist, wie zwei so deutlich erkennbare Stimmen ein gemeinsames Verhältnis zu Melodie, Begleitung und Zeit finden. Die sieben Stücke geben dieser Begegnung unterschiedliche Formen, vom vertrauten Einstieg mit In a Sentimental Mood bis zum abschließenden The Feeling of Jazz.
Aufgenommen wurde am 26. September 1962 im Van Gelder Studio in Englewood Cliffs, New Jersey. Ellington war damals 63 Jahre alt, Coltrane 36. Die Altersdifferenz gehört zum historischen Hintergrund, erklärt aber nicht allein die Musik. Hier sitzen und stehen keine abstrakten Generationen einander gegenüber, sondern Musiker mit konkreten Aufgaben. Ein Klavier kann eine Linie stützen oder ihr etwas entgegensetzen; ein Saxofon kann eine Melodie tragen und zugleich auf das reagieren, was unter ihr geschieht. Die kleine Besetzung macht solche Beziehungen besonders unmittelbar und lässt viel Aufmerksamkeit für die Gestaltung einzelner Phrasen.
Hinzu kommen vier Musiker, die sich die Bass- und Schlagzeugpositionen teilen: Aaron Bell und Jimmy Garrison sowie Elvin Jones und Sam Woodyard. Sie stehen nicht alle gleichzeitig in einer großen Rhythmusgruppe. Die Credits ordnen sie den einzelnen Titeln zu, und gerade diese Verteilung ist ein Schlüssel zur Platte. Selbst beim bekanntesten Stück lohnt sich deshalb ein Blick hinter die beiden Namen auf dem Cover. Das musikalische Gespräch besteht nicht aus einem Duo mit unsichtbarem Hintergrund, sondern aus wechselnden Quartettbesetzungen, deren jeweilige Partner den gemeinsamen Raum mitbestimmen.

Sieben Stücke zwischen vertrautem Thema und offener Begegnung
In a Sentimental Mood eröffnet Seite A und bietet einen unmittelbaren Zugang über seine Melodie. Danach folgen Take the Coltrane, Big Nick und Stevie. Bereits diese vier Titel zeigen, dass das Album nicht bei einer einzigen Stimmung bleiben möchte. Die Stücke sind mit Laufzeiten zwischen etwas mehr als vier und knapp fünf Minuten überschaubar proportioniert. Es entsteht kein ausgedehntes Konzertdokument, sondern eine Folge einzelner Begegnungen. Jede erhält ihren eigenen Anfang und Abschluss, während die konstanten Hauptstimmen von Klavier und Saxofon einen Zusammenhang über die verschiedenen Nummern hinweg schaffen.
Seite B beginnt mit My Little Brown Book, führt zu Angelica und endet mit The Feeling of Jazz. Drei etwas längere Titel bilden die zweite Hälfte. Angelica erhält mit 5:56 den größten Raum auf dieser Seite; My Little Brown Book und The Feeling of Jazz sind mit 5:20 beziehungsweise 5:30 ähnlich gewichtet. Diese Proportionen machen die Platte angenehm zugänglich, ohne ihre musikalischen Möglichkeiten klein erscheinen zu lassen. Eine konzentrierte Form kann gerade dazu einladen, einzelne Entscheidungen deutlicher wahrzunehmen, weil man sich an den Verlauf erinnert und beim nächsten Hören andere Schwerpunkte setzen kann.
Ein möglicher Einstieg ist, zunächst den Übergängen zwischen Melodie und Begleitung zu folgen. Wann hörst du das Klavier als eigenen Erzähler, wann stärker als Partner der Saxofonlinie? Wie verändert sich dein Eindruck, wenn du danach dem Bass mehr Aufmerksamkeit gibst? Solche Fragen brauchen keine vorgefertigte Antwort. Sie helfen, eine berühmte Begegnung wieder als Musik zu erleben, statt sie nur unter dem Etikett ihrer Bedeutung abzulegen. Auch die LP-Reihenfolge unterstützt das: vier Titel auf Seite A, drei auf Seite B, mit einer Pause, in der der erste Abschnitt nachwirken darf.

Die Rhythmusgruppen: genauer hinsehen lohnt sich
Aaron Bell spielt auf A1, A4, B1 und B3; Jimmy Garrison auf A2, A3 und B2. Am Schlagzeug ist Elvin Jones auf A1 bis A3 sowie B2 genannt, Sam Woodyard auf A4, B1 und B3. Besonders wichtig ist der Anfang: In a Sentimental Mood verbindet Bell mit Jones. Die Platte lässt sich deshalb nicht sauber in zwei unverändert übernommene Rhythmusgruppen aufteilen. Es gibt diese gemischte Kombination ebenso wie die anderen Paarungen. Die titelgenauen Credits machen das sichtbar und verhindern, dass eine griffige Beschreibung die tatsächliche Besetzung vereinfacht.
