Eine eigene Stimme neben Genesis
Mit Face Value tritt Phil Collins 1981 unter eigenem Namen vor sein Publikum. Er muss dafür seine Vergangenheit als Schlagzeuger und Sänger von Genesis nicht ablegen. Das Solodebüt verschiebt vielmehr den Ausgangspunkt: Heimaufnahmen, persönliche Erfahrungen und seine eigene Vorstellung von Rhythmus bestimmen, wohin die Musik gehen kann. Erste Demos entstehen 1979 im Zusammenhang mit der Trennung von seiner damaligen Ehefrau. Aus dieser privaten Arbeit entwickelt sich ein Album, das Verletzlichkeit ebenso zulässt wie Bewegungsfreude und das sich nicht auf eine einzige Stimmung festlegen lässt.
Phil Collins und Hugh Padgham produzieren gemeinsam. Die Arbeit führt über Old Croft in Surrey und The Town House in London bis zum Village Recorder in Los Angeles; Overdubs und Mischung werden 1980 ausgearbeitet. Diese verschiedenen Stationen erklären einen Teil der musikalischen Spannweite. Das Album verbindet die Konzentration eines zu Hause entwickelten Gedankens mit Beiträgen von Gitarristen, Bassisten, Bläsern, Streichern und einem Kinderchor. Eine persönliche Platte muss keine einsame Platte sein. Gerade das Wechselspiel zwischen einem klaren Mittelpunkt und unterschiedlich großen Besetzungen gehört zu ihrem Charakter.
Am 13. Februar 1981 erscheint Face Value, in Großbritannien bei Virgin und in Nordamerika bei Atlantic. Der Anfang mit In The Air Tonight ist so bekannt geworden, dass er leicht die übrige Platte überstrahlt. Doch die zwölf Titel zeigen mehr als den berühmten Schlagzeugeinsatz. Sie führen durch zurückgenommene Lieder, rhythmisch betonte Stücke, instrumentale Passagen und eine Beatles-Interpretation am Ende. Für eine Sammlung ist das Album deshalb nicht bloß der Ort einer großen Single, sondern der Beginn einer eigenständigen musikalischen Perspektive neben Collins‘ Bandarbeit.

Hinter dem berühmten Schlagzeugeinsatz
In The Air Tonight eröffnet Seite A dieser Ausgabe. Die Spannung entsteht nicht erst im vielzitierten Moment des akustischen Schlagzeugs, sondern auch durch das, was vorher stehen bleiben darf: wiederkehrende Figuren, eine beharrliche rhythmische Grundlage und die Stimme. Wer den Einsatz bereits erwartet, kann einmal bewusst auf die lange Vorbereitung achten. In den Credits stehen neben Collins John Giblin am Bass, Daryl Stuermer an der Gitarre und L. Shankar an der Violine. Schon der Auftakt ist also genauer besetzt, als die Vorstellung eines allein mit Maschinen arbeitenden Sängers vermuten ließe.
This Must Be Love und Behind The Lines setzen andere Akzente. Auf dem ersten Stück kommt Stephen Bishop als Begleitsänger hinzu. Auf dem zweiten erweitert der Bläsersatz den musikalischen Raum. Danach versammelt Seite B The Roof Is Leaking, Droned und Hand In Hand. Die Folge macht deutlich, wie verschieden Collins mit einer Ausgangsidee umgehen kann: Stimme und Klavier, zusätzliche Saitenfarben, Perkussion, elektronische Instrumente und größere Ensemblebeiträge erhalten jeweils andere Gewichte. Es lohnt sich, diese Übergänge als Teil der Albumdramaturgie zu verfolgen, statt nur nach dem nächsten bekannten Refrain zu suchen.
Auf Seite C stehen I Missed Again, You Know What I Mean und Thunder And Lightning. Ronnie Scott übernimmt das Tenorsaxofonsolo von I Missed Again; die zurückgenommene Anlage von You Know What I Mean schafft daneben einen deutlichen Gegenpol. Den Abschluss bilden I’m Not Moving, If Leaving Me Is Easy und Tomorrow Never Knows. Mit der Beatles-Komposition endet das Album bei einer Vorlage, die eigene Vorstellungskraft geradezu herausfordert. So führt die Folge vom persönlichen Beginn zu einem Schluss, der Collins‘ Blick über das eigene Songmaterial hinaus öffnet.

