Eine Band hinter einem eigenwilligen Albumtitel
Der Titel hat Witz, die Musik dahinter Gewicht. You Get More Bounce With Curtis Counce! stellt eine Gruppe vor, deren Qualität sich nicht allein am Bekanntheitsgrad ihres Leaders bemisst. Curtis Counce steht am Kontrabass, Jack Sheldon spielt Trompete, Harold Land Tenorsaxofon, Carl Perkins Klavier und Frank Butler Schlagzeug. Fünf Musiker, die in der Jazzszene von Los Angeles ihren eigenen Platz hatten, begegnen sich hier in einer Besetzung, die sowohl gemeinsame Konturen als auch individuelle Stimmen hören lässt.
Das Album erschien 1957 bei Contemporary Records. Wer mit „West Coast Jazz“ vor allem eine bestimmte kühle Oberfläche verbindet, findet in dieser Gruppe einen Anlass, das Bild zu erweitern. Die Verbindung zu Hard Bop, Standards und dem Blues gehört ebenso dazu wie die sorgfältig geformte Ensemblearbeit. Der Kontrabass ist dabei nicht lediglich Fundament unter zwei Bläsern. Schon die Tatsache, dass der Bassist die Band leitet und zwei Kompositionen beisteuert, lenkt die Aufmerksamkeit auf seine Rolle im gesamten Gefüge.
Für Sammler lohnt es sich, auch jenseits der ganz großen Namen nach solchen Gruppen zu suchen. You Get More Bounce bietet einen klar umrissenen Zugang: sieben Stücke, eine überschaubare Besetzung und ein Repertoire, das vertraute Standards mit eigener Musik verbindet. Der Albumtitel verspricht Bewegung; die Entdeckungsreise beginnt bei den Musikern, die sie gestalten. Wer Harold Land oder Jack Sheldon aus anderen Zusammenhängen kennt, kann ihre Beiträge hier innerhalb einer anderen Partnerschaft verfolgen und zugleich Counce, Perkins und Butler genauer kennenlernen.

Contemporary in Los Angeles, 1956 und 1957
Die Aufnahmen stammen aus fünf Sessions in den Jahren 1956 und 1957 in Los Angeles. Big Foot entstand am 8. Oktober 1956, Stranger in Paradise am 15. Oktober. Am 22. April 1957 folgten Too Close for Comfort und Counceltation, am 13. Mai Complete und How Deep Is the Ocean, am 3. September Mean to Me. Lester Koenig produzierte für Contemporary Records, Roy DuNann betreute die Aufnahmetechnik. Die Besetzung blieb über alle fünf Termine hinweg dieselbe. Es handelt sich damit nicht um die Dokumentation eines einzigen abgeschlossenen Studiotages. Über mehrere Termine entstand Material, das auf dem Album zu einer Folge zusammengeführt wurde. Diese Entstehungsgeschichte ist ein guter Grund, eine Platte nicht vorschnell mit einer einzigen angeblich rekonstruierbaren Studiosituation gleichzusetzen. Der Zusammenhang ergibt sich hier vor allem aus der Gruppe und ihrem Repertoire.
Trompete und Tenorsaxofon bilden eine klassische zweistimmige Front. Sheldon und Land können gemeinsame Themen prägen und anschließend jeweils eigene Wege im Solo entwickeln. Darunter teilen sich Carl Perkins, Curtis Counce und Frank Butler die Aufgaben von Harmonie, Puls und Bewegung. Perkins ist hier der Jazzpianist, nicht der gleichnamige Rockabilly-Musiker. Bei häufig wiederkehrenden Namen und vertrauten Besetzungsformen lohnt gerade diese Genauigkeit: Sie führt zu den tatsächlichen Persönlichkeiten, die auf der Platte miteinander arbeiten.
Eine besonders aufschlussreiche Hörperspektive ist der Wechsel zwischen Ensemble und Einzelstimme. Wie wird ein Thema gemeinsam eingeführt? Welche Aufgabe übernimmt der Bass, sobald einer der Bläser solistisch hervortritt? Wo hält das Schlagzeug einen Ablauf zusammen, wo setzt das Klavier einen eigenen Akzent? Die Credits nennen die Musiker für das Album; sie bedeuten nicht, dass jede Rolle in jedem Moment gleich stark hervortritt. Der Reiz einer kleinen Jazzgruppe liegt auch darin, wie ihre Aufgaben im Verlauf eines Stücks neu verteilt werden.