Ellington und Coltrane sind die konstanten Hauptakteure. Coltrane ist mit Tenor- und Sopransaxofon verzeichnet; die vorliegende Ausgabenquelle ordnet die beiden Instrumente nicht eindeutig einzelnen Titeln zu. Die Musikerübersicht gibt deshalb den belegten Gesamtcredit wieder, statt eine scheinbar genaue Zuordnung zu erfinden. Bei den Bassisten und Schlagzeugern reicht die Quelle dagegen bis auf Titelebene. Unterschiedliche Genauigkeit an verschiedenen Stellen ist kein Problem, solange sie nachvollziehbar bleibt. Für das Hören ergeben sich daraus konkrete Anhaltspunkte, ohne dass eine ungesicherte Detailangabe die Aufmerksamkeit in eine falsche Richtung lenkt.
Bob Thiele produzierte die Aufnahme, Rudy Van Gelder war für den Ton verantwortlich. Stanley Dance schrieb den Hülltext. Diese Personen gehören zur Geschichte des Albums, werden aber nicht als zusätzliche Spieler in das Quartett hineingezählt. Die musikalischen Beziehungen bleiben damit übersichtlich: zwei konstante Stimmen, dazu wechselnde Partner an Bass und Schlagzeug. Wer die Platte bisher vor allem wegen ihres Eröffnungsstücks kennt, kann gerade über diese Besetzungswechsel einen neuen Zugang zum gesamten Programm finden. Die anderen sechs Titel sind nicht bloß Ergänzungen eines berühmten Moments, sondern Teil derselben sorgfältig begrenzten Begegnung.
Die Acoustic-Sounds-Ausgabe: eine LP, sieben konzentrierte Begegnungen
Die vorliegende Wiederveröffentlichung der Acoustic Sounds Series erscheint als eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen in Stereo. Ryan K. Smith bei Sterling Sound übernahm das Mastering von den originalen Analogbändern. Gepresst wurde bei Quality Record Pressings; das Klappcover stammt von Stoughton Printing. Die Ausgabe trägt die Nummer B0033799-01, die Shopkennung lautet AIMP 79901. Diese Daten beziehen sich auf die konkrete Neuauflage und ermöglichen die Abgrenzung zu anderen Pressungen des vielfach veröffentlichten Albums, ohne einen unbelegten Vergleich ihrer Klangqualität vorwegzunehmen.
Eine einzelne LP ist für dieses Programm eine stimmige Form. Sie erhält die knappe Dramaturgie der sieben Stücke und die überschaubare Teilung in zwei Seiten. Für Ellington-Hörer kann der Reiz darin liegen, sein Klavier innerhalb einer kleinen Besetzung bewusster wahrzunehmen. Wer über Coltrane kommt, begegnet seinem Spiel in einer anderen Partnerschaft, ohne dass daraus ein Gegensatz zu seinen übrigen Aufnahmen konstruiert werden muss. Und wer beide erst entdeckt, findet bekannte Namen in einem Rahmen, der musikalische Orientierung bietet: klare Besetzung, übersichtliche Stücklängen und genügend unterschiedliche Situationen für wiederholtes Hören.
Der Wert dieser Platte erschöpft sich nicht darin, zwei große Künstler auf derselben Veröffentlichung zu besitzen. Er liegt auch in den Beziehungen zu Bell, Garrison, Jones und Woodyard, deren Beiträge den Verlauf mittragen. Michael 45 versendet Bestellungen aus Hilden in Deutschland, sodass Kunden in Deutschland und der EU ohne einen eigenen Import aus den Vereinigten Staaten und ohne Warten auf die Zollabfertigung bestellen können. Wenn du Duke Ellington & John Coltrane auf Vinyl kaufen möchtest, findest du hier die Acoustic-Sounds-Ausgabe mit vollständiger Tracklist, differenzierten Musikercredits und den Angaben zur Herstellung dieser konkreten Pressung.
Die aktuelle Verfügbarkeit und Lieferzeit stehen am Kaufbereich; eine Beschreibung dieser Ausgabe ist keine Lagerzusage.
Künstlerseite: Alle Titel von John Coltrane
Serie: Impulse! – alle 19 Platten: das Haus, das Trane baute
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Duke EllingtonVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungKlavierMitwirkung: alle sieben Titel
- John ColtraneVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungSopransaxofon, TenorsaxofonMitwirkung: alle sieben Titel; welches Instrument auf welchem Titel, ist nicht belegt
- Aaron BellKontrabassMitwirkung: nur A1, A4, B1 und B3
- Jimmy GarrisonVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungKontrabassMitwirkung: nur A2, A3 und B2
- Elvin JonesVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungSchlagzeugMitwirkung: nur A1 bis A3 und B2
- Sam WoodyardVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungSchlagzeugMitwirkung: nur A4, B1 und B3
Produktion: Bob Thiele. Ton: Rudy Van Gelder. Hülltext: Stanley Dance. Gestaltung: Robert Flynn und Viceroy. Fotos: Bob Ghiraldini. Reihenbetreuung: Chad Kassem. Mastering: Ryan K. Smith, Sterling Sound. Auf A1 spielen Aaron Bell und Elvin Jones gemeinsam.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Im Vergleich zur älteren AP-Ausgabe mit 45 RPM bevorzugt Michael die neuere Acoustic-Sounds-Ausgabe mit 33⅓ RPM. Sein Exemplar spielt deutlich ruhiger; außerdem beschreibt er den Klang als direkter und die Instrumententrennung als hervorragend.
🎧 Review video: Duke Ellington & John Coltrane Acoustic Sound Series vs. 45 RPM Analogue Production
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