Ein Trio, ein Abend, ein offenes Gespräch
Am 15. Juni 1968 spielen Bill Evans, Eddie Gomez und Jack DeJohnette im Casino von Montreux. Aus diesem Auftritt entsteht At The Montreux Jazz Festival, eine Aufnahme, die den Pianisten in einer besonderen Trio-Konstellation festhält. Klavier, Kontrabass und Schlagzeug bilden hier einen gemeinsamen Rahmen, in dem sich die Aufmerksamkeit zwischen drei eigenständigen Musikern bewegen kann. Die neun Titel der LP verbinden Eigenkompositionen mit Songs anderer Autoren und geben dem Konzert eine abwechslungsreiche, klar erkennbare Form.
Schon der Auftakt One For Helen stellt Evans als Komponisten neben den Interpreten bekannter Melodien. Am Ende steht mit Walkin’ Up erneut ein Stück aus seiner Feder. Dazwischen liegen unter anderem Harold Arlens A Sleeping Bee, Earl Zindars’ Mother Of Earl, das Miles Davis zugeschriebene Nardis und mehrere Standards. Das Programm lebt dadurch sowohl von vertrautem Material als auch von der individuellen Welt des Pianisten. Bekanntheit einer Melodie bedeutet hier nicht, dass ihr Verlauf bereits feststeht.
Eine Liveaufnahme bietet für diese Musik einen besonderen Zusammenhang. Die Stücke entstehen innerhalb eines Abends, unter denselben räumlichen Bedingungen und im fortlaufenden Austausch derselben Musiker. Entscheidungen über Länge, Dichte oder Übergänge gehören zur jeweiligen Darbietung. Für Hörer liegt der Reiz darin, nicht nur fertige Formen wiederzuerkennen, sondern der Entstehung eines musikalischen Verlaufs zu folgen. Ein Thema ist Ausgangspunkt für das Gespräch, nicht dessen vollständiges Drehbuch.
Das Album wurde 1969 mit einem Grammy ausgezeichnet. Seine Bedeutung erschöpft sich jedoch nicht in dieser späteren Anerkennung. Montreux hält Evans mit Gomez und DeJohnette in einem konkreten Moment fest. Das macht die Platte zu einer interessanten Ergänzung innerhalb seiner Diskografie: dieselbe musikalische Persönlichkeit, die sich in unterschiedlichen Besetzungen zeigt, und zugleich ein Zusammenspiel, dessen Eigenart nicht durch den Namen des Pianisten allein beschrieben ist.

Eddie Gomez und Jack DeJohnette sind keine Randfiguren
Eddie Gomez am Kontrabass ist weit mehr als die tiefste Stimme unter dem Klavier. Schon das Instrument eröffnet mehrere Aufgaben: harmonische Orientierung, rhythmische Bewegung und melodische Aussage. Je nachdem, welche davon hervortritt, verändert sich auch die Rolle des Pianisten. Evans kann einen Verlauf verdichten, offenlassen oder auf eine Bassfigur reagieren. So lässt sich ein Trio als bewegliches Verhältnis hören, in dem die Bedeutung einer Stimme nicht an ihre Lautstärke gebunden ist.
Jack DeJohnette erweitert dieses Verhältnis am Schlagzeug. Ein Beckenklang kann den zeitlichen Rahmen tragen, während andere Akzente diesen Rahmen kommentieren. Das Schlagzeug muss deshalb nicht zwischen bloßer Begleitung und einem ausdrücklich angekündigten Solo wählen. Auch innerhalb eines gemeinsamen Abschnitts entstehen Möglichkeiten für Antworten und Veränderungen. Gerade im Zusammenspiel mit einem eigenständig geführten Bass lohnt es sich, die rhythmische Bewegung nicht ausschließlich vom Klavier aus zu verfolgen.
Zwei Stücke helfen, die unterschiedlichen Schwerpunkte des Trios zu erkennen: Embraceable You gibt dem Bass besonderen Raum, Nardis dem Schlagzeug. Das sind musikalische Perspektiven innerhalb des Programms, keine Begründung, die übrigen Stimmen aus den Credits zu streichen. Ein hervorgehobener Solist bleibt Teil einer konkreten Aufführung, deren Zusammenhang von mehr als einer Person getragen wird. Entscheidend bleibt, ob sich die Aufgabe innerhalb des Trios verändert oder die Besetzung selbst.
Die wichtigste Ausnahme ist I Loves You, Porgy am Beginn der zweiten Seite: Hier spielt Bill Evans allein. Gomez und DeJohnette wirken an den übrigen acht LP-Titeln mit. Diese Reduktion verändert die Wahrnehmung des ganzen Albums. Nach dem Gespräch dreier Instrumente liegt die Gestaltung vollständig bei einem Pianisten. Dass eine Trioaufnahme auch einen solchen Moment enthält, macht ihre Dramaturgie reicher und gibt der Rückkehr der gemeinsamen Besetzung zusätzliches Gewicht.