Eigenkompositionen, Standards und ein Stück von Charlie Parker
Mit Complete beginnt die erste Seite mit einer Komposition von Counce selbst. Es folgt Irving Berlins How Deep Is the Ocean, bevor Too Close for Comfort und Mean to Me die Seite vervollständigen. Das Programm bringt damit unterschiedliche Herkunftsgeschichten zusammen, ohne dass der Hörer sie vorab kennen müsste. Ein Standard ist hier kein unveränderlicher Gegenstand, sondern Material für eine bestimmte Band. Melodie und harmonischer Verlauf liefern Orientierung, während die Interpretation ihren eigenen Zusammenhang schafft.
Auf der zweiten Seite steht zunächst Stranger in Paradise. Danach kehrt der Leader mit Counceltation als Komponist zurück. Diese Platzierung gibt Counces eigener Musik auf beiden Albumseiten Gewicht. Sie lädt dazu ein, den Bassisten nicht nur über sein Instrument zu betrachten, sondern auch über die musikalischen Situationen, die er seinen Mitspielern anbietet. Zwischen bekannten Titeln erhalten seine Stücke einen nachvollziehbaren Kontext, ohne bloße Übergänge zu sein.
Den Abschluss bildet Charlie Parkers Big Foot, mit gut neun Minuten das längste Stück der Ausgabe. Der Bogen reicht damit von Counces eigener Musik über amerikanisches Songrepertoire bis zu einer Komposition aus dem Bebop-Umfeld. Gerade diese Mischung kann das wiederholte Hören interessant machen. Einmal führt ein vertrauter Titel in die Platte, ein anderes Mal folgt man einer bestimmten Instrumentalstimme. Für eine Sammlung bietet das Album ein lebendiges Gegenstück zur Vorstellung, Jazzgeschichte bestehe nur aus wenigen berühmten Bandleadern und ihren kanonischen Aufnahmen.
Die analoge Neuauflage als 33⅓er-LP
Diese Ausgabe gehört zur Contemporary Records Acoustic Sounds Series von Craft Recordings und trägt die Katalognummer CR00389, im Acoustic-Sounds-Vertrieb ACONC 389. Die 2023 erschienene Neuauflage ist eine Stereo-LP mit 180 Gramm und 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Die sieben Titel verteilen sich auf zwei Seiten: vier auf A, drei auf B. Das erhält einen übersichtlichen Albumablauf, in dem die beiden Kompositionen des Leaders jeweils ihren eigenen Platz bekommen.
Bernie Grundman verantwortet Mastering und Lackfolienschnitt. Der Herausgeber nennt ausdrücklich ein vollständig analoges Mastering von den Originalbändern. Diese Angabe ist konkreter als die bloße Nennung einer analogen Quelle: Für diese Veröffentlichung wird der analoge Masteringweg tatsächlich ausgewiesen. Die dokumentierten Auslaufrillen tragen „BG“. Quality Record Pressings fertigte die LP; sie steckt in einer Tip-on-Hülle von Stoughton Printing. Eine bestimmte limitierte Stückzahl wird für diese Ausgabe nicht zugesagt.
Die Contemporary-Reihe macht solche Aufnahmen in einer klar bezeichneten Neuauflage zugänglich. Gewicht, Schnitt und Hülle sind dabei nachvollziehbare Ausstattungsmerkmale, während die musikalische Entscheidung bei der Band selbst liegt. Wer kleine Jazzensembles liebt und sich für die Szene von Los Angeles interessiert, findet hier sieben Stücke, in denen vertrautes Material und eigene Kompositionen zusammenkommen. Counces Name steht auf dem Cover; die Geschichte erzählen alle fünf Musiker. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Curtis CounceBass (Leader)Mitwirkung: Album-Besetzung · alle fünf Sessions
- Jack SheldonTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung · alle fünf Sessions
- Harold LandTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung · alle fünf Sessions
- Carl PerkinsKlavierMitwirkung: Album-Besetzung · alle fünf Sessions
- Frank ButlerSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung · alle fünf Sessions
Die Instrumentenliste beschreibt die Besetzung des Albums. Einzelne Titelzuordnungen sind dort angegeben, wo sie dokumentiert sind.












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