Eine Party mit einer langen Vorgeschichte
Der Titel klingt nach einem unbeschwerten Abend. Hinter Party Time steht jedoch ein Musiker, der sich seinen Platz auf der Bühne ein zweites Mal erarbeiten musste. Arnett Cobb hatte 1956 einen schweren Autounfall überlebt; die Folgen begleiteten ihn dauerhaft. Als er am 14. Mai 1959 mit vier Kollegen in Rudy Van Gelders Studio in Hackensack zusammenkam, brachte er deshalb mehr mit als ein paar Standards und eigene Bluesnummern. Diese Platte gehört zu seiner Rückkehr als eigenständiger Bandleader. Man muss aus dieser Geschichte kein musikalisches Heilungsversprechen machen, um zu verstehen, welche Bedeutung eine solche Session für einen Künstler besitzen konnte.
Cobb war damals längst kein unbekannter Tenorist. In Houston geboren, hatte er von 1936 bis 1942 in Milt Larkins Band gespielt, einem wichtigen Umfeld auch für Illinois Jacquet und Eddie „Cleanhead“ Vinson. Anschließend übernahm er Jacquets Platz bei Lionel Hampton. Dort entwickelte sich sein Ruf als „Wild Man of the Tenor Sax“: ein Saxofonist mit einer unmittelbaren, körperlichen Ansprache, dessen Musik nicht an der Grenze zwischen Konzertsaal und Tanzfläche Halt machte. Party Time lässt sich vor diesem Hintergrund als kleine Besetzung mit großer Erinnerung verstehen. Die Energie der Big Band wird hier nicht durch eine große Bläserzahl vertreten, sondern durch eine einzige prägnante Stimme.
Die Aufnahme entstand noch in Hackensack, nicht im späteren Studio in Englewood Cliffs. Diese Unterscheidung ist bei Van-Gelder-Aufnahmen aus dem Jahr 1959 durchaus wichtig. Auch die gelegentlich in einem Herausgebertext genannte Jahreszahl 1957 gehört nicht zu dieser Session: Die diskografisch belegte Aufnahme datiert auf den 14. Mai 1959. Esmond Edwards wird als Produzent geführt, Bob Snead schrieb die Begleitnotizen. Prestige veröffentlichte das Album als PRLP 7165. Hinter dem geselligen Namen steht damit eine sehr konkrete Station in Cobbs Laufbahn – und kein beliebig zusammengestelltes späteres Stimmungsprogramm.

Fünf Musiker, zwei rhythmische Perspektiven
Die Besetzung ist klein genug, um jeden Beteiligten wahrnehmen zu können, und zugleich ungewöhnlich genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen. Cobb spielt Tenorsaxofon, Ray Bryant Klavier, Wendell Marshall Kontrabass und Art Taylor Schlagzeug. Als fünfter Musiker kommt Ray Barretto an der Conga hinzu. Alle fünf gehören zur dokumentierten Besetzung der sieben Titel. Barrettos Instrument ist dabei keine nachträglich angefügte Dekoration: Die Conga gehört zur Anlage dieser Aufnahme. Für einen Hörzugang lohnt es sich deshalb, das Verhältnis zwischen Taylors Schlagzeug und Barrettos Handtrommel ebenso bewusst zu verfolgen wie die Saxofonmelodie.
Ein Schlagzeug und eine Conga erfüllen unterschiedliche Aufgaben, selbst wenn beide den Puls tragen. Taylor verfügt über Becken und Trommeln, Barretto über die fein abgestuften Anschläge einer mit den Händen gespielten Trommel. Wo sie einander Raum lassen, wo sie Akzente setzen und wie Bryant darauf antwortet, sind ergiebige Fragen für eine ganze Plattenseite. Der Herausgeber hebt Barrettos Beitrag gerade bei „Cocktails for Two“ hervor. Daraus sollte man keine pauschale Behauptung machen, das gesamte Album sei Latin Jazz. Interessanter ist die konkrete zusätzliche Farbe innerhalb einer blues- und swingorientierten kleinen Band.
Ray Bryant wiederum ist ein wichtiger Gegenpart zum Tenor. Seine Rolle erschöpft sich nicht in der Unterstützung der Melodie: Ein Pianist kann einen harmonischen Rahmen bestätigen, verdichten oder für einen Moment offenhalten. Marshall und Taylor geben dieser beweglichen Mitte die rhythmische Grundlage. Gerade bei einer Platte, deren Leader durch einen so markanten Spitznamen beschrieben wird, lohnt sich dieser Blick auf die Begleiter. Eine starke Saxofonpersönlichkeit entsteht auf einem Ensemblealbum schließlich nicht im luftleeren Raum. Die unmittelbare Wirkung und die sorgfältige Arbeit einer Rhythmusgruppe gehören zusammen.