Neun Titel mit unterschiedlichen Blickrichtungen
Die erste Seite beginnt mit One For Helen und führt über A Sleeping Bee zu Mother Of Earl. Bereits die Autorennamen zeigen, wie Evans ein Programm aus eigener Musik und fremden Kompositionen zusammenstellt. Für den Hörer entstehen damit verschiedene Formen von Vertrautheit. Manche Stücke bringen eine lange Songgeschichte mit, andere sind enger mit dem Repertoire des Pianisten verbunden. Im Konzert begegnen sie einander unter denselben Bedingungen und werden Teil eines gemeinsamen Ablaufs.
Nardis beschließt die erste Seite mit knapp acht Minuten und bildet damit ihren längsten Abschnitt. Der Raum für Entwicklung ist hier ein anderer als beim gut vierminütigen Auftakt. Das längere Format kann Aufmerksamkeit von der Melodie auf die Verteilung von Spannung, Soloraum und Rückkehr lenken. Auch die Position am Seitenende hat Gewicht: Nach diesem ausgedehnteren Trioabschnitt steht zunächst das Plattenwenden, bevor die zweite Seite mit einer ganz anderen Konzentration beginnt.
Auf das Klaviersolo I Loves You, Porgy folgt The Touch Of Your Lips von Ray Noble. Danach führen Embraceable You und Someday My Prince Will Come durch weitere vertraute Songwelten. Die Dreierbewegung von Someday My Prince Will Come bietet einen anderen rhythmischen Ausgangspunkt als ein gerader Puls. Ein bekanntes Thema kann dadurch gleichzeitig Orientierung geben und Raum für eine eigenständige Gestaltung lassen. Das Wiedererkennen ist erst der Anfang des Hörens.
Walkin’ Up schließt das Album nach gut drei Minuten. Die Rückkehr zu einem Evans-Stück rahmt die Standards ein, ohne sie zu unterbrechen oder nachträglich zu erklären. Insgesamt ist die LP ein bewusst begrenztes Programm aus neun Titeln. Spätere CD-Zusätze gehören nicht zu dieser Ausgabe. Wer das Album auf Vinyl hört, erhält genau diesen Wechsel von größeren und kleineren Formen, Trio und Solo, Wiedererkennen und musikalischer Offenheit.
Die einzelne 33⅓-RPM-LP von Analogue Productions
Die hier angebotene Fassung ist AAPJ 8762, eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM. Bernie Grundman schnitt vom originalen Masterband, Quality Record Pressings fertigte die Platte, und eine Stoughton-Hülle gehört zur Ausstattung. Damit ist diese Ausgabe von anderen Vinylfassungen desselben Albums eindeutig zu unterscheiden. Ein einzelner Tonträger bewahrt den Ablauf in zwei längeren Seiten, einschließlich des markanten Wechsels von Nardis zum allein gespielten Porgy nach dem Wenden.
Die ursprüngliche Produktion verantwortete Helen Keane. Die Aufnahme entstand mit Radio Suisse Romande; Jean-Claude Martin und Pierre Grandjean sind als Toningenieure genannt. Bob Schwarz übernahm Schnitt und Mischung, Val Valentin die technische Leitung. Gene Lees steuerte Hülltext und Fotografie bei, Acy Lehman die Covergestaltung. Solche Credits machen sichtbar, wie aus einem Konzert ein veröffentlichbares Album wurde, ohne die Arbeit der drei Musiker mit der späteren Produktion zu verwechseln.
Für die musikalische Entscheidung ist diese Fassung vor allem eine Einladung, den Abend in seinem LP-Zusammenhang zu verfolgen. Die Eigenkompositionen rahmen die Auswahl, Bass und Schlagzeug erhalten eigene Schwerpunkte, und der Solotitel schafft eine andere Form von Nähe. Das Programm lässt sich mit einzelnen Lieblingsstücken kennenlernen, gewinnt aber zusätzliche Beziehungen, wenn beide Seiten nacheinander gehört werden. Der Wechsel der Besetzung ist dabei ebenso wichtig wie der Wechsel der Komponisten.
Wer Bill Evans mit Eddie Gomez und Jack DeJohnette auf einer sorgfältig ausgewiesenen einzelnen Vinyl-LP sucht, findet hier diese konkrete Verve-Aufnahme in der Analogue-Productions-Ausgabe. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Künstlerseite: Alle Titel von Bill Evans
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Bill EvansPorträtvorlage: 1964KlavierMitwirkung: Alle neun Titel; B1 solo
- Eddie GomezSpätere Porträtvorlage: 2010KontrabassMitwirkung: A1–A4, B2–B5 · nicht auf dem Klaviersolo B1
- Jack DeJohnetteSpätere Porträtvorlage: 2006SchlagzeugMitwirkung: A1–A4, B2–B5 · nicht auf dem Klaviersolo B1
15. Juni 1968, Casino Montreux; Radio Suisse Romande. Helen Keane: Produktion; Jean-Claude Martin und Pierre Grandjean: Ton; Bob Schwarz: Schnitt/Mischung; Val Valentin: technische Leitung; Gene Lees: Hülltext und Foto; Acy Lehman: Covergestaltung. B1 I Loves You, Porgy: Bill Evans solo; Gomez und DeJohnette auf den übrigen acht Titeln. Bernie Grundman: Neuschnitt vom Originalband; QRP: Pressung. Neun LP-Titel, ohne spätere CD-Bonustitel.










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