Ein Orchester übernimmt die Solistenrolle
Ein Konzert ohne einzelnen Solisten: Schon der Titel von Béla Bartóks Concerto for Orchestra stellt eine vertraute Erwartung auf den Kopf. Nicht ein Klavier oder eine Violine steht vor dem Ensemble, sondern das Orchester selbst wird zum Gegenüber seiner einzelnen Stimmen. Instrumentengruppen treten hervor, beantworten einander und verschwinden wieder im gemeinsamen Satz. Dadurch entsteht eine besondere Form von Virtuosität. Sie lässt sich nicht an einer einzigen spektakulären Partie festmachen, sondern an den Übergaben zwischen vielen Beteiligten. Wer hier zuhört, kann die Aufmerksamkeit ständig neu verteilen.
Fritz Reiner und das Chicago Symphony Orchestra nahmen das Werk am 22. Oktober 1955 in der Orchestra Hall in Chicago auf. Reiners Verbindung zu Bartók reicht jedoch viel weiter zurück als diese Sitzung. Beide kannten sich aus ihrer ungarischen Lebenswelt, und Reiner gehörte zu den Unterstützern, die den Kompositionsauftrag an Bartók mit auf den Weg brachten. Die Aufnahme ist deshalb auch die Begegnung eines Dirigenten mit einem Werk, dessen Entstehung ihm persönlich nahestand. Sie gehört in die Geschichte dieser Beziehung ebenso wie in die Geschichte der RCA-Stereoaufnahmen.

Die Rückkehr schöpferischer Energie
Bartók schrieb das Konzert 1943 in den Vereinigten Staaten. Der Auftrag durch Serge Koussevitzky kam in einer schwierigen Phase seines amerikanischen Exils; Reiner und der Geiger Joseph Szigeti hatten sich für den Komponisten eingesetzt. Die Partitur entstand im Sommer und Herbst in Saranac Lake. Koussevitzky dirigierte die Uraufführung im Dezember 1944 mit dem Boston Symphony Orchestra. Dieser Bostoner Ursprung der Aufführungsgeschichte darf nicht mit dem Aufnahmeort der hier vorliegenden Chicagoer Einspielung verwechselt werden. Zwischen beiden Ereignissen liegen rund elf Jahre und ein anderes Orchester.
Die fünf Sätze verbinden ernste, spielerische und energische Situationen zu einem großen Bogen. Auf die „Introduzione“ folgt das Spiel der Instrumentenpaare; im Zentrum steht die „Elegia“. Das „Intermezzo interrotto“ und das „Finale“ führen weiter, ohne die vorherigen Kontraste einfach aufzulösen. Bartók beschrieb selbst einen Weg von der Strenge des Anfangs und der Trauer des Mittelsatzes zur Lebensbejahung des Schlusses. Diese Anlage bietet einen hilfreichen Einstieg, wenn du das Werk noch nicht kennst: Die einzelnen Sätze sind verschieden, aber sie stehen nicht beliebig nebeneinander.

Kleine Abstände, große Unterschiede
Besonders anschaulich wird Bartóks Orchesteridee im zweiten Satz. Fagotte, Oboen, Klarinetten, Flöten und gedämpfte Trompeten erscheinen paarweise. Die jeweiligen Paare bewegen sich in unterschiedlichen Tonabständen, sodass nicht allein die Klangfarbe, sondern auch das Verhältnis der Stimmen wechselt. Du musst diese Intervalle nicht benennen können, um die Veränderungen wahrzunehmen. Achte zunächst darauf, wann ein neues Paar eintritt und wie die kleine Trommel den Rahmen setzt. Aus einer scheinbar einfachen Folge entsteht so eine präzise organisierte Vorstellung verschiedener Orchestercharaktere.
Reiners Arbeit mit dem Chicago Symphony Orchestra lässt sich gerade an solchen Stellen entdecken. Ein großer Höhepunkt zeigt nur einen Teil dessen, was diese Partitur verlangt; genauso wichtig sind Klarheit, Einsatz und das Verhältnis zwischen beweglichen Linien. Im vierten Satz wiederum ist die Unterbrechung bereits Teil des Titels. Die Musik führt eine Ordnung vor und bringt etwas hinein, das sie stört. Wer die Aufnahme wiederholt hört, kann deshalb immer andere Verbindungen verfolgen: einmal die Bläserpaare, dann die Streicherbewegungen, schließlich den Wechsel zwischen einzelnen Stimmen und dem gesamten Ensemble.
Die Band-Ausgabe dieser Einspielung
Die Ultra-Tape-Fassung von Analogue Productions wird unter RRAP 0020 geführt. Sie enthält die fünf Sätze des Concerto for Orchestra und ist für Viertelzollband mit 15 ips, Zweispur-Stereo beziehungsweise Halbspur und IEC-Entzerrung ausgelegt. Für die Wiedergabe muss die Bandmaschine diese Kombination unterstützen. Diese Ausgabe ist weder die historische RCA-Kaufbandfassung noch eine der parallel angebotenen LPs. Ihre technischen Angaben müssen deshalb eigenständig betrachtet werden; eine Drehzahl oder ein Schneide-Credit der Schallplatte beschreibt nicht dieses Produkt.
Der Herausgeber nennt eine Echtzeitkopie auf einer ATR-modifizierten Ampex-Maschine und eine Kopie des ursprünglichen analogen Masterbandes als Ausgangsmaterial. Eine genaue Generationenfolge oder ein eigenständiger Mastering-Credit dieser Bandfassung ist damit nicht belegt. Musikalisch bleibt die Zuordnung hingegen eindeutig: Reiner, das Chicago Symphony Orchestra und die Aufnahme vom Oktober 1955. Die fünf Sätze geben dir Gelegenheit, ein großes Ensemble aus vielen kleinen Beziehungen heraus zu hören – ganz im Sinn eines Konzerts, in dem das Orchester selbst die wechselnden Solisten stellt.
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Auch in einer anderen Ausgabe: Bartok: Concerto For Orchestra
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Künstlerseite: Alle Titel von Fritz Reiner
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Herausgeberangaben sind gesondert gekennzeichnet; Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Fritz Reiner | Dirigent | Album-Besetzung |
| Chicago Symphony Orchestra | Orchester | Album-Besetzung |
Weitere einzelne Orchestermusiker sind für diese Sitzung nicht namentlich belegt.







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