Der Konzertsaal darf sich bewegen
Bei Gershwin muss man sich nicht zwischen einer Melodie zum Mitsummen und einer Komposition zum Entdecken entscheiden. Beides gehört zusammen. Earl Wild, Arthur Fiedler und die Boston Pops begegnen hier einem Komponisten, dessen Musik auch im Konzertsaal ihre Beweglichkeit behält.
Das „Concerto in F“ entstand 1925 nach dem Erfolg der „Rhapsody in Blue“. Gershwin übernahm diesmal die Orchestrierung selbst. Das ist mehr als eine Randnotiz: Klavier und Orchester erzählen nicht getrennt voneinander, sondern entwickeln ihre Gedanken durch wechselnde Farben und Perspektiven.

Drei Wege durch Gershwins Welt
Im Konzert lohnt es sich, nach dem energischen Beginn auf die Veränderung der Atmosphäre zu achten. Der langsame Satz öffnet einen anderen Raum, bevor das Finale die Bewegung wieder bündelt. Wild ist dabei nicht einfach der Solist vor einer Begleitung: Das Interesse liegt auch darin, wie die Klavierstimme in das größere Geschehen eingebunden ist.
Die „Cuban Overture“ führt zu Gershwins Havanna-Reise von 1932 und zu seinem Interesse an kubanischen Rhythmen und Instrumenten. Die „I Got Rhythm“-Variationen nehmen dagegen eine bekannte Melodie als Ausgangspunkt für Verwandlungen. Wer das Thema im Ohr behält, erlebt jeden Wechsel doppelt: als neue Idee und als Wiedererkennen.

Drei Werke, drei sehr verschiedene Anlässe
Das „Concerto in F“ entstand 1925 nach einem Auftrag von Walter Damrosch. Gershwin schrieb diesmal auch die Orchestrierung selbst; die Arbeit fiel in eine Zeit, in der ihn zugleich „Tip-Toes“ und „Song of the Flame“ beschäftigten. Bei der Uraufführung in der Carnegie Hall saß er selbst am Klavier. Das Konzert ist damit nicht bloß ein weiterer Versuch, nach „Rhapsody in Blue“ einen Erfolg zu wiederholen. Es zeigt einen Komponisten, der Verantwortung für die gesamte Orchesterpartitur übernimmt und seine rhythmische Sprache über drei Sätze entwickelt.
Die „Cuban Overture“ hat dagegen eine Reise zum Ausgangspunkt. Gershwin besuchte 1932 Havanna und brachte Perkussionsinstrumente mit nach Hause. Zunächst hieß das Stück „Rumba“. Ein besonders schönes Partiturdetail: Er zeichnete die Instrumente ein und bestimmte ihre Aufstellung vor dem Dirigenten. Die kubanische Rhythmik sollte also nicht als beiläufige Farbe hinten im Orchester verschwinden. Sie gehört sichtbar und hörbar zur Anlage des Werks.
Die „I Got Rhythm“ Variations wiederum entstanden für Gershwins Konzerttournee von 1934, zehn Jahre nach „Rhapsody in Blue“, und sind seinem Bruder Ira gewidmet. Der Komponist beendete sie erst kurz vor dem Tourstart. In dieser Kopplung begegnen uns deshalb nicht drei austauschbare Beispiele für „symphonischen Jazz“, sondern Konzertauftrag, Reiseerfahrung und ein für den eigenen Auftritt geschaffenes Variationsstück. Earl Wilds Klavier steht in zwei davon im Zentrum; die „Cuban Overture“ gehört ganz dem Orchester.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · RCA Living Stereo · 2 LPs · 180-Gramm-Vinyl · 45 RPM. Mastering vom Original-Masterband: Bernie Grundman. Presswerk: Quality Record Pressings (QRP). Mit zweiteiligem Insert. Auf Seite C folgen der dritte Konzertsatz und die „I Got Rhythm“ Variations; Seite D enthält die Cuban Overture.
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Serie: RCA Living Stereo – alle 25 Titel, Dirigenten und Solisten
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Earl Wild ist Solist im Concerto in F und in den I Got Rhythm Variations. Die Cuban Overture ist ein Orchesterwerk. George Gershwin wird als Komponist geführt.
- Earl WildKlavier
- Arthur FiedlerDirigat
- Boston Pops OrchestraOrchester









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