Die Mitspieler und die wechselnden Farben
Daryl Stuermer ist ein wichtiger roter Faden. Seine Beiträge beschränken sich nicht auf eine pauschale Gitarrenrolle: Bei The Roof Is Leaking ist Banjo kreditiert, bei Droned zwölfsaitige Gitarre. Jo Partridge ergänzt die Slidegitarre von The Roof Is Leaking. Diese Unterschiede sind klein genug, um in einer verkürzten Musikerliste zu verschwinden, und groß genug, um den Charakter eines Arrangements zu verändern. Auch die Bassstimme wechselt: Alphonso Johnson und John Giblin sind auf unterschiedlichen Titeln beteiligt, statt gemeinsam eine durchgehende Doppelbesetzung zu bilden.
Die Bläser verbinden Don Myrick, Louis Satterfield, Michael Harris und Rahmlee Michael Davis. Ihre Instrumente sind genau zu unterscheiden: Tenorsaxofon, Posaune und zwei Trompeten prägen mehrere Ensemblebeiträge. Auf If Leaving Me Is Easy ist Myrick dagegen am Altsaxofon genannt, Harris und Davis spielen Flügelhorn. Dort kommt außerdem Eric Clapton als Gitarrist hinzu. Ein Gastname darf die eigentliche musikalische Funktion nicht verdecken: Entscheidend ist sein Platz in diesem einzelnen Stück, nicht die Behauptung einer durchgehenden Beteiligung am gesamten Album.
Arif Mardin arrangiert die Streicher für You Know What I Mean und If Leaving Me Is Easy. Die einzeln genannten Mitglieder der Streichersektion sind in den Credits vollständig aufgeführt, ohne ihnen eine nicht belegte persönliche Titelzuordnung zuzuschreiben. Der Kinderchor aus Kirchen in Los Angeles gehört wiederum zu Hand In Hand und Tomorrow Never Knows. L. Shankars Beiträge und Peter Robinsons Prophet-Synthesizer auf Behind The Lines ergänzen das Bild. Wer diese Besetzungswechsel verfolgt, entdeckt ein Album, dessen Zusammenhalt nicht aus gleichbleibender Instrumentierung entsteht, sondern aus Collins‘ Umgang mit seinen sehr unterschiedlichen musikalischen Möglichkeiten.
Die Atlantic-75-Ausgabe und ihre genau bezeichnete Bandquelle
Angeboten wird AAPA 003-45, die Stereo-Doppel-LP der Atlantic 75 Series von Analogue Productions: zwei 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen pro Minute. Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering zeichnet für Mastering und Lackschnitt verantwortlich. Dabei ist die Quellenangabe ungewöhnlich konkret: Verwendet wurde eine entzerrte, Dolby-codierte Viertelzoll-Bandkopie des Originalmasters. Die Bezeichnung des Studios ist kein persönlicher Mastering-Credit für Bernie Grundman, und eine Bandkopie wird durch die Verbindung zum Original nicht selbst zum Originalband.
Für anspruchsvolle Sammler ist diese Genauigkeit ein Vorteil. Sie erlaubt, eine Ausgabe anhand ihrer tatsächlichen Herstellung einzuordnen, ohne aus allgemeinen Reihenversprechen eine andere Herkunft abzuleiten. Das vollständige Zwölf-Titel-Programm verteilt sich auf vier Seiten mit jeweils drei Stücken. Die 45er-Aufteilung schafft andere Schnittbedingungen als eine einzelne 33⅓-LP; im Alltag bedeutet sie auch häufigeres Wenden und die passende Drehzahleinstellung. Wer gerne zusammenhängende Albumseiten hört, findet hier vier klar umrissene Gruppen, deren Abfolge vom Eröffnungsstück bis zur Beatles-Interpretation erhalten bleibt.
