Der erste Auftritt unter neuem Namen
Bevor die Gitarren von „Dead & Bloated“ einsetzen, gehört der Anfang Scott Weilands Stimme. Core nimmt sich diesen kurzen Moment allein mit dem Sänger, ehe die Band ihr Gewicht dagegenstellt. Das Debüt der Stone Temple Pilots erschien im September 1992. Hinter dem neuen Namen steckte bereits eine gemeinsame Vorgeschichte: Als Mighty Joe Young hatten die Musiker Demos aufgenommen und sich in Südkalifornien ein Publikum erspielt. Die Umbenennung kam erst kurz vor der Veröffentlichung, weil der frühere Name schon vergeben war.
Weiland, Gitarrist Dean DeLeo, Bassist Robert DeLeo und Schlagzeuger Eric Kretz nahmen das Album mit Produzent Brendan O’Brien bei Rumbo Recorders in Los Angeles auf. Nick DiDia betreute die Aufnahme. Diese Zusammenarbeit sollte auch die folgenden Platten prägen. Auf Core steht zunächst die unmittelbare Wirkung des Quartetts im Vordergrund: markante Figuren, ein beweglicher Unterbau und Gesang, der sowohl nah am Sprechen als auch mit großer Kraft funktionieren kann. Die Musik hat Druck, aber sie besteht nicht nur aus Druck.

„Plush“ und die andere Seite der Band
„Plush“ zeigt, wie viel Melodie in dieser Besetzung steckt. Die Gitarrenakkorde tragen eine Gesangslinie, die sich auch ohne die volle elektrische Begleitung behaupten kann; die späteren akustischen Fassungen machten das besonders deutlich. Der Song brachte der Band 1994 einen Grammy für die beste Hard-Rock-Darbietung. Für das Album ist er zugleich ein Mittelpunkt, an dem sich die Härte der Instrumente und Weilands Sinn für eine weit gesungene Melodie begegnen.
„Creep“ rückt die zurückgenommene Seite nach vorn. Zwischen diesen beiden Songs liegen Welten und doch dieselben vier Musiker. Auch das kurze Instrumental „No Memory“ verändert den Ablauf, bevor „Sin“ wieder mehr Raum einnimmt. Core lässt sich deshalb gut als Ganzes hören: Die Pausen und kleineren Übergänge geben den schweren Stücken eine Kontur. Wer nur „Sex Type Thing“ oder „Wicked Garden“ kennt, entdeckt eine Platte, die ihren Ausdruck immer wieder durch weniger dichte Arrangements verändert.

Unterhalb der Gitarrenwand
Robert DeLeos Bass ist ein lohnender Weg in die Musik. Achte darauf, wann er das Gitarrenmotiv stützt und wann er eine eigene Bewegung hinzufügt. Eric Kretz hält den Zusammenhang, ohne jede Lücke schließen zu müssen. Dean DeLeo arbeitet darüber mit unterschiedlichen Akkordlagen und Klangfarben. Gerade bei bekannten Songs kann dieser Wechsel der Aufmerksamkeit helfen: Ein vertrauter Refrain bekommt wieder Einzelheiten, sobald du der Rhythmusgruppe oder einer Begleitfigur statt ausschließlich der Stimme folgst.
Der lange Abschluss „Where the River Goes“ gibt der Band mehr Zeit als die kompakten Singles. Er führt die Platte nicht mit einem schnellen Ausrufezeichen hinaus, sondern lässt ihre Figuren und Stimmungen ausgreifen. Dass Core bei Erscheinen stark mit anderen Bands seiner Zeit verglichen wurde, gehört zur Rezeptionsgeschichte. Die Songs selbst bieten einen konkreteren Zugang: Du hörst bereits die melodische Neugier, die auf Purple weiter hervortreten sollte, eingebettet in die schwere, direkte Sprache dieses Debüts.
Diese Ausgabe
Die Atlantic-75-Ausgabe von Analogue Productions, AAPA 028-45, umfasst zwei 180-Gramm-LPs mit 45 U/min. Ryan K. Smith masterte bei Sterling Sound vom originalen Masterband, wie der Herausgeber angibt. Die Produktbeschreibung nennt Quality Record Pressings als Presswerk und ein Tip-On-Gatefold von Stoughton Printing. Es handelt sich um die Stereo-Albumfassung. Die Musik verteilt sich auf vier Seiten; das Mastering ist von den anderen Vinyl- und Mehrkanalausgaben des Albums zu unterscheiden.
Auch als SACD: Core
Kundenfragen: Atlantic 75: welche Titel lohnen sich? · Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Scott Weiland | Gesang |
| Robert DeLeo | Bass |
| Dean DeLeo | Gitarre |
| Eric Kretz | Schlagzeug |











Ralf Doerner –
Eine absolut hervorragende Platte die unglaublich viel Spaß macht 😍