Standards, eigene Bluesstücke und eine Hampton-Verbindung
Die erste Seite eröffnet mit „When My Dream Boat Comes Home“, gefolgt von „Lonesome Road“. Schon diese Auswahl setzt auf Melodien, die eine Geschichte außerhalb dieser Session besitzen. „Blues in the Closet“, geschrieben von Bassist Oscar Pettiford, führt anschließend direkt in das Bluesrepertoire. Den Abschluss der Seite bildet Cobbs eigenes „Party Time“. Diese Abfolge macht den Reiz der Platte verständlich: Vertrautes Liedmaterial und die persönliche Handschrift des Leaders stehen unmittelbar nebeneinander. Wer das Album genauer kennenlernen möchte, kann darauf achten, wie viel Identität Cobb einer bereits bekannten Melodie gibt, bevor eine Improvisation überhaupt größere Wege einschlägt.
Auf der zweiten Seite besitzt „Flying Home“ eine besondere biografische Bedeutung. Der Titel führt zurück zu Lionel Hampton und damit zu jenem Orchester, in dem Cobb seinen Ruf entscheidend geprägt hatte. Die Aufnahme auf Party Time ist eine neue Kleingruppenfassung innerhalb eines anderen musikalischen Zusammenhangs, kein wiederverwendetes Hampton-Dokument. Gerade diese Verbindung macht das Stück für Sammler reizvoll: Ein Repertoiretitel kann zeigen, wie ein Musiker seine eigene Vergangenheit weiterträgt, ohne ein altes Arrangement bloß zu wiederholen. Die Band von 1959 ist ein Quintett mit Conga; diese Besetzung ist der Ausgangspunkt der Platte.
Mit „Slow Poke“ folgt eine weitere Cobb-Komposition, bevor „Cocktails for Two“ den Schluss setzt. Die sieben Stücke bilden das originale LP-Programm, nicht die Reihenfolge, in der sie im Studio aufgenommen wurden. „Cocktails for Two“ steht in der Sessiondiskografie sogar am Anfang. Für die Platte wurde daraus ein anderer Verlauf. Diesen Unterschied zwischen Aufnahmetag und Albumdramaturgie kann man beim Hören gut im Hinterkopf behalten: Ein Album ist auch eine Entscheidung darüber, in welcher Reihenfolge eine Band ihrem Publikum begegnet.
Party Time eignet sich deshalb für Liebhaber, die Swing, Blues und die direkte Ansprache eines großen Tenorsaxofons nicht in getrennte Schubladen legen möchten. Der historische Reiz liegt ebenso in Cobb wie in dieser besonderen Rhythmusgruppe. Statt das Album allein über seinen Beinamen zu erklären, lohnt ein zweiter Durchgang mit Aufmerksamkeit für Bryant, Marshall, Taylor und Barretto. Die Party hat fünf Gastgeber, auch wenn nur einer auf dem Cover als Leader erscheint.
Diese Analogue-Productions-Ausgabe
Die angebotene Ausgabe trägt die Katalognummer APRJ 7165 und gehört zur Prestige-Stereo-Reihe von Analogue Productions. Sie erscheint als einzelne LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Der Herausgeber nennt Kevin Gray für den Schnitt von den analogen Masterbändern und Quality Record Pressings für die Pressung; Gary Salstrom wird für die Galvanik geführt. Hinzu kommt ein Tip-on-Cover. Diese Angaben beschreiben die angebotene Wiederveröffentlichung. Rudy Van Gelder gehört dagegen zur ursprünglichen Aufnahmegeschichte von 1959 – Aufnahme und späterer Plattenschnitt sind zwei verschiedene Arbeitsschritte.
Bei der Grammatur lohnt eine genaue Unterscheidung der Auflagen. Der aktuelle Herausgeber führt 180 Gramm, während eine frühere nummerierte AP-Ausgabe von 2016 mit 200 Gramm dokumentiert ist. Eine spätere unnummerierte Ausgabe wird mit 180 Gramm geführt. Daraus folgt keine Garantie, welche historische Presscharge ein einzelnes Lagerexemplar repräsentiert; Gewicht und Nummerierung sollten nicht aus älteren Sammlereinträgen auf jedes heutige Exemplar übertragen werden. Entscheidend für die musikalische Identität sind hier das Stereoformat, das siebenteilige Programm und die konkrete AP-Katalognummer.
Das Format mit zwei zusammenhängenden Plattenseiten passt zu diesem Repertoire: Die erste Seite endet beim Titelstück, die zweite führt von der Hampton-Verbindung bis zu „Cocktails for Two“. Für Sammler ist Party Time damit sowohl eine klar umrissene Prestige-Session als auch ein Kapitel in der Geschichte des Texas-Tenors. Die Wiederveröffentlichung bringt diese Verbindung als eigenständiges Album zurück ins Regal – mit Cobb im Mittelpunkt und genügend Anlass, auch seinen vier Mitspielern zuzuhören. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Arnett CobbPorträt 1979TenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Ray BryantKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Wendell MarshallKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Art TaylorSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Ray BarrettoCongaMitwirkung: Album-Besetzung
Aufnahme: 14. Mai 1959, Hackensack. Rudy Van Gelder, Toningenieur. Analogue Productions: Kevin Gray, Schnitt; QRP, Pressung. Besetzung auf allen Titeln.











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