Ellington im großen und im kleinen Kreis
Eine Melodie von Duke Ellington kann in einem Orchester aufblühen und wenige Minuten später in einer kleinen Gruppe eine ganz andere Nähe entwickeln. Genau dieser Wechsel macht Passion Flower so reizvoll. Zoot Sims steht im Mittelpunkt, doch die Umgebung seiner Saxofonstimme bleibt nicht gleich. Auf der ersten Plattenseite begegnet sie Benny Carters Orchesterarrangements; auf der zweiten wird der Rahmen zum Quintett. Nicht die Größe entscheidet über die Intensität, sondern die Art, wie Sims auf seine Mitspieler reagiert.
Das Album erschien 1980 bei Pablo Today. Hinter dem scheinbar geschlossenen Ellington-Programm stecken drei Aufnahmekomplexe: eine Orchestersitzung im August 1979 in Los Angeles, kleinere Besetzungen im Dezember desselben Jahres und weitere Aufnahmen im Mai 1980 in New York. Wer diesen Hintergrund kennt, hört die Seiten nicht als zufällige Sammlung, sondern als zwei unterschiedliche Annäherungen an ein gemeinsames Repertoire.

Benny Carter gestaltet den Rahmen
Die fünf Stücke der ersten Seite stammen aus der Sitzung vom 14. August 1979. Carter übernimmt Arrangement und Leitung; Sims ist der hervorgehobene Solist. Zum Orchester gehören unter anderem die Posaunisten J. J. Johnson und Britt Woodman sowie Frank Wess und Buddy Collette. Am Klavier sitzt Jimmy Rowles, dessen musikalische Persönlichkeit auch die kleineren Besetzungen verbindet. Das ist kein gesichtsloser Klangkörper hinter einem Star, sondern ein Ensemble mit vielen eigenen Geschichten.
„It Don’t Mean a Thing“ und „In a Mellow Tone“ öffnen vertraute Türen. Daneben stehen „I Got It Bad“, „I Let a Song Go Out of My Heart“ und „Black Butterfly“. Interessant ist, wie eine Sololinie ihren Platz innerhalb einer größeren Anordnung findet. Man kann dem Saxofon folgen und zugleich auf die Antworten der Bläser achten: Wo wird eine Phrase gestützt, wo bekommt sie ein Gegenüber, wo darf sie allein stehen?

Eine Familienverbindung und ein vertrauter Pianist
Auf Seite zwei kommt Ray Sims hinzu, Zoots Bruder, an der Posaune. Die Quintettaufnahmen entstanden nicht sämtlich am selben Ort oder mit derselben Rhythmusgruppe. Bei den Dezemberterminen in den Group IV Studios spielen John Heard und Shelly Manne; bei der New Yorker RCA-Session am 13. Mai 1980 sind Michael Moore und John Clay dabei. Jimmy Rowles bleibt die verbindende Klavierstimme. Solche Unterschiede erklären, warum selbst innerhalb der kleineren Besetzung mehrere Farben auftauchen.
„Bojangles“ und „Your Love Has Faded“ gehören zu den Dezemberaufnahmen; „Do Nothin’ Till You Hear from Me“ und das Titelstück stammen aus dem Mai. Die Verteilung lohnt einen zweiten Blick, weil Teile derselben Sessions später auf anderen Pablo-Alben erschienen. Passion Flower ist eine gezielte Auswahl aus dieser Arbeit, nicht die vollständige Dokumentation jedes Aufnahmetages. Der musikalische Zusammenhang wurde also auch durch die Zusammenstellung geschaffen.
Die Blume gehört Billy Strayhorn
Der Untertitel Zoot Sims Plays Duke Ellington beschreibt die musikalische Welt der Platte. Ausgerechnet „Passion Flower“, das ihr den eigentlichen Namen gibt, stammt jedoch von Billy Strayhorn. Diese kleine Korrektur öffnet einen größeren Zusammenhang: Ellingtons Repertoire lebt auch von den Persönlichkeiten, die es mitgeprägt haben. Eine Hommage muss deshalb nicht bedeuten, jede Komposition derselben Person zuzuschreiben.
Für Sims führte der Weg zu dieser Musik weit zurück. Ellingtons Orchester um 1940/41 und insbesondere Ben Webster gehörten zu seinen wichtigen frühen Einflüssen. Auf diesem späten Album wird daraus keine bloße Nachahmung. Die bekannten Melodien geben Orientierung, während Sims seine eigene Art des Erzählens behält. Es lohnt sich, nach den großen Themen auch die kleinen Übergänge wahrzunehmen: das Ende einer Phrase, eine Antwort von Rowles, den Moment, in dem die Posaune das Gespräch in eine andere Lage führt.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Zoot SimsTenorsaxofon
- Benny CarterDirigat
- Jimmy RowlesKlavier










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