Die Ausstattung umfasst eine Stoughton-Klapphülle im Tip-on-Stil. Die ersten 2.000 Exemplare wurden für die Reihe nummeriert und bei Quality Record Pressings gepresst; unnummerierte Exemplare können auch von RTI stammen. Welche Ausführung ein konkretes Lagerexemplar hat, lässt sich nur am Exemplar bestätigen. Die tragenden Merkmale dieses Angebots sind deshalb Katalognummer, Format, Chris Bellmans Schnitt und die ausdrücklich benannte Bandkopie. Damit erhält Face Value eine präzise beschriebene Sammlerausgabe, deren musikalisches Gewicht weiterhin in der Vielfalt seiner zwölf Stücke liegt. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Phil CollinsGesang, Schlagzeug, Klavier, Synthesizer u.a. (variiert je Titel)Mitwirkung: Alle 12 Titel
- Daryl StuermerGitarre; Banjo; Zwölfsaitige Gitarre; ohne EinzelangabeMitwirkung: Gitarre: A1, A2, A3, B3, C1, C3, D2; Banjo: B1; Zwölfsaitige Gitarre: B2; ohne Einzelangabe: D3
- Alphonso JohnsonBassMitwirkung: A2, A3, B3, C1, D2
- John GiblinBassMitwirkung: A1, C3, D1, D3
- L. ShankarVioline; Violine, Tambora, Stimme, Schlagzeug; Violine; ohne EinzelangabeMitwirkung: Violine: A1; Violine, Tambora, Stimme, Schlagzeug: B2; Violine: C1; ohne Einzelangabe: D3
- Eric ClaptonGitarreMitwirkung: D2
- Stephen BishopBegleitgesangMitwirkung: A2
- Don MyrickTenorsaxofon; AltsaxofonMitwirkung: Tenorsaxofon: A3, B3, C1, C3; Altsaxofon: D2
- Louis SatterfieldPosauneMitwirkung: A3, B3, C1, C3
- Michael HarrisTrompete; FlügelhornMitwirkung: Trompete: A3, B3, C1, C3; Flügelhorn: D2
- Rahmlee Michael DavisTrompete; FlügelhornMitwirkung: Trompete: A3, B3, C1, C3; Flügelhorn: D2
- Peter RobinsonSynthesizer (Prophet)Mitwirkung: A3
- Jo PartridgeSlide-GitarreMitwirkung: B1
- Ronnie ScottTenorsaxofon-SoloMitwirkung: C1
- Children From The Churches Of Los AngelesChorMitwirkung: B3, D3
- EWF Hornsohne EinzelangabeMitwirkung: D3
- Gavyn WrightVioline / Leitung der StreicherMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Bill BenhamViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Bruce DukovViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- David WoodcockViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Liz EdwardsViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Irvine ArdittiViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Ken SillitoeViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Peter OxerViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Richard StudtViolineMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Brian HawkinsViolaMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Roger BestViolaMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Simon WhistlerViolaMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Tony PleethVioloncelloMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Clive AnsteeVioloncelloMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Nigel Warren-GreenVioloncelloMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
- Chris LaurenceKontrabassMitwirkung: Streichersektion, Einzelzuordnung offen
Titelnummern bzw. Seitenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe. Albumcredits bedeuten nicht jedes Instrument auf jedem Titel. Die Streichersektion ist nur albumweit belegt. EWF Horns auf D3 ist ein zusätzlicher Gruppencredit; Einzelinstrumente dort nicht ausgewiesen.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Im Vergleich zur US-Erstpressung hört Michael bei der Atlantic-75-Ausgabe einen trockeneren, präziseren Bass und Mittelton, eine breitere Bühne und mehr Details – auch im dichten Schlussteil von „In the Air Tonight“. Es ist sein Höreindruck auf seiner Anlage.
🎧 Review video: Phil Collins Face Value: Atlantic 75 vs. First Pressing
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Liam Molyneux –
An amazing release to kick start the Atlantic 75 series.
As soon as the drum solo comes in on “In the Air Tonight” you immediately realise something special is happening.
The dynamics,,the soundstage & the separation of instruments are on another level.
A stunning sounding record perfect for 2 x 45 rpm format.
On the back of this & the quality of the package I for one will be buying a lot more of the series.
A big thank you to the Michael 45 record store.
The service you receive is of such a high standard.
Michael along with Hartmut continue to provide amazing customer care.
Cannot recommend using the shop enough.
A fantastic experience.
Peter –
Even after washing, there are annoying background noises in quiet passages.
Both records slightly wavy.
Both inner sleeves are bent.
For the price I expected more.
After more than a month there was no response to my problem description from Michael45.
Michael –
Peter, you’re right to be annoyed, and the line that bothers me most is your last one: you described a problem and heard nothing back. That’s not how this shop is supposed to work, and I’m sorry.
On the record itself you were right as well. If the noise survives a wash, it isn’t dirt — it sits in the vinyl, and that’s a pressing fault, not something you should have to live with. Wavy discs and creased inner sleeves don’t belong at this price either.
This is far enough back that I can’t put it right: that pressing is long sold out, and anything I offered now would be a gesture rather than a solution. I’d rather say that plainly than dress it up.
What I can change is the part that actually failed. Write to me at [email protected] and you get an answer — for this or anything else.
Michael