Zwei Saxofone, ein Gespräch
Los Angeles, November und Dezember 1959: Gerry Mulligan und Ben Webster treffen sich für zwei Quintettsitzungen. Auf Gerry Mulligan Meets Ben Webster stehen Bariton- und Tenorsaxofon nebeneinander, zwei Instrumente mit einer gemeinsamen Tiefe und sehr unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Es ist eine Begegnung, bei der schon die Besetzung Lust aufs Zuhören macht. Wie greifen die beiden Stimmen ineinander, wo lassen sie einander Platz?
Mulligan war 32, Webster 50 Jahre alt. Hinter ihnen lagen unterschiedliche Wege durch den Jazz, vor ihnen sechs Stücke mit einer gemeinsamen Rhythmusgruppe. Norman Granz produzierte die Aufnahmen, die 1960 bei Verve erschienen. Das Album gehört zu den Begegnungen, für die sein Katalog besonders reizvoll ist: Musiker mit unverwechselbarer Sprache bekommen einen überschaubaren Rahmen und Zeit, aufeinander zu reagieren.

Fünf Musiker tragen die Begegnung
Jimmy Rowles am Klavier, Leroy Vinnegar am Bass und Mel Lewis am Schlagzeug begleiten beide Saxofonisten auf allen sechs Titeln. Gerade diese Kontinuität ist wichtig. Unter den wechselnden Melodien und Soli bleibt dieselbe Gruppe zusammen, die sich über zwei Aufnahmetage hinweg aufeinander einstellen kann. Der Blick auf die Namen lohnt sich deshalb über die beiden großen Überschriften hinaus.
Ein schönes Hörmotiv ist das Verhältnis zwischen den tiefen Bläserstimmen und dem Klavier. Wann ergänzt Rowles, wann bleibt die Begleitung zurückhaltend? Wie setzen Bass und Schlagzeug den Rahmen für die Phrasen der Solisten? Solche Fragen müssen nicht analytisch abgearbeitet werden. Sie können einfach helfen, bei einem weiteren Durchlauf neue Einzelheiten dieser Begegnung zu entdecken.

Von „Chelsea Bridge“ bis „Go Home“
Billy Strayhorns „Chelsea Bridge“ eröffnet die Platte. Mit „The Cat Walk“ und „Sunday“ folgt ein Programm, das die erste Seite als eigene kleine Folge zusammenhält. Nach dem Umdrehen stehen „Who’s Got Rhythm“, „Tell Me When“ und „Go Home“ auf dem Etikett. Sechs Titel genügen, um beiden Saxofonisten Raum zu geben, ohne den Charakter der gemeinsamen Sitzung aus dem Blick zu verlieren.
Die Aufnahmen vom 3. November lieferten „Chelsea Bridge“, „Who’s Got Rhythm“ und „Go Home“; „The Cat Walk“, „Sunday“ und „Tell Me When“ entstanden am 2. Dezember. Die fertige LP ordnet diese beiden Tage zu einer Albumfolge. Darin liegt ein Teil des Vergnügens am Schallplattenformat: Die Dramaturgie einer Seite schafft Verbindungen, die über die Reihenfolge der Aufnahmetermine hinausgehen.
Die Verve Acoustic Sounds Series
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer AVER 512459 und gehört zur Verve Acoustic Sounds Series. Die einzelne 180-Gramm-LP wird bei Quality Record Pressings gepresst. Der Herausgeber nennt Ryan K. Smith bei Sterling Sound für das Mastering von den originalen analogen Bändern. Die Platte steckt in einem Tip-on-Klappcover von Stoughton Printing.
Die Ausgabe verbindet das sechsteilige Originalprogramm mit einer sorgfältig gefertigten Präsentation. Für die Sammlung ist sie eine Einladung, Mulligan und Webster auf Augenhöhe zu begegnen und zugleich der Rhythmusgruppe zuzuhören. Fünf Musiker, deren Namen man sich nach der letzten Seite gerne noch einmal auf der Hülle ansieht.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Gerry MulliganBaritonsaxofon, Co-LeaderMitwirkung: Album-Besetzung
- Ben WebsterTenorsaxofon, Co-LeaderMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy RowlesKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Leroy VinnegarBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Mel LewisSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Gerry Mulligan (Baritonsaxofon), Ben Webster (Tenorsaxofon), Jimmy Rowles (Klavier), Leroy Vinnegar (Bass), Mel Lewis (Schlagzeug) – auf allen sechs Titeln; aufgenommen am 3. November 1959 (Chelsea Bridge, Who’s Got Rhythm, Go Home) und am 2. Dezember 1959 (The Cat Walk, Sunday, Tell Me When) in Los Angeles, laut späteren Ausgaben bei Radio Recorders. Produzent: Norman Granz. Liner Notes: Nat Hentoff. Diese Ausgabe: Mastering und Lackschnitt Ryan K. Smith, Sterling Sound; gepresst bei Quality Record Pressings; Hülle Stoughton Printing; betreut von Chad Kassem. Autoren von „The Cat Walk“ und „Go Home“ in den Quellen uneinheitlich.
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